Stunde der Gartenvögel: Wie geht es der Blaumeise in Heide und Wendland?

Umwelt Von Extern | am Mi., 06.05.2020 - 12:22

CELLE. Unter Blaumeisen grassiert seit Wochen eine tödliche Seuche. Die Stunde der Gartenvögel am kommenden Wochenende wird zeigen, wie stark die Meisenbestände von der für Deutschland neuen Vogelkrankheit beeinträchtigt wurden. Darauf weist der Naturschutzbund (NABU) hin, der gemeinsam mit seinem bayerischen Partner, dem Landesbund für Vogelschutz (LBV) vom 8. bis 10. Mai dazu aufruft, eine Stunde lang die Vögel im Garten, am Fenster oder auf dem Balkon zu zählen.

„In diesem Jahr steht einer der beliebtesten Gartenvögel, die Blaumeise, bei unserer Zählung im Blickpunkt“, so Andrea Pohlen, Leiterin der NABU-Regionalgeschäftsstelle Heide-Wendland mit Sitz in Celle. „Leider erliegen in diesem Frühjahr viele der kleinen Meisen mit dem blau-gelben Federkleid dem für Meisen tödlichen Erreger Suttonella ornithocola.“

Wie sich die Seuche langfristig auf den Bestand auswirkt, kann bisher nur spekuliert werden. „Im besten Fall können die überlebenden Meisen in diesem Jahr besonders erfolgreich brüten, da sie weniger Konkurrenz haben als normalerweise“, so Pohlen. „Im schlechtesten Fall könnte mit der Krankheit ein andauernder Abwärtstrend des Blaumeisenbestands beginnen. So beobachten wir es beim Grünfink, dessen Zahl seit 2013 aufgrund der Krankheit Trichomoniasis abnimmt.“

Besonders spannend werde es für die Ornithologen, die Ergebnisse der Stunde der Gartenvögel mit dem sich aus der Meldeaktion abzeichnenden Verbreitungsgebiet des Blaumeisensterbens abzugleichen. Dem NABU wurden bereits über 30.000 tote oder kranke Blaumeisen gemeldet. Allein für Niedersachsen gingen über 2.600 Meldungen mit über 5.000 betroffenen Blaumeisen ein, die Schwerpunkte bilden die Landkreise Oldenburg, Ammerland und Osterholz. In der Region Heide-Wendland wurden laut NABU bis gestern fast 300 Tiere gemeldet.

"Mehr als 870 Menschen haben im vergangenen Jahr allein im Heide-Wendland bei der Stunde der Gartenvögel ehrenamtlich Daten erhoben und dadurch wichtige Informationen darüber geliefert, wie es den verschiedenen Vogelarten geht. Insgesamt erfolgten aus fast 590 Gärten Meldungen zu Vogelvorkommen. Der häufigste Gartenvogel der Region war 2019 der Haussperling, gefolgt von Amsel, Feldsperling, Star und Kohlmeise. Die Blaumeise belegte Platz sechs. Deutschlandweit beteiligten sich über 76.000 Vogelfreunde. Gemeinsam mit der Schwesteraktion, der Stunde der Wintervögel, handelt es sich damit um Deutschlands größte wissenschaftliche Mitmach-Aktion", teilt der NABU mit.

So funktioniert die Stunde der Gartenvögel:
Von einem ruhigen Plätzchen im Garten, auf dem Balkon oder vom Zimmerfenster aus wird von jeder Vogelart die höchste Anzahl notiert, die im Laufe einer Stunde gleichzeitig beobachtet werden konnte. Die Beobachtungen können am besten online unter www.stundedergartenvoegel.de gemeldet werden, aber auch per Post oder Telefon – kostenlose Rufnummer am 9. Mai von 10 bis 18 Uhr: 0800-1157115. Gemeldet werden kann auch mit der kostenlosen NABU-App Vogelwelt, erhältlich unter www.NABU.de/vogelwelt. Meldeschluss ist der 18. Mai.