Sozialpartnervereinbarung zum digitalen Zugangsrecht 

Wirtschaft Von Extern | am Di., 18.05.2021 - 15:17

HANNOVER. Der Arbeitgeberverband der Deutschen Kautschukindustrie (ADK) und die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) haben die deutschlandweit erste Sozialpartnervereinbarung zum digitalen Zugangsrecht beschlossen. Sie gilt für die bundesweit 30.000 Beschäftigten in 100 Kautschuk-Betrieben. Dazu teilt der ADK weiter mit:

Nach Ansicht der Sozialpartner ist der, in der Rechtsprechung anerkannte, Zugang der  Gewerkschaften zu den Beschäftigten ein wesentlicher Faktor für eine gelingende  Sozialpartnerschaft. Dieser Zugang muss auch mit den aktuellen Entwicklungen Schritt halten. Ohne  ihn droht im schlimmsten Fall ein verstärktes Konfliktpotenzial wegen fehlender Informationen und  dem Ausschluss ganzer Beschäftigtengruppen aus der Kommunikation. 

Denn die Corona-Pandemie beschleunigt die Digitalisierung der Arbeit. Sie erschwert es den  Gewerkschaften, Kontakt zu den Beschäftigten im Home-Office zu halten. Dafür benötigen sie zum  Beispiel die betrieblichen Mailadressen der Mitarbeiter. Aufgrund von Datenschutzbestimmungen  können viele Unternehmen diese Daten jedoch oft Dritten nicht zugänglich machen.  
IG-BCE-Vorstandsmitglied Karin Erhard betont: „Die Sozialpartnerschaft kann nur mit zeitgemäßer,  digitaler Kommunikation zwischen Gewerkschaften und Beschäftigten funktionieren.“ Bisher  verharre die Kommunikation jedoch noch im ,analogen Zeitalter‘. Sie ergänzt: „Die Vereinbarung ist  ein wichtiges Zeichen und ein Vorbild für weitere Branchen. Mit ihr sichern wir den digitalen Draht zu  den Beschäftigten.“ 

Auch Dr. Volker Schmidt, Hauptgeschäftsführer des ADK, lobt die gemeinsame Aktion: „Die  Vereinbarung ist ein Beispiel für gelebte Sozialpartnerschaft. Auch in Zeiten einer Pandemie sind  Kommunikation und Information unverzichtbar für das betriebliche Miteinander.“  

Laut der Vereinbarung soll der IG BCE in den Betrieben der Branche ein digitales Zugangsrecht  ermöglicht werden. Dafür genutzt werden sollen die aktuell eingerichteten und bestehenden  Kommunikationswege, also zum Beispiel die dienstlichen Email-Adressen. Ergänzt werden können  diese durch weitere betriebliche Informationssysteme, zum Beispiel das digitale „schwarze Brett“ im  betrieblichen Intranet oder Mailinglisten. Möglich ist es auch, betrieblich eingerichtete  Videokonferenzsysteme für gewerkschaftliche digitale Zusammenkünfte (Online Sprechstunde,  Online Vertrauensleute-Sitzung) zu nutzen. Für die konkrete Ausgestaltung des digitalen  Zugangsrechts verständigen sich das Unternehmen und die zuständige IG-BCE-Organisationsstelle auf  eine Vereinbarung auf betrieblicher Ebene.