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Geschäftsführerin des Kreissportbundes geht in den Ruhestand

Sigrid Müller verabschiedet: „Ehrenamtlichen Wertschätzung entgegenzubringen war mein oberstes Ziel“

30.05.2018 - 09:35 Uhr     CELLEHEUTE    0
Fotos: Peter Müller

CELLE. Sigrid Müller wurde gestern als Geschäftsführerin des Kreissportbundes Celle verabschiedet. Seite an Seite mit dem Vorsitzenden Hartmut Ostermann hat sie unzählige Male den Kreissportbund auch in der Öffentlichkeit repräsentiert. Das Celler Sportgeschehen ohne Sigrid Müller ist für viele nur schwer vorstellbar. Die angehende Rentnerin sieht der Zukunft ohne den Kreissportbund nichtsdestotrotz freudig entgegen, wie sie in ihrer Abschiedsrede gestand. Zugleich wünschte sie ihrer Nachfolgerin Katja Koch viel Erfolg und bei allen Entscheidungen eine glückliche Hand. Einige Auszüge aus ihrem Redemanuskript, die die Erinnerung an 28 Jahre Kreissportbund widerspiegeln, unten stehend. Neben dem KSB-Vorsitzenden Hartmut Ostermann, würdigten auch Landrat Klaus Wiswe und der Vorstandsvorsitzende des Landessportbundes Niedersachsen, Reinhard Rawe, die Verdienste der Geschäftsführerin.



„Seit Ende April bin ich schon im Urlaub und habe so einige Male die Zeit gefunden, die vielen Jahre beim Kreissportbund Celle noch einmal Revue passieren zu lassen. Fast drei Jahrzehnte, die von ständigen Veränderungen geprägt waren.

Der Arbeitsvertrag wurde zum 01.09.1990 geschlossen. Wie die meisten von Ihnen wissen, war das Büro des Kreissportbundes Celle mehr als zehn Jahre in meinem Haus in Sandlingen. Die Räumlichkeiten und Ausstattung hatte ich damals selbst zu stellen. Besprechungen mit Vereinen fanden in meinem Esszimmer statt. Also alles immer sehr familiär. Es gab bis dahin außer einem Kopierer und einer Rechenmaschine, die beim damaligen Schatzmeister angesiedelt waren, keine weitere technische Ausstattung. Alle Arbeiten wie die Mitgliederverwaltung und Übungsleiterabrechnung sowie das Bearbeiten von Anträgen und Formularen wurden von meinem Vorgänger und auch teilweise von mir noch über Jahre manuell ausgeführt – das heißt, mit Bleistift, Lineal und Radiergummi auf kariertem Papier. Für die Buchhaltung gab es das berühmte Journal – immerhin noch während der ersten 10 Jahre meiner Dienstzeit. Die Arbeit in der Geschäftsstelle war zu dieser Zeit ziemlich anstrengend und
zeitraubend – oft reine Fleißarbeit!

In meiner der ersten Arbeitswoche fand bereits eine Vorstandssitzung mit dem Beschluss auf Anschaffung eines Computers statt. Nach zwei Wochen stand ein Commodore 64 in meinem Büro. Ich besuchte EDV-Lehrgänge in der Volkshochschule und beim Landessportbund. Fritz Söhnholz, damaliger Vorsitzender, und ich hatten den Ehrgeiz, die Bestandserhebung zum Jahresanfang per EDV durchzuführen. Unter den älteren Vorstandsmitgliedern gab es einen heftigen Aufschrei! Man wollte von Modernisierung nichts wissen, lief es doch jahrelang auch manuell ganz ordentlich.

Die Erfassung aller Vereinsdaten bis zum Jahresende war zeitraubend, hat aber gut funktioniert. Die Bestandserhebung stand fristgerecht. Somit waren alle Vorurteile gegen die EDV ausgeräumt. Die Sparkasse stellte uns kostenlos ein Überweisungsprogramm zur Verfügung. Und nach einigen Jahren schafften wir dann sogar unser erstes Fax-Gerät an – es war für alle der reinste Luxus. Beim KSB zog ganz langsam der Fortschritt ein.

Wir wechselten noch zwei Mal die Geschäftsstelle, bis wir vor sechs Jahren hier in Vorwerk in einer ehemaligen Geschäftsstelle der Sparkasse ansässig wurden. Unsere Technik ist heute auf einem modernen Stand und kann sich sehen lassen. Moderne EDV-Programme erleichtern ganz wesentlich die Arbeit der Mitarbeiter.

Guy de Maupassant sagte einmal: „ Es sind die Begegnungen mit Menschen, die das Leben lebenswert machen.“ Und so ist es auch im Sport. Gute Kontakte zum Vorstand, zu ehemaligen Vorstandsmitgliedern, zu den Ehrenamtlichen unserer Vereine und Fachverbände machen bis heute den Alltag in der Geschäftsstelle aus. Beratungen, helfen zu können, wo Hilfe notwendig ist. Der KSB ist schließlich Dienstleister für seine Vereine. Den Ehrenamtlichen Wertschätzung entgegenzubringen und die Arbeit an der Basis zu unterstützen, war in all den Jahren mein oberstes Ziel. Und wir sollten nie vergessen, dass es die Ehrenamtlichen sind, die die Arbeit in unseren Vereinen täglich ohne Bezahlung tun, und so uns allen erst die Ausführung unseres Sports ermöglichen und sich ständig neu an unseren Wünschen orientieren müssen.

Und mit dieser Einstellung stand ich nicht alleine da. Unterstütz wurde meine Arbeit in all den Jahren vom Vorstand, dem Landkreis Celle mit seinen Kommunen und der Stadt Celle – den Mitarbeitern der Sport- und Jugendämter. Es gab da immer die kleinen Dienstwege, die uns allen die Arbeit leichter machten. Sehr eng war in all den Jahren der Kontakt zum Landessportbund. Tagungen, Fortbildungen und die immer sehr gute Unterstützung durch freundliche und kompetente Mitarbeiter waren stets eine wertvolle Hilfe.

Neben der allgemeinen Verwaltungsarbeit, der Aus- und Fortbildung von Übungs- und Jugendleitern durch unsere Sportlehrkraft Barbara Walter, war mir die Aus- und Weiterbildung unserer Mitarbeiter, der Vorstände unserer Vereine während meiner gesamten Dienstzeit immer eine Herzensangelegenheit – es waren besonders meine geliebten Qualifix-Seminare – immer gut besucht und von den Vereinen sehr geschätzt. Dafür verbrachte ich auch gern meine Abende in der Geschäftsstelle.

Meine Devise lautete immer: „Nur wer sich in der Vereinsarbeit gut auskennt, hat auch Freude an seiner Arbeit im Sportverein und wird dem Sport als Ehrenamtlicher lange erhalten bleiben“. Neben der Verwaltungsarbeit in der Geschäftsstelle gab es aber auch noch zahlreiche andere Aktivitäten im KSB: Als Dankeschön für die vielen Ehrenamtlichen unseres Kreissportbundes und des Altbezirkes Lüneburg haben wir hier in Celle über viele Jahre die „Kulturtage des Sports“ in Zusammenarbeit mit dem Landessportbund Nds., dem Altbezirk Lüneburg, dem Landkreis Celle und der Stadt Celle durchgeführt. Eine zweitägige Veranstaltung mit Fachvorträgen, einem Sportlerball und einer Aufführung des Schlosstheaters. Finanziell wurden wir dabei vom Landessportbund, dem Landkreis Celle und von der Stadt Celle unterstützt. Es waren großartige Dankeschön-Aktionen, die leider aus finanziellen Gründen eingestellt werden mussten.

Aber auch mit kleinen Dankeschön Aktionen haben wir dem Ehrenamt immer wieder Anerkennung und Wertschätzung entgegengebracht. Ebenso tun es der Landkreis Celle und seine Kommunen, die jährlich mit ihren Sportlerehrungen die sportlichen Leistungen vieler Athleten würdigen ebenso die Arbeit der Ehrenamtlichen. Sportabzeichenfeste für die Öffentlichkeit mit Funk- und Fernsehen, der Tag der Niedersachsen im Jahre 2010, unser 50-jähriges KSB-Jubiläum 1996 sowie über mehrere Jahre das große Pferdesport-Festival in Zusammenarbeit mit der Stadt Celle waren für uns große Highlights aber auch große Herausforderungen.

Ebenso wichtig wie die Wertschätzung und Förderung des Ehrenamtes ist die finanzielle Ausstattung unserer Vereine – die Übungsleiterbezuschussung, die Ausstattung mit Sportgeräten sowie der Bau und die Erhaltung von Sportanlagen. Neben einem Eigenanteil, den alle Vereine aufbringen müssen, stellen das Land Niedersachsen über den Landessportbund und der Landkreis Celle mit seinen Kommunen den Vereinen erhebliche finanzielle Mittel zur Verfügung. Und als vor 16 Jahren in Celle die Regionalstiftung der NiedersächsischenSparkassen ins Leben gerufen wurde, war dies für die Vereine eine große finanzielle Hilfe. Als beratendes Mitglied bin ich immer gern im Hause der Sparkasse gewesen.

Und da waren noch die vielen Ferienfreizeiten für Jugendliche und Familien – über 42 Jahre organisiert und durchgeführt von Klaus Tietje. Einige Male bin ich während meines Urlaubes als Betreuerin dabei gewesen. Es war zwar ganz schön anstrengend mit den Jugendlichen, hat mit aber immer wieder viel Spaß gemacht.

Immer neue Aufgaben machten die Einstellung von weiterem Personal erforderlich.
– Die Zusammenarbeit von Schulen und Vereinen mit großen Sportabzeichenfesten – organisiert und unterstützt von Katja Koch
– Die Zusammenarbeit von Kindergärten und Vereinen – dafür ist unsere neue Mitarbeiterin Heelje Ahlborn zuständig.
– Das Thema „Integration“ mit Jürgen Matschiowalli.
Und zur Unterstützung der Verwaltung wurde zum 01.01.2018 Lena Niemeyer eingestellt.

Die wohl bisher größte Veränderung entstand durch die Gründung der Sportregion Heide. Ein Zusammenschluss der Sportbünde Celle, Harburg-Land und Soltau-Fallingbostel, der die Arbeit der drei Sportbünde optimieren soll, und der den Sport durch gemeinsame Veranstaltungen nach vorne bringen soll. Dieser Prozess wird sicherlich noch einige Jahre in Anspruch nehmen.

Und über all unsere Aktivitäten wachte immer die Celler Presse, die Cellesche Zeitung, der Celler Kurier sowie Celleheute mit Herrn Fehlhaber. Der Celler Sport hatte immer gute Unterstützung, auch wenn es mal brannte, und außerdem eine faire Presse mit guter Berichterstattung. Abschließend bedanke ich mich beim Vorstand und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Geschäftsstelle für die gute und konstruktive Zusammenarbeit und das mir über so viele Jahre entgegengebrachte Vertrauen.“

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