CELLE/GIFHORN. Die Verwaltungsräte der Sparkassen Celle und Gifhorn-Wolfsburg haben gestern die Vorstände beider Häuser mit der Aufnahme von Fusionsverhandlungen beauftragt. Heute wurden die Mitarbeiter darüber informiert. Zu einem anschließenden Pressegespräch luden der Sparkassenvorstand Stefan Gratzfeld und Dr. Patrick Kuchelmeister, der Vorsitzende des Verwaltungsrates der Sparkasse Celle, Dr. Jörg Nigge, und der Stellvertreter Klaus Wiswe sowie der Personalratsvorsitzende Thomas Aulich.

„Anforderungen der Digitalisierung gemeinsam besser bewältigen“

Nigge betonte einleitend, dass die Gespräche ergebnisoffen seien, man befände sich am Anfang der Verhandlungen. Erste Gespräche seien seit September geführt worden. Stefan Gratzfeld führt aus: „Beide Sparkassen sind solide aufgestellt und haben jeweils ein hohes Eigenkaptial. Wir stellen aber fest, dass die Anforderungen der Digitalisierung in einer Geschwindigkeit auf uns zukommen, die unser Geschäftsmodell derart verändern, dass wir sie auch in unserer Größe kaum noch schaffen, die Lösungen für Kunden zu bieten, die sie von uns erwarten. Wenn wir nicht auf Augenhöhe mit anderen Wettbewerben agieren, werden wir es auf Dauer nicht schaffen, unseren Marktanteil von derzeit rund 50 % auch in zehn Jahren zu gewährleisten.“

Im Vergleich zu anderen Sparkassen seien beide Sparkassen „gut unterwegs“ – aber man stoße im Alltag auf Grenzen. „Die Vorgespräche waren konstruktiv und wir haben auch in der Vergangenheit bereits zusammengearbeitet. Die Geschäftsgebiete ergänzen sich optimal“, ist Gratzfeld überzeugt. Im Speckgürtel von Wolfsburg habe die Gifhorner Sparkasse eine hohe Dynamik mit Themen rund um Immobilien. Celle dagegen punktet mit einer eine Branchenvielfalt ohne ‚Klumpenrisiken“, habe demnach eine hohe Bandbreite an verschiedenen Unternehmen.

„Es ist kein Zusammengehen, um Kosten zu sparen, sondern von den gegenseitigen Stärken zu profitieren und gemeinsam zu wachsen. Ziel muss es bleiben, nah beim Kunden zu bleiben“, versichert der Sparkassenvorstand. Es gebe eine klare Verabredung, dass die Kundenbetreuung unverändert bleibe.

Eine Fusion würde 225000 Privat- und Firmenkunden umfassen, in Celle seien es 93000 Kunden. 56 Standorte und 25 SB-Filialen, und wäre mit einer Bilanzsumme von 6 Milliarden Euro die fünftgrößte Sparkasse in Niedersachsen.

Landrat Wiswe, der auch Vorsitzender der Sparkassenversammlung in Niedersachsen ist, bestärkt die Vorstandsüberlegungen: „Es muss eine klare Win-Win-Situation auf Augenhöhe entstehen. Keiner darf dabei etwas verlieren, das haben wir auch im Verwaltungsrat kritisch hinterfragt. In einem größeren Haus kann man auch Spezialisten vorhalten, die sich in kleinen Häusern nicht lohnen würden. Eine solche Fusion muss wohl überlegt sein. Es müssen viele Fragen geklärt werden. Aber wir sind vom Nutzen für die Menschen in der Stadt Celle und im Landkreis Celle überzeugt.“

„Das erste Mal, dass zwei gute Sparkassen zusammengehen“

Es werde im Zusammenhang mit der möglichen Fusion zu keinen weiteren Filialschließungen kommen. Ebenso seien betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen.

„Es ist das erste Mal, dass zwei gute Sparkassen zusammengehen. Bisher schloss man sich aus der Not heraus zusammen. Darum glauben wir daran, dass hier alle gewinnen“, ist Wiswe überzeugt. Auch Nigge bleibt daher gelassen. Die Vorteile für „Bürger und Mitarbeiter lassen wir uns nicht weg verhandeln. Auch wenn die Verhandlungen scheitern, sind die Sparkassen gut aufgestellt“, so der OB.

Thomas Aulich versichert: „Es geht nicht um einen Abbau, sondern Umbau – Aufgabenschwerpunkte werden sich verschieben In der neuen Sparkasse, wenn sie denn kommt, wird sie finanzierbar sein. Wir glauben daran, dass an beiden Standorten Arbeitsplätze erhalten werden.“

Die Ergebnisse der Fusionsverhandlungen sollen spätestens im März 2019 vorliegen und den Gremien für den weiteren Entscheidungsprozess vorgestellt werden. Danach müssen die kommunalen Träger und die Politik zustimmen. Das Ziel fasst Wiswe zusammen: „Wir wollen nicht nur gut, wir wollen die Besten sein.“

Am kommenden Dienstag wird es eine außerordentliche Betriebsversammlung geben. Die Geschäftsstellen sind daher ab 16 Uhr geschlossen.





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