Zum Antrag der FDP im Stadtrat, mit der die FDP eine „voreilige“ Fäll-Aktion am Osterdeich verhindern beziehungsweise 30 Kastanienbäume retten will, äußert sich die Celler BUND Kreisgruppe:

Eine solide Recherche sollte vor (politischem) Aktionismus stehen!
Es geht hier nicht um die Rosskastanien-Miniermotte (Cameraria ohridella), wie die FDP es ausführt. Bisher ist noch nirgends ein Absterben der Kastanien aufgrund des Befalls durch die Rosskastanien-Miniermotte beobachtet worden und entsprechend müssen Kastanien-Bäume deshalb nicht gefällt werden.

Unter dem „Kastaniensterben“, wie es als Begründung für die geplante Baumfällung durch die Stadt Celle (CelleHeute.de berichtete) angeführt wurde, ist etwas anderes zu verstehen.

Bei „ARBOFUX – Diagnosedatenbank für Gehölze“ ist beispielsweise nachzulesen, dass das Pseudomonas-Kastaniensterben durch eine Bakterienkrankheit (Pseudomonas syringae pv. aesculi) verursacht wird. Ursprünglich trat diese als Blattfleckenpilz benannte Erkrankung nur in Indien auf. Der Erreger befällt bisher in Europa nur die weiß- und rotblühende Kastanie.

Bei „ARBOFUX – Diagnosedatenbank für Gehölze“ ist zudem nachzulesen, dass „eine Rodung infizierter Bäume aus heutiger Sicht nur dann erforderlich ist, wenn andere der Bakterieninfektion nachfolgende Erreger (unter anderem Holz zersetzende Pilze, Schadinsekten) den Baum weiter befallen und/oder die Verkehrssicherheit gefährdet ist. Insbesondere vitale Bäume können lokale Stammschäden abschotten und den Schaden somit begrenzen. Altbäume widerstehen dem Erreger deutlich besser als Jungbäume, die häufig nach wenigen Jahren (3-5) absterben. Insbesondere an der Weißen Rosskastanie ist seit 2011/2012 das Phänomen bekannt, dass nach einem Bakterien-Befall – das als Wegbereiter dient – verstärkt Pilzfruchtkörper auftreten (häufig: Austernseitling, Samtfußrübling) und so in der Summe zu einem neuen Schadbild führen, das unter “Kastaniensterben” zusammengefasst wird“.

Wenn im konkreten Fall am Osterdeich die Verkehrssicherheit gefährdet ist, dann muss die Stadt handeln und gegebenenfalls Bäume fällen. Offenkundig lässt die Stadt Celle derzeit die bislang nur dem Augenschein nach untersuchten und als Problembäume gekennzeichneten Bäume von einer Spezialfirma detailliert untersuchen, bevor die Bäume gegebenenfalls gefällt werden müssen. Es ist zu hoffen, dass dabei auch die Untere Naturschutzbehörde der Stadt Celle mit einbezogen wurde, denn in den zu fällenden Bäumen können bei den milden Temperaturen durchaus unter anderem schon Fledermäuse in Ritzen und Höhlungen eingezogen sein. Eine detaillierte Untersuchung durch Fledermausspezialisten ist hier also vor der Baumfällung dringend erforderlich.
Unbestritten ist, die Kastanienallee stellt hier ein imposantes Landschaftselement dar. Das Vorhandensein dieser vielen und eng stehenden Bäume fördert jedoch bekanntlich die Ausbreitung von Schadorganismen. Ein entsprechender Ersatz für gefällte Bäume ist ein Selbstverständnis und muss im Falle von Altbäumen mehr als ein 1:1 Ersatz sein.

Das Beispiel zeigt mal wieder, dass eine solide Recherche vor (politischem) Aktionismus stehen sollte!

Für die BUND KG Celle Dr. Otto Boecking (1.Vorsitzender)

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