Startschuss für „Kunst trifft Seele“ – Vielfältiges Programm zur seelischen Gesundheit

Wissenschaft Von Redaktion | am Mi., 25.09.2019 - 14:34

CELLE. „Wir sind noch nicht da, wo wir hinwollen, wir arbeiten dran“, machte Landrat Klaus Wiswe mit einem Satz in seinem Grußwort zur Eröffnung der 12. Niedersächsischen Aktionstage für seelische Gesundheit in der CD-Kaserne gestern Abend deutlich, weshalb es dieser überhaupt bedarf. „Psychisch kranke Menschen haben es immer noch schwer“, hob der Leiter des Sozialpsychiatrischen Dienstes Celle Wolfram Beins als Vertreter der neben der Gesundheitsregion des Landkreises zweiten Säule des Veranstalterduos, dem Sozialpsychiatrischen Verbund, in seinem Eingangsstatement hervor. Die mit einem prall gefüllten, sehr vielfältigen Programm aufwartenden Aktionstage sollen dazu beitragen, ein gesellschaftliches Klima zu schaffen, das von Toleranz und Offenheit gegenüber psychisch beeinträchtigten Menschen geprägt ist. Musikalisch umrahmt wurde die Eröffnung von dem Trio „Street Spirit“ der Kreismusikschule, die mit Gesang und einer ungewöhnlichen Instrumentenkombination aus Blockflöte und Gitarre für Begeisterung sorgten.
„Kunst trifft Seele“, lautet das diesjährige Motto, und immer wieder aufs Neue ist es Vincent van Gogh, der mit seiner Biographie und seinem Werk als Anschauungsbeispiel für die Paarung überbordender Kreativität und kranker Seele dient. Auch die Repräsentantin des Niedersächsischen Ministeriums für Soziales und Gesundheit, die die angekündigte Ministerin Carola Reimann vertrat, gab dem Wegbereiter der Moderne, der eben jene Ausgrenzung, wogegen sich die Veranstaltungsreihe wendet, an Leib und Seele erfahren hat, einen Platz in ihrer Rede.

Mit dem Sonderling van Gogh wollten selbst einige seiner Künstlerkollegen nichts zu tun haben. Wären seine Bilder überhaupt entstanden, oder hätten sie anders ausgesehen, wenn er nicht manisch-depressiv gewesen wäre? Zu beantworten ist diese Frage nicht. Der niederländische Maler mag das schillerndste und prominenteste Beispiel sein, anwenden ließe sie sich jedoch auf etliche Kreative mit unterschiedlichen psychischen Beeinträchtigungen und aus allen Bereichen der Kunst.

Denjenigen, die keinen Ruhm geerntet haben, ihrem Inneren aber dennoch durch Malen Ausdruck verliehen haben, widmete sich Andreas Spenglers eindrücklicher Vortrag „Künstlerinnen und Künstler in der Psychiatrie am Beispiel des künstlerischen Schaffens des Psychiatriepatienten Julius Klingebiel - Außenseiter oder Vorreiter?“. „Einige Menschen können sich von der Therapie durch Kunst emanzipieren“, resümierte Spengler, „sie werden zu Botschaftern für etwas, das weiterführt und mit dem wir in den Dialog treten.“

Ausschließlich der zweiten titelgebenden Komponente widmete sich Superintendentin Andrea Burgk-Lempart: „Wir alle tragen einen göttlichen Funken in uns – die Seele.“ Dieser werde häufig weit weniger Aufmerksamkeit geschenkt als dem Äußeren in Form von Sport, Kosmetik oder Friseurbesuchen. Oft kehre die Seele erst wieder in den Fokus zurück, wenn sie erkranke. „Die Seele braucht Zeiten der Ruhe und Muße“, betonte Burgk-Lempart. Dieses komme in der heutigen Zeit zu kurz. „Wir müssen wieder andere Kategorien einführen“, sagte die Superintendentin und beglückwünschte die Veranstalter zu den geschaffenen Inhalten. „Sie stehen gegen ein Diktat der Effizienz und Ökonomie“, sagte sie mit Nachdruck und beendete ihre Ansprache mit den Worten: „Sie haben wundersame Dinge in ein Programm gegossen.“