SPD will Wohnblocks lieber doch erhalten – Rat Bergen hält an Abriss fest

Politik Von Susanne Zaulick | am Mo., 15.03.2021 - 08:59

BERGEN. Seit 2015 die britischen Truppen aus Bergen abgezogen sind, verfolgt die Stadt einen Plan: Sie will die Zahl an Wohnungen – vor allem in Wohnblocks – drastisch reduzieren und gezielt attraktive Quartiere schaffen. Dafür erhält sie von Land und Bund Fördermittel.

Der SPD gehen die Abrisspläne in Anbetracht des bundesweiten Mangels an bezahlbarem Wohnraum inzwischen zu weit. Sie hat 2019 den Antrag gestellt, Wohneinheiten in der Seymourstraße, die mittlerweile im Besitz der Stadt sind, entgegen den Planungen zu erhalten und als günstige Eigentumswohnungen zum Verkauf anzubieten. In der Ratssitzung am Donnerstag fasste der SPD-Fraktionsvorsitzende Dr. Rüdiger von Borcke die Beweggründe der Sozialdemokraten zusammen: „Wir haben 84 Wohnungen, die sind weitestgehend renoviert und sollen abgerissen werden. Bundesweit gibt es Kampagnen, günstigen Wohnraum zu schaffen. Wir sollten nicht mehr abreißen als notwendig.“ Die Pläne seien sowohl ethisch als auch ökologisch fragwürdig und die Kapazitäten bei der Stadt für die Durchführung fehlten ebenfalls. 

Dass Bergen dann bereits erhaltene Fördermittel für den Ankauf der Gebäude in Höhe von gut 2 Millionen Euro zurückzahlen müsste, ist für die SPD kein ausschlaggebendes Argument. „Es gibt in Bergen eine Nachfrage nach günstigen Eigentumswohnungen. Wenn man die Wohnungen zu je 40.000 Euro verkaufen würde, hätte die Stadt einen Gewinn“, rechnet von Borcke vor. 

Aus Sicht der Verwaltung ist der „Zuzugsboom“ nach Bergen aber mittlerweile gestoppt. Die Bevölkerungszahl sei zuletzt leicht rückläufig gewesen und stagniere aktuell, heißt es in der Beschlussvorlage zu dem Antrag, dem sich am Ende die anderen Fraktionen nicht anschlossen. Peter Meinecke (CDU) machte deutlich warum: „Wir sind hier in einer besonderen Situation, auch wenn ich die Argumente der SPD teilen kann. Wir werden 2,4 Millionen Euro zurückzahlen müssen. Und wir bekommen eine zweite ‚Berliner Straße‘ wenn wir die Wohnungen stehen lassen.“ 

Die Berliner Straße, deren Wohnblocks sobald wie möglich abgerissen werden sollen, ist in Bergen zum Synonym geworden für prekäre Wohnverhältnisse bzw. einen sozialen Brennpunkt. Meinecke wies darauf hin, dass auch im Quartier um die Danziger Straße, wo die Stadt durch den Bau eines Spielplatzes in die Attraktivität des Viertels über eine Million investiert hat, noch viele Wohnungen im Eigentum der Immobiliengesellschaft Cesa leer stünden.

...