"Sport im Freien muss möglich sein" - Sportbünde fordert Politik zum Umdenken auf

Sport Von Redaktion | am Fr., 23.04.2021 - 17:57

HANNOVER. Seit mehr als einem Jahr ist der Breiten- und Amateursport quasi zum Zuschauen verdammt. Wettbewerbe und Meisterschaften finden nicht statt, werden verkürzt, auf unbestimmte Zeit verlegt oder abgebrochen, selbst Trainingseinheiten und Lehrübungen sind auf ein absolutes Minimum reduziert. So beschreiben die Sportbünde im Landessportbund Niedersachsen die Pandemie und folgern daraus, dass es so nicht weitergehen könne. Bei den politischen Entscheidungsträgern müsse ein Umdenken im Umgang mit dem Corona-Virus stattfinden, machte jetzt der Lingener Michael Koop in seiner Eigenschaft als Sprecher der Konferenz der Sportbünde im LSB Niedersachsen deutlich.

Zwar sei das Virus beileibe noch nicht ausgestanden, so Koop, doch dürfe der Umgang mit Corona nicht dazu führen, dass die Politik den Blick vor den Realitäten versperre. Wissenschaftliche Studien in Europa, durchgeführt an Hunderttausenden Menschen hätten eindeutig ergeben, dass die größte Ansteckungsgefahr in geschlossenen Räumlichkeiten bestünde. Im Freien mache diese nur einen Wert von nicht einmal einem halben Prozent aus, betonte der Sportbünde-Chef. Daraus folgernd wäre es wider jeder tragbaren Vernunft, den Breitensport im Freien zu verbieten.

Michael Koop sieht in dem starren Festhalten an den bisherigen Vorschriften und Regelungen viel eher die Gefahr, dass die Gesellschaft damit einen ungleich höheren Kollateralschaden produziere. „Das, was wir heute bereits feststellen können, ist ein großer körperlicher und auch psychischer Lockdown gerade bei den Jüngsten. Durch die fehlende Möglichkeit, sich im Sportverein auszutoben, soziale Kontakte zu vertiefen und dort wichtige gesellschaftliche Werte vermittelt zu bekommen, befinden sich viele Kinder und Jugendliche heute schon in einem Ausnahmezustand. Wir sind inmitten einer Bewegungspandemie, an deren Ende in zehn Jahren junge Erwachsene mit einem ausgeprägten Krankheitsbild stehen könnten.“

Koop fordert von der Politik hier einen schnellen Paradigmenwechsel. „Sport im Freien muss wieder möglich sein, ohne gleich in Hysterie zu verfallen“, zeigte der gleichzeitig als Präsident des Kreissportbundes Emsland agierende Sportvertreter einen Weg auf, hier „noch zu retten, was zu retten ist“. Zugleich verwies er auf die zahlreichen und gut funktionierenden Hygienekonzepte, die die Sportvereine bereits im vergangenen Jahr in Kooperation und auf Vorschlag der Politik umgesetzt hätten. Dies sei für die Vereine keine reine Beschäftigungstherapie als Antwort auf Dekrete der Ministerien gewesen, sondern sollte aus tiefer Überzeugung heraus die Breiten- und Amateursportler vor den Gefahren des Virus schützen und es gleichzeitig ermöglichen, die Aktivitäten besonders im Outdoorbereich durchführen zu können.

Koop machte zudem deutlich, dass es kein Geheimnis sei, dass der Sport die natureigenen Abwehrkräfte des menschlichen Körpers steigere und so entscheidend mit dazu beitrage, dass dieser weniger anfällig für Krankheiten wird. „Wir brauchen endlich wieder den Mut, die Realität wahrzunehmen“. Zu verstehen sei dieses als Aufforderung an alle gesellschaftlich Verantwortlichen, auch die körperliche und geistige Entwicklung junger Menschen im Blick zu haben. Sport gehöre zweifelsohne dazu.  

Auch im Kreis Celle sieht man nach Aussage des KSB-Vorsitzenden Hartmut Ostermann den Wunsch nach Bewegung. Angebote, die im Rahmen der Verordnungen möglich sind, erfahren bei den Vereinen einen großen Zulauf und sind schnell ausgebucht, so Ostermann.
 

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