Schüler helfen Schülern: Lerncoaches unterstützen Jugendliche mit Migrationshintergrund

Gesellschaft Von Redaktion | am Fr., 10.05.2019 - 21:19

WATHLINGEN. Mit Sultana Ceper, Julia Hentschel, Zahra Avdi, Ammelie Kackert und Rueangsak Koochaiphoom bekamen die ersten ausgebildeten Coaches der Oberschule Wathlingen ihre Ernennungsurkunden von den Samtgemeindebürgermeistern Helfried H. Pohndorf und Wolfgang Grube überreicht. „Auch wenn Kinder, die vor zwei Jahren zu uns kamen und noch kein Wort der deutschen Sprache beherrschten, sich inzwischen schon sehr gut ausdrücken können, so hapert es häufig jedoch im Bereich der Bildungssprache. Dies wird u.a. dadurch deutlich, dass statistisch gesehen nach wie vor 85 Prozent der Auszubildenden mit Migrationshintergrund an der theoretischen Prüfung scheitern", erläutert Andreas Gantz, Oberschuldirektor Wathlingen.

Hier setze das neue Projekt an. "Mitschüler sind leichter in der Lage, komplizierte Sachverhalte in der allgemein gebräuchlichen Alltagssprache der Jugendlichen zu vermitteln", sagt Simone Welzien, die Geschäftsführerin des KESS. Den Jugendlichen wurden im Rahmen der Ausbildung u.a. Kenntnisse über das Rollenverständnis, Zielvereinbarungen, Ressourcen- und Stärkenorientierung und zur gewaltfreien Kommunikation vermittelt. Insbesondere Letzteres empfanden die fünf Jugendlichen als sehr hilfreich. „Ich hätte sonst nicht gewusst, wie ich einen Schüler erreiche, der gerade null Bock hat und sich dem Thema verweigert", stellt Julia Hentschel fest. Zahra Avdi ergänzt: "Da ich gerne eine Ausbildung im Bereich Erziehung machen möchte, ist die Erfahrung als Lern-Coach für mich sehr wertvoll.“

Einmal pro Woche geben die fünf Jugendlichen gezielten Nachhilfeunterricht in kleinen Lernteams, die sich fachlich auf einem Leistungsniveau befinden. Die Jugendlichen werden dabei nicht allein gelassen, sondern von einer Mitarbeiterin des KESS und von den Lehrkräften der Oberschulen begleitet.

Im Juni soll eine erste Coachingausbildung an der Oberschule Flotwedel erfolgen. „Das ist ein Schritt in die richtige Richtung, denn Ausbildung ermöglicht die Teilhabe an der Gesellschaft und sichert den Frieden", erklärt Samtgemeindebürgermeister Wolfgang Grube. Sein Kollege Helfried Pohndorf lobt das Engagement der Jugendlichen und weist darauf hin, dass mit diesem Projekt das Ziel  „alle Menschen sind gleich“ ein großes Stück näher rücke. „Wer miteinander redet, der bekämpft sich nicht.“