CELLE. Vier Monate warten auf einen DSL-Anschluss? Im Jahr 2017 kaum vorstellbar. Bereits 2013 hat der Bundesgerichtshof festgestellt, dass das Internet von zentraler Bedeutung für die Lebenshaltung ist, also ein Grundrecht auf Internet besteht. Dennoch berichten CelleHeute-Leser, die sich bereits seit April um einen DSL-Neuanschluss bemühen, von wiederholten Terminverschiebungen und nunmehr voraussichtlich vier Monaten Wartezeit – und das nicht im „ländlichen Raum“, sondern mitten in der Stadt.

Während Drittanbieter wie z.B. Vodafone im Umfeld einiger Anschlusskästen offenbar überhaupt keine neuen Leitungen von der Telekom erhalten, hat auch die Telekom selber derzeit Probleme dort Neuanschlüsse bereitzustellen.

Auf Nachfrage von CelleHeute heißt es von der Telekom-Pressestelle in Hamburg: „Wir haben derzeit aufgrund der hohen Nachfrage nach schnellem Internet einen Portmangel.“ Wieviele Kunden davon genau betroffen seien, könne man nicht sagen. Laut Mitarbeitern des Telekom-Shops in der Zöllnerstraße sei neben dem Gebiet rund um die Speicherstraße mindestens auch ein Straßenzug in Wietzenbruch betroffen.

Vollmundig verspricht das Land Niedersachsen immer wieder in Pressemitteilungen, dass der digitale Ausbau vor allem im ländlichen Raum Priorität habe. Das suggeriert, dass die Städte versorgt seien. Von CelleHeute auf die Situation angesprochen äußerte sich kürzlich auch Niedersachsens Ministerpräsident Stefan Weil (SPD) zu dem Thema und gesteht: „Da habe ich keine Ahnung von.“ (siehe www.facebook.com/spdnds/videos/10155434942139485/ ab ca. 1:03). Er wisse aber, dass Celle mit dem Problem nicht allein sein – sogar Großstädte wie Oldenburg könnten nicht umfassend versorgt werden. Auf Nachfrage, ob „keine Ahnung davon“ das letzte Wort sei, gab es keine Antwort. 

Immerhin stellt die Telekom Abhilfe in Aussicht: „Die notwendigen technische Hardware – sogenannte Linecards – ist bereits geliefert. Im Laufe der kommenden Wochen werden wir die Multifunktionsgehäuse mit den Karten die Kapazitäten erweitern und damit den Mangel beheben,“ lässt die Pressestelle verlautbaren.

Heißt konkret: Am 28. Juli sollen nun die fehlenden Ports an mindestens einem der betroffnen Verteilerkästen nachgerüstet werden. Mit einer Schaltung ihrer Anschlüsse können die Kunden in den darauffolgenden Wochen im Laufe des Augusts rechnen. Rund vier Monate Wartezeit also – sofern es nicht zu weiteren Verzögerungen kommt.

Sind auch Sie betroffen und bekommen derzeit keinen modernen Telefon- und Internetanschluss im Celler Stadtgebiet? Schreiben Sie uns an redaktion@celleheute.de

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