Boye regiert Celle – Schützen feiern rauschende Ballnacht

Gesellschaft Von Anke Schlicht | am So., 23.02.2020 - 11:32

CELLE. „Nun dreimal aufstampfen“, fordert der Oberste Hauptschaffer, Norbert Schüpp, die besten Schützen des vergangenen Jahres auf. Und dann heißt es: „So, das war Euer letzter Auftritt, jetzt seid Ihr wieder Schützenbrüder.“ Ein wenig erinnern die Gepflogenheiten unter diesen und ihren -schwestern durchaus an die tollen Tage. 
Bürgermeister Heiko Gevers fragt in seinem Grußwort der Stadt und der Verwaltung an Vereine und Gilden in der Congress Union rein rhetorisch: „Warum jetzt mitten im rheinischen Karneval?“ Der Zeitpunkt für den Ball der Schützen ist traditionell der vorletzte Samstag im Februar. In diesem Jahr erreichte er eine Rekordzahl von über 400 Teilnehmern.

„Kostüme brauchen wir nicht, wir haben unsere Uniformen, darin sehen wir genauso gut aus wie die Jecken“, sagt Gevers und trifft es damit nicht so ganz. Denn auf die grün-grauen mit Orden geschmückten Trachten schaut an diesem Abend niemand. Es sind die Damen, die in ihren Ballkleidern jeden Uniformierten überstrahlen und alle Blicke auf sich ziehen. Gleich zu Beginn des Festes sind sie zu bewundern. Märchenhaft mutet es an, wenn die Königspaare und Damenbesten des Jahrgangs 2019/20 aus allen 16 Celler Schützenvereinen einmarschieren, mit Namen wie „der Böllernde Pegelbeobachter“, „der Leuchtende Holländer“ oder „der Angelnde Spezialschütze“ vorgestellt werden und sich anschließend aufs Parkett für den ersten Ehrentanz begeben. Die passende Musik liefern „The Nightflames“ mit deutschen Schlager-Medleys und internationalen Evergreens. 

Die Szenerie und ein Blick über die vollbesetzten Reihen im Saal belegen, was der Oberste Hauptschaffer zum Auftakt verkündet hatte: „Unser gemeinsamer Ball lebt“, obwohl der Höhepunkt des Abends noch nicht erreicht ist. Und wieder sind es die Damen, die zunächst im Mittelpunkt stehen und unter Beweis stellen, dass Frauen nicht nur gut gekleidet, sondern auch treffsicher sein können. „Die Damen können schießen“, verkündet Norbert Schüpp zum Start der Proklamation. Alljährlich werden in Celle von den Schützen der Stadtkönig und der Stadtvizekönig ausgeschossen. An diesem Königsschießen nehmen alle Könige und Vizekönige der 16 Celler Schützengesellschaften teil. Geschossen wird mit Kleinkalibergewehren auf Scheiben mit 50 Meter Abstand. Jeder Schütze hat sechs Schuss. Die Damen dürfen bei dieser seit 1976 bestehenden Tradition nicht fehlen. 

Schüpp versteht es, Spannung aufzubauen, er ruft die drei Bestplatzierten nach vorne. Für die Ehrung steht mit Stefan Gratzfeld von der Sparkasse Celle-Wolfsburg-Gifhorn ein Vertreter des Hauptsponsors bereit. Noch wissen die Schützinnen nicht, wer sich aus dem Dreierfeld als die Beste herausgestellt hat. Mimik und Gestik von Margit Knoop-Körting offenbaren ebenso große Überraschung wie Freude über den ersten Platz mit 10,0 Teiler. Ein Jahr lang darf sich die Schützin aus Altencelle nun Stadtdamenbeste nennen. Glückwünsche nimmt sie nicht nur vom Vorstand der Sparkasse, sondern auch vom Bürgermeister entgegen. Dieser dürfte sich als Boyer Einwohner über die Proklamation des Stadtkönigs besonders gefreut haben. Mit 107,4 Teiler hat sich Bodo-Christian Gudehus von der Boyer Schützengesellschaft den Titel des Stadtkönigs gesichert. Markus Dratius von der Neustädter Schützengesellschaft unterlag mit einem Abstand von 13,1 Teilern und darf sich nun Stadtvizekönig nennen. Und wieder erinnerten die Gepflogenheiten am Ende der Proklamation ein wenig an die Narren am Rhein, nicht ein dreifaches Helau oder Alaaf wurde gerufen, sondern der Saal gratulierte den frisch gekürten Majestäten mit einem dreifachen „Gut Ziel, gut Ziel…“.