CELLE. Am Freitag, 17. November, gastiert das armenische Naghash Ensemble mit seinem neusten Programm »Songs of Exile: Credos & Convictions« um 20.15 Uhr in der Kreuzkirche in Celle. Die jüngsten Werke des amerikanisch-armenischen Komponisten John Hodian vereinen volkstümliche armenische Klänge mit Neuer Klassik und unbändiger Energie. Ausgehend von mittelalterlichen armenischen Gedichten erschaffen drei armenische Sängerinnen und Instrumentalisten an Duduk, Oud, Dhol und Flügel neue Musik, die fremd und zugleich vertraut klingt, irdisch und wie nicht von dieser Welt.

Im 15. Jahrhundert verfasst der armenische Priester Mkrtich Naghash bewegende Gedichte über das Leben im Exil und die Beziehung des Menschen zu Gott. Über fünf Jahrhunderte später stößt der amerikanisch-armenischen Komponist John Hodian auf ein Fragment dieser Texte und weiß: Er hat gefunden, was er suchte. Als Nachkomme von Überlebenden des Genozids an den Armeniern 1915 liest er in Naghashs Texten auch seine eigene Heimatlosigkeit: »Diese Worte sprangen mir aus dem Text entgegen, direkt in meine Seele.«

Mit der Stimme der armenischen Sängerin Hasmik Baghdasaryan im Ohr beginnt er, die ersten Stücke zu komponieren. In seiner Musik treffen formale Klavierelemente auf erdige Klänge der armenischen Volksinstrumente Duduk, Oud und Dhol. Um diese Kompositionen aufzuführen, gründet sich 2010 das Naghash Ensemble – mit Hodian und einigen der besten Sängerinnen und Instrumentalisten Armeniens. 2014 erscheint die erste CD, es folgen Touren in Deutschland, Belgien, Italien, Frankreich und der Schweiz. Im BR-Klassik beschreibt Alexandra-Maria Dielitz Hodians Werke als »eine Musik, von der man kaum sagen kann, ob sie alt oder neu klingt, fremd oder vertraut, westlich oder östlich, schlicht oder komplex, minimalistisch oder mittelalterlich. Eine Musik jedenfalls, die sich jeder Etikettierung entzieht.«

Die zweite CD »Songs of Exile, Volume II: Credos and Convictions« schlägt nun inhaltlich und musikalisch neue Wege ein. In den Texten geht es nicht mehr ausschließlich um Exil und Erlösung, vielmehr sind es lyrische Predigten, Warnungen, Ratschläge und sogar eine Ode auf Liebe und Heirat. Und auch die musikalische Vielfalt ist größer geworden. »Die neuen Stücke sind rhythmischer, farbiger – die Duduk wechselt sich ab mit der volkstümlicheren Zurna, die Dhol zuweilen mit der Darbuka. Perkussion und die lautenähnliche Oud sind zu den treibenden Kräften des Ensembles geworden«, so John Hodian. Und Sopranistin Hasmik Baghdasaryan, mit deren Stimme einst alles begann, ist nach wie vor begeistert: »Die neuen Stücke sind tief in der armenischen Kultur verankert und gehen zugleich weit darüber hinaus. Es ist, als würde man mit dem musikalischen Welterbe des 21. Jahrhunderts auf die armenische Musik schauen und sie dann neu erfinden.«

Am 17. November 2017 gastiert das Naghash Ensemble in der Kreuzkirche in Celle. Das Konzert beginnt um 20.15 Uhr, Einlass ab 19 Uhr. Karten gibt es im Vorverkauf für 17 € im Café Wichtig (Am Heiligen Kreuz 30, Celle) und via wiebke@naghashensemble.com / 0152 04 13 1894. Restkarten sind für 19 € an der Abendkasse erhältlich.

Mehr Information über das Ensembles sowie Videos und Hörproben gibt es unter www.naghashensemble.com

»Mittelalterliche armenische Klänge neu erfunden für das 21. Jahrhundert« (Tigran Mansurian)

»In dieser Musik fühlt der Hörende alles: die armenische Landschaft, die kargen Steppen und satten Wälder, er hört die Klänge der alteigenwilligen armenischen Sprache, er schmeckt das Essen, kostet den Wein. Sie müssen das hören!« (ADK)

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