CELLE/HAMELN. Am Bückeberg nahe Hameln veranstaltete die NS-Führung zwischen 1933 und 1937 jeweils im September die sogenannten Reichserntedankfeste mit Hunderttausenden von Teilnehmern. Für die Etablierung der NS-Diktatur und die ideologische Durchdringung der propagierten „Volksgemeinschaft“ hatten die Feste am Bückeberg eine ähnliche Bedeutung wie die Maifeiern in Berlin und die Reichsparteitage in Nürnberg.

Dieser Bedeutung entsprechend soll das ehemalige Festgelände zu einem Dokumentations- und Lernort umgestaltet werden. Geplant sind die Aufstellung von Infotafeln und die Anlegung von Wegen sowie die Entfernung des Baumbewuchses um die Betonfundamente der ehemaligen Tribüne für die Ehrengäste. „Mit dem Bückeberg“, so Stiftungs-Geschäftsführer Jens-Christian Wagner, „ergänzen wir die Dokumentations- und Gedenkstätten in Niedersachsen um einen zentralen Ort der nationalsozialistischen Selbstinszenierung. Es ist wichtig, dass wir nicht nur der Opfer des Nationalsozialismus würdig gedenken, sondern auch nach der Funktionsweise der NS-Diktatur fragen. Dazu müssen wir uns viel stärker als bisher mit den Tätern, Mittätern und Zuschauern befassen und nach den Gründen fragen, warum die meisten Deutschen bereitwillig mitmachten. Der Dokumentationsort am Bückeberg bietet für eine solche kritische Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus ideale Voraussetzungen.“

Die Stiftung niedersächsische Gedenkstätten mit Sitz in Celle unterstützt die Bückeberg-Planungen des Landkreises Hameln-Pyrmont und des Vereins für regionale Kultur- und Zeitgeschichte um Bernhard Gelderblom deshalb nachdrücklich. Sie beteiligt sich seit Jahren inhaltlich und finanziell an den Planungen und wird für die Umsetzung eine Förderung in Höhe von mindestens 150.000 Euro zur Verfügung stellen. Weitere Mittel für das Projekt, dessen Kosten auf 450.000 Euro geschätzt werden, kommen vom Landkreis und weiteren Stiftungen.
„Damit sind die Voraussetzungen für ein zukunftsweisendes und überregional bedeutsames Projekt zur Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus geschaffen“, sagt dazu Geschäftsführer Wagner. Mit Unverständnis reagiert er daher auf vehemente Kritik an dem Projekt aus dem lokalen Umfeld: „Die Finanzierung ist gesichert. Außerdem ist sichergestellt, dass das Gelände nicht überformt wird: Die landschaftsplanerischen Eingriffe sind minimal. Und dass der Ort Neonazis anziehen könnte, wie manche befürchten, halte ich für ausgesprochen unwahrscheinlich. Gerade die geplante kontextualisierende Kommentierung verhindert das.“

Er begrüße, so Wagner, dass der Gestaltungsentwurf für den Dokumentationsort nun öffentlich im Kreishaus in Hameln präsentiert wird. Dort könnten sich die Kritiker nun selbst über die Chancen informieren, die das Projekt biete. Durch fundierte Information könne man die kontroverse Diskussion der letzten Wochen hoffentlich versachlichen.

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