Spargelbilanz: "Kunden haben uns nicht im Stich gelassen"

Wirtschaft Von Redaktion | am Mi., 24.06.2020 - 16:31

OLDENBURG/EICKLINGEN. Für die knapp 400 Spargel-Betriebe in Niedersachsen geht eine turbulente Saison zu Ende, wenn am heutigen Johannistag das Spargelstechen traditionell eingestellt wird. Insbesondere blicken die AnbauerInnen auf eine sehr ungewisse Zeit zum Start der Ernte zurück. „Lange war nicht klar, ob Betriebe die nötigen Erntehelfer bekommen können. Flächen wurden daher teilweise nicht beerntet“, erklärt Spargel-Experte Nils Kraushaar von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, „flächendeckend versuchten die Anlagen-Betreiber, den Erntebeginn so gut wie möglich zu verzögern, um sich Zeit zu verschaffen.“

Die Ungewissheit zu Beginn der Saison bestätigt auch Peter Soltau, Inhaber des gleichnamigen Spargel- und Beerenhofes in Eicklingen. "Wir hatten eine recht niedrige Erwartungshaltung wegen Corona. Aber wir hatten Glück weil unsere Erntehelfer gekommen sind und unsere Kunden uns nicht im Stich gelassen haben." Die Nachfrage sei hervorragend gewesen. "Wir sind zufrieden mit der Saison", lautet daher die Bilanz auf Hof Soltau.

Niedersachsenweit startete die Spargelernte Ende März, wie die Landwirtschaftskammer Niedersachsen berichtet, wenn auch bei weitem nicht im gewohnten Umfang. Zu Beginn der Saison seien die Mengen in diesem Jahr recht knapp gewesen, die Nachfrage sei aufgrund der Pandemie nur zögerlich in Gang gekommen. Offizielle Zahlen liegen noch nicht vor – Fred Eickhorst von der Vereinigung der Spargel- und Beerenanbauer geht davon aus, dass insgesamt 20 bis 30 Prozent weniger Spargel geerntet worden ist als im Vorjahr. 
 
Bedingt durch die geringere Erntemenge und die deutlich gesteigerte Nachfrage in der Direktvermarktung, die nach und nach immer besser in Schwung kam, bewegten sich die Preise in diesem Jahr zwar eher auf einem stabilen, höheren Niveau als im Jahr zuvor. Dem gegenüber stehen jedoch flächendeckend höhere Produktionskosten aufgrund der Pandemie; dazu zählen Kosten für zusätzliche Unterkünfte, Hygienemaßnahmen sowie höhere Reisekosten. Zudem ist der Absatz an die Gastronomie fast vollständig weggebrochen. 32 Prozent des deutschen Spargels werden nach Schätzung der ErzeugerInnen normalerweise in der Gastronomie vermarktet. Der Ausfall konnte von der Direktvermarktung in Kombination mit dem höheren Preisniveau teilweise abgefangen werden, so die Landwirtschaftskammer.

Nach Angaben des Landesamts für Statistik wurden 2019 landesweit 28.073 Tonnen Spargel geerntet (2018: 27.468 Tonnen). Spargel ist mit 4.844 Hektar Anbaufläche die flächenstärkste Kultur im niedersächsischen Gemüseanbau. Jede fünfte deutsche Spargelstange stammt aus Niedersachsen. Zu den Zentren des niedersächsischen Spargelanbaus gehören Diepholz, die Region Hannover, Braunschweig und der Heidekreis.

Um die Betriebe bei der Gewinnung von ErntehelferInnen zu unterstützen, entwickelte die Landwirtschaftskammer Niedersachsen die Plattform AgrarJobBörse, auf der Betriebe und Arbeitssuchende unkompliziert zueinander finden können, zu Beginn der Spargelsaison weiter: Insgesamt sicherten über 3.000 Personen ihre Unterstützung bei der Ernte zu, darunter Menschen, die sonst beispielsweise in der Gastronomie, der Veranstaltungstechnik und anderen Berufen beschäftigt sind – aber auch viele Student*innen und Schüler*innen. All diesen Menschen sprach Fred Eickhorst seinen Dank aus, obgleich die Abbrecherquote angesichts der schweren körperlichen Arbeit hoch gewesen sei. Die Wertschätzung der osteuropäischen ErntehelferInnen sei deutlich geworden.

Nach dem Ende des Spargelstechens lässt man die Triebe frei wachsen. Es bilden sich in den nächsten drei Monaten etwa zwei Meter hohe, grüne und buschige Pflanzen, die mit Hilfe des Sonnenlichtes Energiereserven bilden. Diese werden in die Speicherwurzeln eingelagert und sichern so die Kraft der Spargelpflanze für die nächste Saison.

Auf Hof Soltau blickt man seit heute nicht mehr auf die weißen Stangen, sondern auf blaue Beeren: Die Heidelbeerernte hat begonnen und wird jetzt bis Anfang September andauern. Ab morgen gibt es die süßen Früchte der Blaubeerstauden im Hofladen, verspricht Peter Soltau.