Schulen ohne Lehrer: Landkreis Celle mit „am wenigsten zufriedenstellenden Versorgungswerten“

Gesellschaft Von Redaktion | am Di., 17.09.2019 - 14:29

CELLE. Die Schüler freut‘s, bei Eltern macht sich zunehmend Unbehagen breit – verbunden mit einer gewissen Hilflosigkeit: Wenn Elftklässler gegen 9 Uhr das Haus verlassen und um 12 Uhr schon wieder vor der Tür stehen, ist das auch in entspannten Zeiten von G9 (13 Jahre bis zum Abitur statt 12) nicht das, was man sich gemeinhin unter gymnasialer Bildung vorstellt. Dass im ganzen Land vor allem an Grund-, Haupt-, Real- und Oberschulen Lehrermangel herrscht, ist bekannt. Wie es an den Gymnasien aussieht, die als letztes Glied in der Kette sozusagen die Reservebank bilden, darüber wird weniger geredet.

1021,5 Stunden (Stand 5.9.2019) unterrichten die Lehrkräfte der Gymnasien im Landkreis Celle wöchentlich als „Abordnung“ an anderen Schulformen. Spitzenreiter ist derzeit das Christian-Gymnasium Hermannsburg mit 339,5 Abordnungsstunden, gefolgt vom Hermann-Billung-Gymnasium Celle (281 Stunden) und dem Lachendorfer Immanuel-Kant-Gymnasium (188 Stunden). Das Gymnasium Ernestinum steht mit 47 Stunden aktuell am besten da. Auch aus den Oberschulen des Landkreises werden Lehrer „abgezogen“. Die Wochenstundenzahl, die wie auch bei den Gymnasien ständigen Schwankungen unterliegt, beziffert die Landesschulbehörde derzeit mit 422. Ziel der Abordnungen sei vor allem, die Versorgung an den Grundschulen sicherzustellen.

Laut Einschätzung der Niedersächsischen Landesschulbehörde ist der Landkreis Celle innerhalb der Regionalabteilung Lüneburg die Region, deren Versorgungswerte am wenigsten zufriedenstellend sind. „Hintergrund ist, dass sich die Stellenbesetzung in diesem Landkreis als ausgesprochen schwierig gestaltet. Das Problem besteht darin, dass Lehrkräfte landesweit nachgefragt sind, vor allem auch Grund-, Haupt- und Realschul-Lehrkräfte und Lehrkräfte mit Bedarfsfächern, und sie oftmals urbaneren Regionen den Vorzug geben“, so Andreas Herbig von der Niedersächsischen Landesschulbehörde, Regionalabteilung Lüneburg.

In der Behörde sieht man die aktuelle Situation – obwohl sich die Abordnungsstundenzahl im Vergleich zum vergangenen Schuljahr nochmal deutlich erhöht hat – zumindest als Teilerfolg. Im Verlauf des Einstellungsverfahrens Mitte August hätten immerhin 56 Lehrerstellen im Landkreis Celle, quer durch alle Schulformen, besetzt werden können, heißt es aus Lüneburg. Dies sei vor allem dem Engagement der Schulen und der schulfachlichen Dezernate, die mit jeder potenziell interessierten Lehrkraft mehrfach telefoniert hätten, zu verdanken.

Von 21 an den Gymnasien des Landkreises im August neu besetzten Stellen handelt es sich in neun Fällen um Verlagerungen von Stellen aus dem Bereich der Grund- und Oberschulen an Gymnasien mit der Auflage einer Abordnung an die zuerst genannten Schulen. Dies erklärt laut Landesschulbehörde zumindest zum Teil, warum die Abordnungsstunden von Gymnasien weiter gestiegen sind.

Die Schulbehörde verwaltet den Mangel, die Politik kann auf die Schnelle an dem Problem nur wenig ändern. Aber auch auf längere Sicht dürfte es mit der aktuellen Unterrichtsversorgung schwierig werden, die Lehrer von morgen auszubilden.