Studie: "In Deutschland gab es noch nie so viele unglückliche Kinder"

Gesellschaft Von Redaktion | am Do., 09.09.2021 - 19:03

AUGSBURG. "In Deutschland gab es noch nie so viele unglückliche Kinder. Wir sind es unseren Kindern schuldig hier gegenzusteuern." So lautet das Fazit von Rüdiger Maas nach einer aktuellen repräsentativen Studie des Instituts für Generationenforschung. Dort wurden 1.231 Pädagog:innen und Grundschullehrer:innen betreffend ihrer Wahrnehmung über zu betreuende Kinder befragt. Es wurden infolge 22.511 Kinder beurteilt. Die Ergebnisse zeigen laut Institut "erstaunliche Erkenntnisse und rufen zum Handeln auf". 

Seit Februar 2020 erhebt das Institut für Generationenforschung wöchentlich bundesweit Daten über Wohlbefinden, Wahrnehmung, Wünsche, Sorgen und Haltung der Menschen zur Corona-Pandemie.
Gegenüber CELLEHEUTE erklärt Maas: "Wir haben zwei Jahre lang Pädagogen und Grundschullehrerinnen und -lehrer zu ihrer Wahrnehmung über die Kinder der Generation Alpha (geboren ab 2010), befragt. Teils in Interviews und teils per Online-Befragung. Alle Teilnehmer waren mindestens zehn Jahre beruflich als Pädagogen tätig, da wir wissen wollten, was sich die vergangenen zehn Jahre geändert hat. So gab es über 1000 subjektive Einschätzungen über insgesamt 22.500 zu beurteilende Kinder. Das ist die größte Studie zur Generation Alpha in der Bundesrepublik und bis dato die einzige wissenschaftliche Umfrage über die noch unbekannte Alterskohorte."

Auf dieser Datengrundlage habe das Institut nun feststellen können, dass diese Generation die "unglücklichsten Kinder im Vergleich zu den Vorgängergenerationen" sei. Vier Themenfelder als mögliche Ursachen hätten die Forscher ausmachen können:
1. Coronapandemie als Verstärker (nicht Verursacher)
2. Starke Überbehütung der Eltern und zu großer Fokus auf die Erziehung auf Augenhöhe

3. Absolute Überauswahl an allem (Dauerbefeuerung, ständige Aktionen und Aktionswechsel), zeitnahes Erfüllen aller Wünsche durch die Eltern)
4. Digitalisierung (Zunahme an Social-Media und Smartphonekonsum vor allem während der Lockdownzeit).

Insgesamt seien altersentsprechend 40 % der Kinder auffällig in ihrer sprachlichen Entwicklung
19 % im motorischen Bereich (Grob- und Feinmotorik), 30 % im sozialen Bereich (Interaktion mit Gleichaltrigen etc.). 

"Als Generationenforscher und Psychologe sehe ich einen sofortigen Handlungsbedarf. Ich kann den Beschluss von bundesweiten Ganztagsschulen nur begrüßen, da hierbei auch der Übergang von Kita zur Schule für alle Beteiligten zum Vorteil sein wird. Besser wäre es, dies noch zeitnaher bundesweit zu etablieren", ist Maas überzeugt. 

Der erste Teil der Gesamtstudie werde nächste Woche veröffentlicht. Eine erste Zusammenfassung gibt es HIER (bitte klicken). 

Studie bestätigt: Kinder und Jugendliche leiden verstärkt unter Corona-Krise

HAMBURG/CELLE. Die Folgen der Corona-Krise haben viele Familien vor einen großen Stresstest gestellt. Insbesondere die Verlagerung des Schulunterrichts und der beruflichen Tätigkeit ins häusliche Umfeld haben die Stimmungslage der Familien in den vergangenen Monaten stark beeinflusst – in überwiegend negativer Hinsicht, wie eine repräsentative forsa-Umfrage im Auftrag der Mobil Krankenkasse unter rund 1000 Eltern bestätigt.