Ok, ein Sommerloch ist nichts Neues und kehrt, so sagt es der Name, alle Jahre wieder. Aber so ein großes und hartnäckig haftendes gab es schon lange nicht mehr. Heimische Kollegen befassen sich auf der Lokal-Titelseite bereits mit dem Hochzeitsdatum 12.12.12 oder geben an gleicher Stelle Tipps, wie man an einer Ampel korrekt abbiegt. Auch wir bringen zugegeben keine „echten Kracher“ und überlegen, ob wir uns nicht eine Zeit lang SommerlochHeute“ nennen sollten. Ein Trost bleibt: Dem „Spiegel“ geht es offenbar nicht anders.

In gewohnter Spiegel-Manier will er mal wieder einen Skandal aufgedeckt haben und bringt dafür CelleHeute.de gar mit dem Ministerpräsidenten David McAllister in Verbindung. Warum die Ehre? CDU-Sprecher Torben Stephan hat verschiedenen Lokalredaktionen in Niedersachsen am Wochenende ein Interview mit dem MP aus dem vermeintlichen Urlaub geschickt, um uns Journalisten platt ausgedrückt „Arbeit abzunehmen“. Das führte laut Spiegel dazu, dass „Journalisten irritiert seien“ und „die Opposition feixe“.

Dabei kann es sich aus unserer Sicht nur um Urlaubs- bzw. Sommerlochvertretungen handeln, denn solche und ähnliche Textvorlagen, auch von der „feixenden Opposition“, sind gang und gäbe. Politiker aller Parteien schreiben sogar über sich in dritter Person, und das täglich und mehrfach. Auch der Spiegel profitiert davon und nimmt es mit siener Sorgfaltspflicht auch nicht immer sehr genau, siehe Artikel z.B. in der „Welt„.

CelleHeute grenzt sich bewusst vom Trend des Skandaljournalisten ab und veröffentlicht in der Regel uns vorliegenden Berichte ungekürzt und unkommentiert. „In der Regel“ – denn CelleHeute steht auch dafür, sich vor keinen politischen, religiösen oder ideologischen Karren spannen zu lassen. So haben wir dieses Interview nicht nur von den anderen farblich abgesetzt und uns an keiner Stelle als Fragesteller ausgegeben, sondern uns auch in Absprache mit Torben Stephan die Freiheit genommen, die in der Tat „etwas zu werblichen“ oder wie es der „Spiegel“ nennt, „unterwürfige Passagen“ ersatzlos zu streichen.

Sollte sich herausstellen, dass das Interview keins war, sondern tatsächlich wie im „Spiegel“ angegeben ein Alleingang des Pressebeauftragten, dann müssen und werden wir unsere Beziehung zur CDU-Pressestelle neu und sorgfältig prüfen. Bis zum Beweis halten wir die vermeintliche Erklärung McAllisters allerdings für das politisch übliche „Bauernopfer“, siehe SPD-Pressemitteilung unten. So lange die Prüfung andauert, haben wir vorsorglich das Interview vom Netz genommen und bitten um Ihr Veständnis. Die Pressestelle ist entsprechend angefragt.

Übrigens – ersatzlos gestrichen werden gemäß unseren Regeln auch Beiträge von Kommentatoren, die nicht Manns genug sind, ihren Namen zu nennen. Auch dieser „Skandal“ wird nichts an unserem Credo ändern. Schließlich können sich unsere Leser immer darauf verlassen, alles ungeschönt zu erfahren – sogar dann, wenn wir auf dem ersten Blick selbst schlecht wegkommen.

Bericht Spiegel-Online

P.S. So sieht eine aktuelle Pressemitteilung von A-Z aus:

„SPD-Landesverband Niedersachsen

Pressemitteilung 99 / 2012
Hannover, Montag, 13. August 2012

„Schuld ist immer der Pressesprecher“

Michael Rüter zur Posse um das so genannte Sommerinterview

Die aktuellen Meldungen rund um das vorgefertigte „Sommerinterview“ von Niedersachsens Ministerpräsidenten und CDU-Landeschef David McAllister kommentiert SPD-Landesgeschäftsführer Michael Rüter mit folgenden Worten:
„Wenn es schlecht läuft, greift Herr McAllister immer auf das gleiche Schema zurück:
1. Mein Name ist Hase, ich weiß von nichts.
2. Schuld ist immer der Pressesprecher.
Das kennen wir schon von der Wulff-Affäre. Obwohl er als Fraktionschef und politischer Ziehsohn ganz eng mit dem ehemaligen Ministerpräsidenten Christian Wulff zusammengearbeitet hat, will er von den Machenschaften der Staatskanzlei nichts gewusst haben. Schuld ist der Pressesprecher Glaeseker.
Das gleiche erleben wir jetzt bei der Interview-Posse: Seine Landesgeschäftsstelle versendet ein Interview, das er angeblich nicht kennt. Schuld ist wieder der Pressesprecher. Es ist bezeichnend, dass Herr McAllister sich nicht schützend vor seine Mitarbeiter stellt. Von einem guten Arbeitgeber müsste man genau das erwarten.“

 

 

 

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