Stehende Ovationen in der Synagoge – Jüdische Gemeinde feierte Sommerfest

Religion Von Redaktion | am Mo., 12.08.2019 - 19:20

CELLE. Musik der Extraklasse bildete gestern den Auftakt zum Sommerfest der Jüdischen Gemeinde im Synagogengarten. Das Trio Tal-Aviv erzählte im bis auf den letzten Platz belegten Gotteshaus in musikalischer Form vom Auszug des jüdischen Volkes aus Ägypten, niedergeschrieben in sechs Psalmen.
„Seit tausenden von Jahren begleitet die Kraft dieser Worte die Menschen“, wendet sich Sopranistin Aviv Weinberg ans Publikum. Das Buch der Psalmen gehört zum Feiertags-Lobgesang. Beim Pessach-Fest, aber auch zu anderen Anlässen werden die von vielen verschiedenen Komponisten vertonten Schriften dargeboten. Auch Tenor und Trio-Mitglied Tal Koch hat Melodien geschrieben. Sopranistin Weinberg und der Tenor singen auf Hebräisch, Guy Woodcock begleitet auf der Gitarre, traditionell war es die Harfe, die instrumental unterlegte. Für ungeübte Ohren sind die Lieder schwer einzuordnen, ihr Temperament reizt zum Mitklatschen. Die Bandbreite und Kraft der Stimmen dominiert und fasziniert.

„Sie erhalten einen kleinen Einblick in den jüdischen Gottesdienst hier bei uns“, erläutert die Erste Vorsitzende der Celler Gemeinde, Dorit Schleinitz. „Aviv Weinberg gehört nicht nur zum Trio, sie leitet auch unsere Gottesdienste, wir haben immer viel Spaß miteinander“, sagt Schleinitz schmunzelnd.

Aviv Weinberg berichtet ein wenig über die Inhalte der Lieder: Befreiung aus der Knechtschaft, Gerechtigkeit, Willkommen zu sein im Gotteshaus, Dankbarkeit, Vertrauen zu Gott – sind nur einige Stichwörter. Für diejenigen, die kein Hebräisch verstehen, erschließen sich die teilweise im Kanon vorgetragenen Stücke ausschließlich über die Melodien, die Fröhlichkeit vermitteln. „Hier hört man die spanisch-portugiesische Melodie“, erläutert die Sopranistin das Hohe Lied „Baruch Haba“. Es ist wiederum dem Psalm 118 entnommen. „Dieser ist sehr beliebt, er wird gerne zum Beginn und am Ende gesungen“, sagt Weinberg. Sie ist wie ihre Kollegen ausgebildete Musikerin und lebt wie alle Mitglieder in Berlin. Das Trio präsentiert die Psalmen mit traditionellen, modernen und ganz neuen Melodien. Anhand der unterschiedlichen Vertonungen führen sie durch die Geschichte der jüdischen Musik bis heute. „Die Lieder mögen ein wenig fremd wirken, es sind überwiegend orientalische Melodien“, erläutert Dorit Schleinitz.

Je nach Wissensstand zum Thema mag die Aufnahme des Konzertes breit gefächert gewesen sein. Begeisterung hat die Darbietung jedoch bei allen Besuchern ausgelöst, ablesbar am langanhaltenden Applaus, Bitten um eine Zugabe sowie stehenden Ovationen zum Schluss. Bestens eingestimmt begaben sich die Gäste im Anschluss in den Garten zum Sommerfest.

Text: Anke Schlicht