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Ausstellung "Schnuckenprojekt" eröffnet

Schnuckenkunst mit subtiler Gesellschaftskritik: Heike Schlobinski stellt im Museumshof Winsen aus

17.09.2018 - 17:34 Uhr     Susanne Zaulick    0
Fotos: Susanne Zaulick


WINSEN/ALLER. „Ich kenne ja die Schnucken. Aber so habe ich sie noch nie gesehen“, spricht ein älterer Mann Heike Schlobinski nach der Eröffnung ihrer aktuellen Ausstellung „Schnuckenprojekt“ im Grooden Hus des Winsener Museumshofes an. Auch viele andere Besucher dürften beim Anblick von Gemälden und Textikunst rund um das Symboltier der Heide empfunden haben, was auf einer Tafel über den Werdegang der in Schmarbeck bei Faßberg heimischen Künstlerin so formuliert ist: „Heike Schlobinski untersucht das Unbekannte im Bekannten, sieht im Alltäglichen das Besondere und zeigt mit feinem Gespür für das Detail, wie abstrakt die Realität sein kann.“



„Ein Jahr lang genoss ich das Privileg, eine Heidschnuckenherde begleiten zu dürfen“, schreibt die studierte Textidesignerin im Flyer zur Ausstellung. Dass sie sich nicht nur auf Augenhöhe mit den „Grauen Gehörnten“ begeben, sondern deren Wesen mit allen Sinnen erfasst hat, spiegelt die aktuelle Ausstellung wieder: Portraits, deren Ausstrahlung sich der Betrachter kaum entziehen kann, faszinierende Webarbeiten aus Schnuckenwolle, aber auch andere visuelle und akustische Momentaufnahmen aus dem Schnuckenleben kann man im Winser Museumshof erleben. Ergänzt wird die Präsentation durch Informationen über die bäuerliche Heidschnuckenhaltung im Laufe der Jahrhunderte in unserer Region.

In ihrer Einführung erläuterte Kunsthistorikerin Daphne Mattner die Besonderheiten der Schlobinski’schen Kunst. „Es war einmal eine Müllerstochter…“ – entführte sie die Zuhörer ins Reich von Rumpelstilzchen, wo Stroh zu Gold gesponnen wird. Auch Heike Schlobinski hat die von ihr verarbeitete Schnuckenwolle selbst gesponnen und dann am Webstuhl weiter verarbeitet – inklusive Strohhalmen und Goldfäden. Dass dabei aus einem Material, das in unserer Gesellschaft als Abfall normalerweise keinerlei Verwertung findet, faszinierend-abwechslungsreiche Gewebe entstanden sind, spricht für sich. So konnten die Ausstellungsbesucher erfahren, dass Heidschnucken nicht einfach nur „grau“, sondern „silbrig, eierschalenfarben, honiggelb“ und auf vielerlei Arten mehr gefärbt sein können.

Die in Lasurtechnik mit Ölfarbe geschaffenen Schnuckenportraits beschreibt Daphne Mattner, als ebenso frappierend wirklichkeitsnah wie befremdlich. Heike Schlobinski fange die Beschaffenheit eines Materials so genau mit dem Pinsel ein, dass sowohl das Auge als auch der Tastsinn stimuliert würden. So wirkten die Tiere verführerisch, blieben aber trotzdem immer in würdevoller Distanz. Dass der Künstlerin die „Erfassung des Tieres als charaktervolles Individuum“ gelungen sei, kann wohl jeder, nachvollziehen, der in eines dieser archaisch anmutenden Gesichter mit ganz unterschiedlichem Ausdruck blickt.

Am Ende hat Daphne Mattner für alle, die bisher dachten, Schnuckenwolle sei einfach nur kratzig, noch eine positive Nachricht: „Wo Reibung und Irritation stattfinden, entsteht Energie“. Wer sich mit Schnuckenwolle befasse, sie gar trage, gestalte auch einen Gegenentwurf zur allseits präsenten Einheitsware und trage dazu bei, dass die Reizvielfalt der Welt nicht durch menschlichen Einfluss weiter verarme. Insofern beinhalte die Ausstellung auch ein wenig „subtile Kritik“.

Winser Museumshof
Brauckmanns Kerkstieg 6
29308 Winsen (Aller)
Tel. 05143 – 8140
geöffnet mittwochs und sonnabends von 15 bis 18 Uhr,
sonntags von 11 bis 18 Uhr, Einlass jeweils bis 17 Uhr

Die Ausstellung „Schnuckenprojekt“ läuft bis 28. Oktober 2018

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