Stadt will keine „Groschenbrücke“ – Gevers und Kinder verabschieden sich

Politik Von Anke Schlicht | am Fr., 01.10.2021 - 15:17

CELLE. Sie hat schon einen Namen, obwohl sie noch gar nicht existiert, und, folgt man dem Verlauf des jüngsten Ausschusses für Umwelt, Verkehr und technische Dienste, wird die Pfennigbrücke nie einen großen oder kleinen Bruder namens „Groschenbrücke“ bekommen.

Die FDP hatte im Sommer einen Antrag gestellt, eine Fußgänger-Fahrradbrücke über die Aller auf Höhe des Freitagsbachs zu bauen. „Die Idee stammt nicht von uns, sie ist bereits vor 25 Jahren ersonnen worden von Fritz Krohne“, erläuterte Joachim Falkenhagen (FDP). Seine Partei wolle damit den Umstieg vom Auto aufs Fahrrad fördern. „Bisher hat die Verwaltung mit erstaunlicher Konsequenz auf die Unmöglichkeit dieses Vorhabens hingewiesen“, kritisierte der Ratsherr. Die Celler Kreisgruppe des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) unterstützt die Idee ausdrücklich. „Die Brücke würde eine direkte Verbindung vom östlichen Hehlentor zur Altstadt/Blumlage und Altencelle schaffen“, sagt VCD-Vertreter Andreas Lechner.

Die Verwaltung sprach sich jedoch aus Kosten- und Naturschutzgründen dagegen aus. „Wir haben uns die Prüfung nicht leicht gemacht“, sagte Stadtbaurat Ulrich Kinder, „vom Aufwand/Nutzen-Verhältnis“ sei so ein Projekt leider nicht darstellbar, überdies würde die Brücke in einem Gebiet mit dem Status Flora-Fauna-Habitat entstehen. Die Kosten würden ca. zwei Millionen Euro betragen. „Wenn wir die Chance sehen, würden wir eher die Pfennigbrücke erweitern“, ergänzte der Dezernatsleiter Umwelt. Der Vertreter der Naturschutzstiftung Celler Land, Dr. Rainer Brüsewitz, sprach sich aus naturschutzfachlicher Sicht ebenfalls gegen einen Eingriff in die Natur an dieser Stelle aus. „Bitte nicht dort, nicht noch mehr Störungen“, sagte Brüsewitz. Wilhelm Eggers vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club schloss sich aus anderen Gründen der Ablehnung an. Die Wege würden sich nicht verkürzen. Sein Gegenvorschlag: „Die Verbreiterung der Pfennigbrücke ist wichtig.“

Juliane Schrader (Grüne) bewertete die Idee grundsätzlich als „ausgesprochen charmant und im Sinne des Klimaschutzes. Es wäre doch schön, wenn man die Aller an einer weiteren Stelle überqueren könnte.“ Schränkte jedoch angesichts des Naturschutzgebietes ein: „Das ist heikel.“ Sie kritisierte ebenso wie Oliver Müller (BSG/Linke) den kurzen Text der Beschlussvorlage. „Die Ablehnung ist ein Witz“, sagte Müller, „viel zu lapidar, keine ausführliche Darstellung“, monierte Schrader. Dennoch votierte die Mehrheit der Mitglieder, sich der Empfehlung der Verwaltung anzuschließen.

„Sie verhindern aktiven Klimaschutz mit diesem Beschluss“, meldete sich Andreas Lechner vom VCD in der Einwohnerfragestunde zu Wort, betonte, dass sich Wege deutlich verkürzen würden, wurde mit seinen Fragen jedoch nur auf die in der Sitzung ausgeführten Inhalte verwiesen und erhielt vom Vorsitzenden Heiko Gevers auf Nachfrage die Empfehlung, sich an Abgeordnete zu wenden, wenn er das Thema weiterverfolgen möchte.

Es war Heiko Gevers (CD) letzte Amtshandlung als Vorsitzender des Ausschusses Umwelt, Verkehr und technische Dienste. Er scheidet aus dem Stadtrat aus. Ulrich Kinder dankte ihm für zehn Jahre Ausschussarbeit mit einem Blumenstrauß und verabschiedete sich dann ebenfalls, auch für ihn war es die letzte Umweltausschuss-Sitzung, bevor er am 31. März 2022 aus der Celler Stadtverwaltung ausscheidet. Heiko Gevers hob abschließend als herausragendes Projekt hervor: „Wir haben es geschafft, der Aller entlang ihres Verlaufes durch städtisches Gebiet Naturschutzstatus zu verleihen.“

Keine Brücke für Radfahrer? Stadt argumentiert mit Klimschutz

CELLE. "… wie der Umstieg vom Auto auf das Rad durch angeblichen Naturschutz ausgebremst wird", überschreibt die Celler VCD-Kreisgruppe ihre Befürchtung, dass in der Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Verkehr und technische Dienste morgen der Bau einer Brücke für Fußgänger und Radfahrer abgelehnt werden könnte.