Stadtkirchen-Pastorin Elisabeth Schwenke zurück aus Elternzeit

Religion Von Extern | am Do., 22.04.2021 - 16:20

CELLE. Ob sie eine Art Fazit ziehen könne nach einem Jahr Elternzeit. Elisabeth Schwenke überlegt. Am 16. März 2020 begann ihre einjährige Auszeit als Pastorin der Stadtkirche, der 16. März war auch der Tag, an dem ihr ältester Sohn Antonio das erste Mal nicht in den Kindergarten durfte. Schwenke war hochschwanger, ihr Mann konnte nicht ins Homeoffice gehen. Am 8. Mai kam schließlich ihr zweiter Sohn Jon zur Welt. Und das alles inmitten einer so nie dagewesen globalen Extremsituation.

Schwenke überlegt weiter. Und sagt dann: „Was uns nicht umbringt, macht uns noch härter. Klingt abgedroschen, passt aber gut. Wir hatten wirklich eine sehr intensive und schwere Zeit. Aber jetzt haben wir hoffentlich das Schlimmste überstanden." Als zweifache Mutter habe sie „richtig was leisten" müssen, dabei definiere sie sich trotz der Liebe zu ihren Kindern nicht als „Vollzeitmutter". „Ich liebe meinen Job als Pastorin und habe ihn vermisst. Umso schöner, nun wieder im Einsatz zu sein und den Kindern auch mal zu sagen: Mama muss jetzt arbeiten." So richtig raus aus ihrem Dasein als Pastorin der Stadtkirche sei sie eh nicht gewesen, sagt Schwenke: „Wenn man Menschen aus der Gemeinde trifft, dann bin ich ja trotzdem noch in meiner Rolle als Pastorin und höre mir selbstverständlich die Nöte und Sorgen an."

Ändert sich eigentlich was, wenn man als Pastorin Kinder hat? „Ich glaube schon", sagt Elisabeth Schwenke, „früher hatte ich kein Problem damit, wenn es um kranke Kinder geht. Heute ist das viel schwerer zu ertragen. Aber es gibt natürlich auch viele schöne Seiten des Berufes, die man mit seinen eigenen Kindern erst kennenlernt. Zum Beispiel der gemeinsame Gottesdienstbesuch. Ich musste Antonio erstmal erklären, warum da ein Mensch am Kreuz hängt. Auch macht es großen Spaß, ihm die Bibelgeschichten zu erzählen. Demnächst mache ich einen Workshop, wie man aus Bibelgeschichten selber Hörspiele für Kinder machen kann.“

Mit der Kombination aus Pastorin-Sein und Familie komme sie sehr gut zurecht – auch weil ihr diese Arbeit quasi in die Wiege gelegt wurde. Schon ihr Vater arbeitete als Pastor, aufgewachsen ist Schwenke im nordspanischen Bilbao: „Ich habe von klein auf gelernt, wie man Job und Familie gut miteinander vereinbart."

Mit Blick auf die kommenden Aufgaben in Celle, sagt sie: „Wir dürfen unsere Leute nicht aus den Augen verlieren. Das ist eine große Herausforderung, weil der persönliche Kontakt einfach fehlt." Besonders vermisst sie den von ihr gestalteten Kindergottesdienst, der zu Höchstzeiten von 40 Kindern besucht wurde. „Ich überlege schon, ob es Sinn macht, den als digitale Veranstaltung anzubieten." Ein weiteres Herzensprojekt ist das Format „Ticket to...", eine Art kirchlicher Reiseführer, für den Schwenke Kontakt zu deutschsprachigen Gemeinden im Ausland aufnahm, um sich dann aus der Ferne zum gemeinsamen Kennenlernen via Video zu treffen. Wie zum Beispiel mit jener Gemeinde aus New York. Zur Veranstaltung legte Schwenke die „New York Times" auf die Tische, dazu gab es Mini-Burger und Pommes – und die Möglichkeit, sich mit Gläubigen auf der anderen Seite des Planeten auszutauschen. Auch diese Aktion, zu der allein in Celle 100 Gäste kamen, wird wohl erst nach dem Ende der Pandemie wieder richtig Fahrt aufnehmen können. Wobei, vielleicht lässt sich ja doch ein virtueller Mittelweg finden. „Mal sehen", sagt Rückkehrerin Elisabeth Schwenke, „was alles so möglich ist." Ein schönes Motto für die kommenden Monate.

Text: Alex Raack

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