Nach mehr als 20 Jahren endete eine Ära an der Technischen Schule der Luftwaffe 3 (TSLw 3) in Faßberg: Die zentrale Stätte der Luftwaffe und Marine für die Ausbildung an der Fliegerfaust ‚STINGER‘ wurde im Beisein vieler Gäste sowie ehemaliger und aktiver Angehöriger der betroffenen Inspektion feierlich außer Dienst gestellt.

Stinger-Gruppe Stinger-SchildStinger-Dom

Als besonderen Gast konnte der Kommandeur der TSLw 3, Oberst Peter Kraus, den ehemaligen Kommandeur der zuständigen Lehrgruppe, Oberstleutnant a. D. (außer Dienst) Oberstleutnant Lothar Schubart, willkommen heißen. Mit der Auflösung der TSLw 3 wird auch die Stinger-Ausbildung in Faßberg nicht weitergeführt und auch nicht in den Auftrag des künftigen Technischen Ausbildungszentrums der Luftwaffe überführt werden. „Dies bedeutet im Klartext nichts anderes, als das formelle Ende der Ausbildung hier im Flugabwehrschießsimulatorgebäude, das Ende einer 20-jährigen Tradition am Standort Faßberg und nicht zuletzt der Wegfall des letzten Elementes zur Sicherstellung der Fähigkeit zur schultergestützten Flugabwehr in Erstfunktion in der Luftwaffe“, so Oberst Kraus in seiner Rede.

Nachdem die Richtausbildung ab 1995 mit Kleinzieldrohnen (ferngesteuerte Modellflugzeuge) auf dem Truppenübungsplatz Munster durchgeführt wurde und aus der Zeit der Kanonenbatterien der „alten“ Flugabwehr herrührte, erfolgte im Mai 1996 mit dem Bau des Flugabwehrschießsimulatorgebäude, besser bekannt als „Stinger-Dom“, ein technologischer Quantensprung. Denn nun konnten die Soldaten quasi unter „Laborbedingungen“ und dennoch realitätsnah ausgebildet werden. Die für die Erlangung der entsprechenden Ausbildungshöhen erforderlichen Schüsse mit der Waffe konnten ab jetzt in einem 360 Grad Kino unter Einspielung vieler Land- und Seeregionen sowie virtuellen Witterungsbedingungen erlangt werden. Im Jahr 2003 entschloss sich auch die Marine, ihre Soldatinnen und Soldaten an der Faßberger Luftwaffenschule ausbilden zu lassen. Der Marine eigene Stinger-Dom in Kappeln an der Schlei wurde daraufhin aufgegeben.

„In diesem Jahr wurde auch zum ersten Mal der Dom umfassend modernisiert. Das Marine personal trat seinen Dienst an und recht zeitnah wurde dann auch die für die Belange der Marine notwendige Schlinger-Plattform eingerüstet“, sagte der Kommandeur der II. Lehrgruppe der TSLw 3, Oberstleutnant Daniel Gartmann. Mit der Plattform konnte bis Windstärke 8 simuliert werden, um den auf Schiffen üblichen Seegang darzustellen. Auch waren die Ausbilder in Faßberg die einzigen, die auf eine langjährige Erfahrung und Expertise zurückgreifen konnten, um Soldaten aus den Einsatzverbänden auch bei der Vorbereitung auf Auslandseinsätze helfend und beratend zur Seite zu stehen. So waren die Faßberger im Jahr 1999 an der TSLw 1 in Kaufbeuren, um Tornadopiloten für deren Einsätze über dem Kriegsgebiet des ehemaligen Jugoslawien vorzubereiten. Vielfach waren sie zudem als Checker (Überprüfer) oder Berater bei Taktischen Evaluationen vor Ort. Insgesamt wurden nahezu 600.000 simulierte Schüsse im Stinger-Dom abgegeben. „Gut 600 durchgeführte Lehrgänge und etwa 6.000 erfolgreich ausgebildete Lehrgangsteilnehmer sprechen eine beeindruckende Sprache. Auf Sie war immer Verlass, und dieser Umstand erfüllt mich mit einem großen Maß an Stolz und tiefer Dankbarkeit“, betonte Oberst Kraus in seinen abschließenden Worten.

Text: Paul Hicks
Fotos: Carsten König, TSLw 3

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