BERGEN. 14. Februar, 9.30 Uhr. Auf dem Areal der Stadtentwicklungsbetriebe Bergen in der Mozartstraße steht eine Baubesprechung an. Der städtische Bauingenieur Frank Bührmann hat sich aus dem Rathaus auf den Weg gemacht, um die weiteren Schritte vor Ort zu klären. Zwar ist von den Mehrfamilienhäusern mit ehemals 36 Wohnungen, die hier bis vor ein paar Wochen standen, schon nichts mehr zu sehen, aber der Untergrund für einen nachfolgenden Neubau muss gründlich vorbereitet werden. Die Stadt Bergen möchte hier eine Kindertagesstätte bauen. Direkt nebenan investiert die Lebenshilfe Celle gGmbh rund 2 Millionen Euro in einen zweigeschossigen Bau mit 26 Wohneinheiten für Menschen mit Behinderung.

Baukräne und Abrissbagger prägten in den vergangenen Wochen das Bild im so genannten Musikerviertel, eines von – die Innenstadt eingerechnet – fünf Quartieren, die im Rahmen des Stadtumbaus im Fokus stehen. Auch im Bereich der Danziger Straße hat sich der Staub mittlerweile gelegt. Hier wurden seit Mitte Dezember die beiden so genannten Twin Towers dem Erdboden gleich gemacht. 64 Wohnungen wurden mit den beiden Hochhäusern „rückgebaut“, wie es im Fachjargon heißt.

Im Fokus von Politik und Verwaltung steht auch die Berliner Straße. Dieses Areal, das in Bergen und Umgebung keinen guten Ruf genießt, soll in ein Neubaugebiet umgewandelt werden. Doch dazu müssen erst mal die bisherigen Mehrfamilienhäuser verschwinden. Bürgermeister Rainer Prokop ist optimistisch, dass das Vorhaben im Laufe des Jahres verwirklicht werden kann. Tatsächlich sind bereits viele Mieter weggezogen – nicht wenige in die Mehrfamilienhäuser im Musikerviertel. Doch nicht alle können sich mit dem Gedanken anfreunden.

„Ich weiß nicht – was soll ich machen?“, sagt Muhamet Berisha. Er steht an diesem Morgen an Krücken, mit Zigarette im Mund, in einer Garageneinfahrt und schaut in den strahlend blauen Himmel und auf die leerstehenden Häuser gegenüber. Seit zehn Jahren wohnt er in der Berliner Straße. Offiziell hat noch niemand mit ihm darüber gesprochen, dass er ausziehen muss, aber er hat sich hinsichtlich der Mietpreise im Musikerviertel schlau gemacht. 130 Euro mehr als seine jetzige Wohnung kostet. Also bleibt er erstmal, wo er ist.

Bürgermeister Rainer Prokop ist optimistisch, dass die Straße bald „entmietet“ werden kann. Aber er weiß auch: „Die Leute müssen sich an den Gedanken erst gewöhnen“. Letztlich werde die Stadt, die die Häuser im vergangenen Jahr erworben hat, Kündigungen aussprechen müssen, wenn die Mieter nicht von sich aus kündigen. Auch der Verbund sozialtherapeutischer Einrichtungen Celle e.V., der in der Berliner Straße 3, ein Büro und Räume für Sozialarbeit angemietet hat, schaut sich derzeit nach einer neuen Bleibe um. Wenn dann der Abriss erfolgt ist, soll ein neuer Bebauungsplan aufgestellt werden. Von einem im Rahmen des Stadtumbaus beauftragten Planungsbüro wird hier eine Bebauung mit 21 Einfamilienhäusern vorgeschlagen. Das geht für Rainer Prokop in die richtige Richtung: „Wir haben viele leere Wohnungen, aber für Bauwillige zu wenig Platz“, sagt er.

Um viele dieser leer stehenden Wohnungen werden sich die privaten bzw. privatwirtschaftlichen Eigentümer kümmern. An erste Stelle wird hier meist die CESA Investment GmbH & Co. KG Berlin genannt, der etliche Wohnblocks gehören. Auch hier gibt es Programme, mit denen Maßnahmen gefördert werden um das Wohnen dort attraktiver zu machen. Das betrifft die Mehrfamilienhäuser im Musikerviertel, in der Fliederstraße/Ginsterstraße ebenso wie den Bereich Danziger Straße.

Etwas aus dem Blickfeld geraten ist in jüngster Zeit die Innenstadt. Aber auch hier stehen Entscheidungen an. Im Bereich des ehemaligen NAAFI-Marktes zwischen Sparkasse und ehemaliger Stadtpassage hat die Stadt Grundstücke gekauft. Nun muss geklärt werden, ob hier Wohnen oder Einzelhandel Priorität haben soll. Im Großen und Ganzen zeigt sich Bergens Stadtoberhaupt mit der Entwicklung sehr zufrieden. Dass Bergen in den vergangenen beiden Jahren einen Zuwachs von 1000 Einwohnern verzeichne, ist für den Bürgermeister ein Beleg dafür, dass es aufwärts geht.

Hier standen die „Twin Towers“ – Danziger Straße in Bergen.

Blick in die Berliner Straße.

Hauseingang in der Berliner Straße

Sie müssen sich registrieren oder anmelden, um diesen Beitrag zu kommentieren.