BRÜSSEL/CELLE. „Es geht ein Gespenst um in Europa – das Gespenst des Populismus. In Zeiten, in denen sich in vielen europäischen Ländern radikale Politiker von demokratischen Grundwerten abwenden und die Europäische Idee infrage stellen, ist Aufklärungsarbeit dringend vonnöten“, sind sich die Lehrkräfte des beruflichen Gymnasiums der Berufsbildenden Schulen 1 (bbs1) aus Celle einig.

Und so machte sich eine 25-köpfige Delegation des elften Jahrgangs mit den PolitiklehrkräftenMartin Michaelis, Tobias Preuß und Gerd Roggenbrodt auf die Reise in die europäische Hauptstadt Brüssel, um auf dem Feld der Europäischen Union auf Spurensuche zu gehen. Unter dem Motto „Politik zum Anfassen“ standen Besuche der EU-Institutionen und Gespräche mit politischen Akteuren auf dem Programm. Von der Einflussnahme auf die Gesetzesinitiative der EU-Kommission durch Lobbyisten über den Meinungsbildungs- und Entscheidungsprozess im EU-Parlament bis hin zum Diskussionsprozess in den Ausschüssen des EU-Parlaments konnten die Schülerinnen und Schüler Orte der großen Politik hautnah erleben. Aufgeteilt auf zwei Programmtage zeigte sich die Komplexität des politischen Entscheidungsprozederes beispielsweise in Form eines mehrstündigen Plan- bzw. Rollenspiel zur Gesetzesinitiative zu Themen wie Personenidentifikation per implantiertem Mikrochip oder einer Wasser-Sparrichtlinie – einem politischen Dauerbrenner. Hier wurde die Celler Delegation in mehrere Fraktionen eingeteilt und anschließend simuliert, wie man von einem konkreten gesellschaftlichen Problem zu einer zwischen den Akteuren politisch ausgehandelten Lösung gelangen kann.

Die Zeit zwischen den Programmpunkten wurde genutzt, um die kulturellen Seiten der europäischen Hauptstadt nicht zu kurz kommen zu lassen. Mit den Smartphones in Vorhalte wurde das Expo-Wahrzeichen aus dem Jahr 1958 – das Atomium – besichtigt und die Haute Cuisine (belgische Pommes Frites) genossen. Und weil Belgien bestimmt auch für einige (gute) Ballsportler bekannt ist, wurde zum Abschluss der Reise ein Tischkicker-Turnier veranstaltet, bei dem sich – wie so oft – nicht die Qualität, sondern die Routine der Lehrkräfte durchsetzen konnte. „Gewinner der Fahrt aber waren alle teilnehmenden Schülerinnen und Schüler“, meinen die Lehrkräfte rückblickend. Nicht nur deshalb müsse man nach fast achtstündiger Heimfahrt und mit zahlreichen Fotos und Souvenirs im Gepäck sagen: „Brüssel lohnt sich in vielerlei Hinsicht. Die Fahrt ist ein voller Erfolg gewesen, denn ein Stück politische Aufklärung wurde den Schülerinnen und Schülern zuteil, so dass populistische Parolen bei ihnen nicht mehr so leicht verfangen sollten.“

Am 5. Mai soll bei einem EU-Projekttag an den bbs1 Celle mit namhaften Politikern im Rahmen einer Podiumsdiskussion all das Wissenswerte noch weiter vertieft und über die weiteren Perspektiven der EU diskutiert werden.

Parlament Kicker Gruppe Lobby Gruppe Hotel Atomium

Text: Martin Michaelis, Tobias Preuß und Gerd Roggenbrodt. Fotos: Martin Michaelis

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