CELLE. Der Silbersee soll verkauft werden – an jene Bieterin, die der Stadtrat vorher wegen ihrer mutmaßlichen „politischen Gesinnung“ abgelehnt hatte. Das wurde nach CELLEHEUTE-Informationen in einer nicht-öffentlichen Sitzung am vergangenen Donnerstag beschlossen. Unterschrieben sei der Vertrag allerdings noch nicht, wie Sabine Födisch-Rüstig bestätigt. Sie betreibt bisher das „Angelparadies Burgdorf“.

Am Wochenende hatte die Interessentin eine Versammlung der Bewohner des Campingparks Silbersee einberufen, ein Frühstück angerichtet und die Menschen etwas beruhigt. „Ich finde es schade und sogar beschämend, dass über 40 Familien Angst haben, ihren Wohnsitz zu verlieren und Politik und Presse interessieren sich bisher nur, welche ‚politische Gesinnung‘ die Käuferin haben könnte“, bedauert Födisch-Rüstig.

„Wir hatten einen wirklich ergreifenden Vormittag. Die Menschen sind so dankbar über die wenigen Informationen, die wir geben konnten. Das ging vom Hände schütteln über persönliche Einladungen bis hin zum Angebot, gemeinsam in einer Frauengruppe auf dem Platz Müll sammeln zu gehen. Bisher steckten viele Hausbesitzer in einer pessimistischen Starre fest und ließen die erforderlichen Renovierungsarbeiten einfach liegen“, weiß die Burgdorferin. „Wozu auch? Wir wissen ja nicht mal ob wir ab 1. Januar hier überhaupt noch wohnen dürfen“, hörte sie nicht selten.

Wie rücksichtslos und intransparent die Stadt bisher mit dem Platz und Bewohnern umgegangen ist, wurde mehrfach, auch überregional im Fernsehen, berichtet. Direkt am Pfingst-Wochenende wurden sie wegen mutmaßlicher plötzlicher Brandschutzmängel vom Platz vertrieben. Über die Zukunft und möglichen Verbleib wurden die Bewohner bisher im Unklaren gelassen und selbst über den anstehenden Verkauf nicht informiert.

Beworben hatten sich zehn Interessenten. Einige wollten das Areal kaufen, andere pachten (CELLEHEUTE berichtete). Fünf durften sich dem Rat vorstellen. Die Angebote reichten von 1 bis 800.000 Euro. Mögliche politische Gesinnung hin oder her: „Geld stinkt nicht“.

 

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