Statement der Landesbeauftragten für Tierschutz zum Welttierschutztag

Politik Von Extern | am Mo., 04.10.2021 - 18:29

HANNOVER. Anlässlich des Welttierschutztages teilt die Landesbeauftragte für den Tierschutz in Niedersachsen, Michaela Dämmrich, mit: "Jetzt mehr Tierschutz! Dieses Motto des heutigen Welttierschutztages steht bei einer Landesbeauftragten für den Tierschutz tagtäglich auf dem Programm und nutzt sich leider auch nicht ab. Die Gesellschaft ist reif für eine Änderung unseres Umgangs mit Tieren und fordert diese auch ein. Die europaweite Bewegung 'End the Cage Age' zeigt, dass die Gesellschaft eine tierwürdigere, den Tieren gerecht werdende, Haltung einfordert und kein Tierleid mehr ertragen will.

Immer mehr, gerade junge Menschen, ernähren sich vegetarisch oder vegan. Tierschutz und Regionalität spielen eine immer größere Rolle bei der Kaufentscheidung. Die von der Bundesregierung eingerichtete Borchert-Kommission und die Zukunftskommission bemühen sich darum, eine tiergerechtere Haltung von Nutztieren zu erreichen und gleichzeitig die Tierhaltung in Deutschland zukunftsfähig zu halten. Doch Gremienarbeit allein bringt nichts, die Ergebnisse müssen auch umgesetzt werden. Neben einer Tierwohlabgabe auf tierische Produkte und einer verpflichtenden Haltungskennzeichnung wird dabei auch eine Herkunftsbezeichnung tierischer Produkte unbedingt erforderlich sein, um ein wirkliches „Mehr an Tierschutz“ in Deutschland zu erreichen, ohne von Billigimporten überrannt zu werden. 

Ein weiteres leidiges Thema ist der Transport von Rindern in Drittstaaten. Um das Leid der transportieren Tiere zu reduzieren, müssen europaweit stärkere Restriktionen erfolgen sowie die EU-Verordnung über den Schutz von Tieren beim Transport neu geregelt werden. Auch die Änderung des Tierschutzgesetzes und der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung ist dringend erforderlich. In den aktuellen Fassungen fehlen ganze Tiergruppen, wie z.B. die Puten, Bruderhähne, Milchrinder und Mastrinder. In Niedersachen wurden diesbezüglich im Tierschutzplan, einem Arbeitsprogramm zur Erarbeitung tierschutzgerechter Haltungsbedingungen, bereits entsprechende Leitlinien erarbeitet, die per Erlass umgesetzt wurden. So dürfen Legehennen in Niedersachsen nicht schnabelgekürzt gehalten werden und es gibt eine Förderung für die Haltung von Schweinen mit ungekürztem Ringelschwanz.

Ein brennendes Problem im Heimtierbereich ist der illegale Welpenhandel. Um diesem entgegenzuwirken ist eine bundesweite Kennzeichnung und Registrierung von Hunden und Katzen in einem Haustierregister verpflichtend einzuführen. Für Hunde ist dies in Niedersachsen bereits eine Pflicht. In diesem Zusammenhang muss auch dringend eine Regulierung des Onlinehandels von Tieren erfolgen. Das anonyme Anbieten von Tieren muss untersagt werden.

Im Bereich der Tierheime ist nach wie vor die ausreichende Finanzierung entscheidend, um die Versorgung notleidender Tiere zu gewährleisten. Aus diesem Grund wird in Niedersachsen jährlich die kostenlose Kastration verwilderter Hauskatzen finanziell gefördert. Seit Beginn der Aktion im Jahr 2018 wurden dafür 750.000 € an Landesmitteln bereitgestellt. Zusätzlich wurden die Tierheime in diesem Jahr durch Corona-Hilfen unterstützt. So wurden 13 Tierheime mit einer Summe von rund 595.000 € gefördert."