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Witz und Besinniches bei Altstädter Schützengilde

„Schützentugenden wie ‚Ausdauer‘ braucht man auch im Celler Verkehr“ – Pastorin Schwenke beim Königsmahl

17.07.2017 - 18:08 Uhr     fehlhaber    0

CELLE. Humor und Besinnlichkeit zeichnete das Königsmahl in der Theo-Wilkens-Halle der Altstädter Schützengilde aus. Launig witzige Krönungen und Würdigungen von Majestäten und langjährigen Mitgliedern standen auf dem Programm. 1. Vorsteher Rainer Legall konnte einen vollen Saal mit Gästen befreundeter Vereine, der Verwaltung und Politik begrüßen – unter ihnen die neue Stadtkirchen-Pastorin Elisabeth Schwenke. Die Lutherbotschafterin im Reformationsjahr hielt die traditionelle „Barometer-Rede“ zu den Schützen-Tugenden „Ausdauer, Kameradschaft, Treue und Toleranz“ und nahm Bezug zu regionalen und gesellschaftlichen Themen- exklusiv auf CelleHeute in voller Länge (siehe unten).

 

  • „Dirk Alvermann hätte sicher alle Chaoten verscheucht“

Feiern ließen sich König David Cotterill, „David der Gelassene“, Vizekönig Dirk Alvemann, „Dirk der Aufrechte“
Freihandkönig Ralph Gröne, „Ralph der Charmante“, die Damenbeste Petra Peterson, der Jugendkönig Nils Haase und
Mini König Malte Schumann. „Als die Queen mit ihrem Prinzgemahl in Bergen war – oder wenn der Bundespräsident mal in Celle vorbei schaut, sorgt Dirk für die erforderliche Gefahrenabwehr“, weiß Laudator Detlef Wagner. Er ist überzeugt, dass es in Hamburg mit ihm keine Krawalle gegeben hätte: „Vielleicht hätten sie ihn mal holen sollen, denn unser Vizekönig Dirk der Aufrechte, der wie auf der Krone zu sehen, wie ein Fels in der Brandung steht, hätte sicherlich alle Chaoten verscheucht.“

  • „Immer braungebrannt und lächelnd – Ralph, der Charmante“

Dr. Michael Wittke sparte nicht mit Lob für Ralph Gröne: „Wann immer man durch Celle flaniert, kann es einem passieren, dass in dem bunten Treiben unserer farbenfrohen Stadt immer mal wieder ein besonders bunter Farbklecks besonders bunt flaniert. Besondere Outfits haben es ihm angetan. Wer sonst fällt an einem sonnigen Tag durch einen vorsichtig ausgedrückt betont gelben Pullover hinter dem Steuer eines Mercedes Cabrio auf? Wer sonst läuft an grauen Herbsttagen ganz in sommerlichen Weiß gekleidet durch Celle? Wer sonst holt für die Altstädter Schützengilde im Wald das Grün in knallroten kurzen Hosen mit den dazu passenden knallroten Slippern? Wer sonst trägt zu normalen Jeans zu normalen Anlässen schwarze Lackschuhe, die jeder andere zum Smoking kombinieren würde? Wer sonst schafft es, durch ein Ton in Ton orangefarbenes Outfit vom Scheitel bis zur Sohle beim Vergleichsschießen mit befreundeten Vereinen ins Auge zu stechen? Und dazu immer braungebrannt und lächelnd. Wer sonst außer Ralph Gröne?“

  • „Dass ein Engländer Deutscher werden will, treibt mir ein breites Grinsen ins Gesicht“

Thomas Kersting weiß von zwei Frauen im Leben von David, dem Gelassenen. „Das ablaufende Regierungsjahr unseres Königs wurde maßgeblich von zwei Frauen bestimmt. Die eine kennen wir und die zweite nur vom Hörensagen. Die erstgenannte ist seine Königin Christiane. Die zweite Frau ist Theresa May, britische Premierministerin. Mit ihrer Brexit-Politik hat sie ihre Majestät König David der gelassene dazu veranlasst, in Deutschland um Exil nachzusuchen. Majestät hat die deutsche Staatsbürgerschaft beantragt und sich einem Einbürgerungstest unterzogen. Ein Umstand der mir, man möge es verzeihen, ein breites Grinsen ins Gesicht treibt.“

BAROMETERREDE VON PASTORIN ELISABETH SCHWENKE

„Als mich mein lieber Kollege Pastor Latossek vor einigen Wochen fragte, ob ich die sogenannte Barometerrede auf Ihrem heutigen Fest halten könne, da zögerte ich nicht lange, sondern sagte gerne zu – zumal ich damit eine Art Familientradition fortführe.

Mein Großvater Johannes Korth, seiner Zeit Hauptmann in einem Schützenverein in Ostfriesland, hielt jahrzehntelang die Eröffnungsreden der Schützenfeste – und das voller Stolz und mit großer Freude. Und so möchte ich heute – zumindest für ein paar zaghafte Schritte – in seine Fußstapfen treten. Ich glaube, es hätte ihn gefreut – und wenn ich Sie alle hier sehe, freue ich mich auch.

In einer seiner Reden sagte mein Großvater, und ich zitiere wörtlich: „Ein Schütze zu sein bedeutet eine Fülle von Ausdauer, Kameradschaft, Treue und Toleranz zu beweisen.“ Ausdauer, Kameradschaft, Treue und Toleranz – alles Eigenschaften, die damals wichtig waren und es auch heute noch sind – gerade im Hinblick auf unsere momentane Großwetterlage.

Alles Eigenschaften, die – zumindest unserem inneren Barometer, das mal hoch und mal tief steht – zu etwas mehr Ausgeglichenheit verhelfen. Ausdauer ist auch im Hinblick auf unsere momentane Verkehrslage in Celle gefragt. Ob nun einer in der Mühlenstraße im Stau steht oder die Hehlentorstraße großräumig umfahren muss und selbst der Weg zur Polizei durch die Hannoversche Straße zum Slalom-Akt wird – Celles Straßen sind gerade schwer zu befahren und man braucht Ausdauer, wenn man auf ihnen unterwegs ist

Ausdauer brauchten Sie vielleicht auch bei der Suche nach einer Parkmöglichkeit rund um den Schützenplatz. Klar, in diesen Tagen ist Schützenfest. Der große Platz ist bunt und laut und voller Fahrgeschäfte, Wagen mit herrlichen Leckereien, Schießständen und vielem mehr.

Und da ist der Plan des Hafencity-Projektes: Die Allerinsel soll mit vielen schönen Wohnungen in exklusiver Lage bebaut werden. Wie stehen die Celler Bürger dazu? Begeistert sie der Plan von ein bisschen mehr Glanz in ihrer Stadt oder stehen sie diesem großen Vorhaben eher skeptisch gegenüber? Es wäre schön, wenn mit Ausdauer und Vernunft eine gute Lösung gefunden werden könnte.

In Zeiten von Spaltungen, in Zeiten des Auseinanderdriftens sind vor allem die nächsten beiden Eigenschaften nötig, die mein Großvater in besagter Rede nennt: Kameradschaft und Treue. Ich denke da an Hamburg: Der G20-Gipfel hat seine Spuren hinterlassen: auf den Straßen und in den Herzen der Menschen. Hass, Krawall und Vandalismus waren während dieser Tage vorherrschend. Es ging längst nicht mehr darum, einen politischen Standpunkt zu vertreten, sondern einfach um blinde Zerstörungswut.

Kameradschaft und Treue – für mich bedeutet das: füreinander da sein, zusammenhalten. Die Bilder eines gespaltenen Hamburgs gingen durch die Presse – doch nicht nur solche. Am Morgen nach dem Gipfel sah man andere Bilder im Fernsehen: Die Straßen Hamburgs lagen zwar noch immer in Trümmern und waren wieder voller Menschen, friedlichen Menschen – denn dieses Mal gab es dort ein gewaltiges Miteinander, statt eines gewaltvollen Gegeneinander: die Menschen räumten miteinander auf, halfen einander, trösteten sich gegenseitig und gaben sich Kraft.

Das stelle ich mir unter Kameradschaft und Treue vor. Und das wünsche ich mir für den nächsten Gipfel – politisch und menschlich. Wobei das eine das andere ja nicht ausschließen sollte.
Ausgeschlossen fühlten sich auch (ziemlich) lange homosexuelle Paare, wenn’s ums Heiraten ging. Doch auch in dieser Hinsicht heißt es nun: Umdenken! Ganz neue Aufgaben kommen da auch aus kirchlicher Sicht auf uns zu – hier in Celle und in ganz Deutschland. Wir haben „JA, ich will“ gesagt zur Ehe für alle.

Doch auch da spalten sich die Geister. Viele befürchten einen sinkenden Stellenwert der Ehe. Immerhin gilt die Ehe zwischen Mann und Frau, also in ihrer ursprünglichen Form, als der Grundstein für Familie. Sie bietet die Grundlage für den Fortbestand der Gesellschaft. Durch die Öffnung der gleichgeschlechtlichen Ehe fällt für viele Menschen diese Bedeutung weg. Ich verstehe diese Einwände und kann nachvollziehen, dass einige ihre Schwierigkeiten mit dieser neuen Situation haben und doch – was war noch die vierte Eigenschaft, die mein Großvater nannte?

Toleranz.
Die Ehe ist ausdrücklich grundgesetzlich geschützt, die Lebenspartnerschaft nicht. Wer also nicht verheiratet ist, sondern nur verpartnert, steht auf einer niedrigeren Stufe – gesellschaftlich und moralisch. Unsere Gesellschaft braucht Werte – unbestritten. Das beweisen Sie alle, die Sie in Schützenvereinen ehrenamtlich aktiv sind.

Doch wenn in einer Gesellschaft, wie auch in unserer christlichen Kirche gilt, dass alle Menschen gleich sind, dann ist es doch an der Zeit, zu überlegen, ob auch Partnerschaften gleich behandelt werden müssen. Toleranz ist meiner Meinung nach der Schlüssel für ein gutes, ungespaltenes Miteinander. Ein Miteinander, in dem der eine den anderen vielleicht nicht immer versteht, aber doch so akzeptiert, wie er ist.

Sie sehen, das Barometer schlägt aus – hier bei uns in Celle und überall, wo über das Wohl einer Gemeinde, einer Stadt, eines Landes und der Menschen, die darin wohnen nachgedacht und geplant wird.
Doch mit Ausdauer, Kameradschaft, Treue und Toleranz können wir damit ganz gut umgehen, wie ich finde.
Ich möchte noch etwas zu diesen vier Eigenschaften hinzufügen. Es ist weniger eine Eigenschaft, als vielmehr ein Gefühl, eine innere Einstellung: Es ist die Hoffnung.

Denn wenn ich manchmal über meinen celleschen Tellerrand hinausblicke in die weite Welt, bei all dem Terror, bei all dem Leid und der missbrauchten Macht, bei all der Spaltung – da hilft sie mir, die Hoffnung.

Neben der Ausdauer, der Kameradschaft, der Treue und der Toleranz. Hoffnung.“

 

 

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