CELLE. Rund hundert interessierte Bürgerinnen und Bürger aus Stadt und Landkreis Celle waren gestern Abend in den Kreistagssaal gekommen, um sich über die Inhalte des von der Kreisverwaltung neu aufgestellten Regionalen Raumordnungsprogramms (RROP) des Landkreises Celle zu informieren. Insbesondere die Planungen zu den Vorranggebieten Windenergie wurden hierbei thematisiert und den Anwesenden die Möglichkeiten zur Beteiligung an dem Verfahren erläutert.

Dass viele Anwohner des Landkreises Celle besorgt sind, was die mögliche Ansiedlung von Windparks in der Nähe ihrer Ortschaften betrifft, zeigte sich nicht nur im fast gefüllten Kreistagssaal. Bereits vor Beginn der Veranstaltung hatte die Bürgerinitiative Gegenwind in den Triftanlagen mit einem Miniatur-Modell und Plakaten mit Aufschriften wie „Umzingelung nicht mit uns“, „Sind wir Menschen 2. Klasse?“ oder „1000 m Mindestabstand“ demonstriert, dass sie mit den Planungen zu einem Windpark, wie er bei Roxhüllen entstehen soll, nicht einverstanden ist. „Der Landkreis wollte uns nicht reinlassen. Daher haben wir bei der Stadt einen Info-Stand beantragt“, erklärte Jürgen Patzelt, Vorsitzender der Bürgerinitiative, warum man die Triftanlagen und nicht das Gelände des Landkreises als Standort gewählt hatte.

Kreisrat Gerald Höhl und der Leiter der Abteilung Kreisentwicklung und Immissionsschutz, Hans-Jürgen Tietje, gaben zunächst einen Überblick über gesetzliche Vorgaben und das Prozedere, das der Landkreis bei der Neuaufstellung des RROP einzuhalten hatte. Neben der Herausnahme von Tabu-Zonen habe man darauf geachtet, wo möglichst Cluster mit einer Mindestgröße von 30 ha entstehen könnten (Einzelanlagen sollen vermieden werden).

Als Abstand für zu Ortsrandlagen seien 1000 m, für eine „Umzingelung“ mit Windkraftanlagen seien mindestens 3000 m Abstand von der Ortsmitte aus einzuhalten (hierbei müsse jedoch eine Sichtachse von 60 Grad freibleiben). Zu einer Bebauung außerhalb geschlossener Ortschaften sei ein Abstand von mindestens 600 m einzuhalten. „Zusätzlich mussten wir einen Umweltbericht erstellen. Hiermit wurde die Planungsgruppe Umwelt aus Hannover betraut“, erläuterte Tietje. Diese habe nochmals Flächen ausgeschlossen, so dass letztendlich noch 1.715,7 ha als Vorranggebiete Windenergie herausgekommen seien. Das entspreche 1,11 % der Landkreisfläche. Schwerpunkte seien vor allem Hohne/Schmarloh, Brökel/Flotwedel, Winsen/Wolthausen und Bergen.

Die anschließende Möglichkeit, Fragen zu stellen, wurde von den Gästen intensiv genutzt. Ratsmitglieder diverser Ortsräte wie auch Bürger und Bürgerinnen zeigten hier deutlich ihre Bedenken. „Wir sind extrem belastet. Am Ende des Ausbaus könnten wir rund 130 Windkraftanlagen haben – das sind übermäßig viel“, sagte Jörg Künstle, Ortsratsmitglied in Hohne. Auch die Nachbarschaft zu anderen Landkreisen, die eventuell ganz andere Kriterien für die Bebauung mit Windkraftanlagen zugrunde legen, war ein Thema. So kam aus dem Publikum die Frage, ob die Landkreisverwaltung sich nicht mit benachbarten Landkreisen abstimmen könne. Man sei bereits im intensiven Austausch. „Dennoch haben wir keinen Einfluss darauf, was die anderen Landkreise machen“, so Tietje.

Dietrich Kraetzschmer von der Planungsgruppe Umwelt beantwortete einige Fragen zum Vogelschutz. „Der Seeadler ist besonders gefährdet. Im Umfeld der Horste von Seeadlern sind keine Potentialflächen ausgewiesen worden“, berichtete Kraetschmer. Grundsätzlich sei Artenschutz aber auf jeden Fall Sache der Zulassungsebene. Jetzt sei man auf der Planungsebene. Wenn später konkret eine Windkraftanlage gebaut werden solle, werde in jedem Einzelfall noch einmal genau geschaut.

Wer am Beteiligungsverfahren teilnehmen möchte, hat die Möglichkeit, die Entwurfsunterlagen des RROP in der Zeit vom 3. April bis zum 3. Juli 2017 beim Landkreis Celle, Amt für Wirtschaftsförderung, Bauen und Kreisentwicklung, Bürgerbüro/Zimmer 01, Trift 27, 29221 Celle während der üblichen Öffnungszeiten einzusehen. Unter 05141/916-6040 und -6041 können, falls nötig, auch Termine außerhalb der Öffnungszeiten vereinbart werden. Sie stehen zudem unter http://www.landkreis-celle.de/rrop zum Download zur Verfügung. Bis spätestens zwei Wochen nach Ablauf der Auslegungsfrist, also bis zum 17. Juli 2017, kann zum Entwurf des RROP unter Nennung des Namens und der Adresse in schriftlicher oder elektronischer Form Stellung genommen werden.

Sie müssen sich registrieren oder anmelden, um diesen Beitrag zu kommentieren.