Strategien gegen den Mähtod

Umwelt Von Extern | am Di., 04.05.2021 - 17:23

HANNOVER. Die Frühjahrsmahd steht an und fällt zusammen mit der Brut- und Setzzeit vieler Wildtiere, die in Wiesen und Grünroggen ihren Nachwuchs aufziehen und sicher wähnen. Natürliche Schutzstrategien wie das „Ducken und Tarnen“ schützen zwar vor Fressfeinden wie dem Fuchs, nicht aber vor Erntemaschinen. Darauf machen die Landesjägerschaft Niedersachsen e.V., die Landwirtschaftskammer Niedersachsen und das Landvolk Niedersachsen – Landesbauernverband e.V. aufmerksam. Sie empfehlen verschiedene Präventionsmaßnahmen, die helfen können, Wildtierverluste bei der Mahd zu vermeiden:

Von innen nach außen mähen lautet die grundsätzliche Empfehlung für die Mäharbeiten. Diese einfache Regel ermöglicht es Rehen, Feldhasen und Co. noch während der Mahd die Flächen nach außen durch das stehende Gras zu verlassen. Je nach Situation gilt es flächenspezifische Besonderheiten zu berücksichtigen: An stark befahrenen Straßen etwa ist einseitig von der Straße her mit der Mahd zu beginnen. Besondere Aufmerksamkeit ist in den Saumbereichen gefragt: Diese sind als Aufenthaltsorte bei vielen Wildtieren besonders beliebt und erfordern zusätzliche Vorsicht.

In Flächen mit bekanntem Wildvorkommen sollte bei den Mäharbeiten die Geschwindigkeit verringert werden und besondere Aufmerksamkeit gelten. Da sich viele Wildtiere vor hellem Scheinwerferlicht instinktiv ducken und nicht flüchten, sollte in der Dunkelheit auf Mäharbeiten möglichst gänzlich verzichtet werden. Bei der Ernte von Ganzpflanzensilage verspricht die Begrenzung der Schnitthöhe auf etwa 15 bis 20 Zentimeter in der kritischen Aufzuchtzeit zusätzlichen Erfolg – auch und gerade bei Bodenbrütern.

Effektive Wildtierrettung beginnt aber bereits vor der Mahd: LandwirtInnen beziehungsweise BewirtschafterInnen sind tierschutzrechtlich verpflichtet, bei der Umsetzung landwirtschaftlicher Maßnahmen Tieren vermeidbare Leiden oder Qualen zu ersparen. Sie sollten die geplanten Erntetermine rechtzeitig, mindestens aber 24 Stunden vorher, mit den JagdpächterInnen absprechen. 

Alternativ können die LandwirtInnen oder BewirtschafterInnen der Flächen selbst erforderliche Maßnahmen zur Wildtierrettung ergreifen: Kostengünstig und sehr effektiv sind beispielsweise Knistertüten oder Flatterbänder in den Flächen.  Auch der Einsatz von elektronischen Wildscheuchen hat sich im Praxiseinsatz bewährt. Jeweils ein Gerät pro drei Hektar kann zur Beunruhigung ausreichen. Als sehr erfolgreich hat sich auch der Einsatz sogenannter akustischer Wildretter erwiesen. Diese an den Erntemaschinen angebrachten Signaltongeber erzeugen einen sehr hohen Piepton, der Wildtiere zur Flucht veranlasst.                                

In jüngerer Zeit kommen vermehrt Drohnen mit Wärmebild- oder Infrarot-Technik zum Einsatz. Sie können helfen, Jungtiere auf großen Flächen zu lokalisieren, um sie so vor den Erntemaschinen zu retten. Da deren Einsatz aber noch nicht flächendeckendeckend gewährleistet ist und zudem stark von äußeren Faktoren wie etwa der Außentemperatur abhängig ist, sind die bewährten Maßnahmen und Strategien zur Vermeidung von Wildtierverlusten bei der Mahd, zu den auch das Absuchen der Wiesen mit Jagdhunden zählt, weiterhin von essenzieller Bedeutung.

Die Landesjägerschaft Niedersachsen, das Landvolk Niedersachsen und die Landwirtschaftskammer Niedersachsen appellieren an LandwirtInnen und BewirtschafterInnen, die benannten Präventivmaßnahmen zu nutzen, um möglichst viele Jungtiere vor dem Mähtod zu retten.

Foto: Signalgeber zur Mähtodvermeidung

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