Sülzer Bäckermeister sattelt um auf Garten-Deko

Kultur + Gesellschaft Von Susanne Zaulick | am Fr., 18.12.2020 - 08:32

SÜLZE. Früher gab es Hemme‘s Backstube. Jetzt gibt es Hemme‘s „Wintergarten“. Während vorne an der Hauptstraße die ehemalige Bäckerei, die Wilhelm Hemme jahrzehntelang mit Herzblut betrieben hat, im Dornröschenschlaf auf einen Prinzen bzw. neuen Betreiber wartet, ist wenige Meter weiter ein Wintermärchen entstanden. Hier frönt der 73-jährige Bäckermeister jetzt seiner Deko-Leidenschaft.

Dass er die hat, wusste er bis vor Kurzem selbst nicht. „Aber es war so langweilig. Und ich bin ein ungeduldiger Mensch, ich muss immer was machen“, erzählt er. So fing er an, alte Dinge anzumalen. In den Nebengebäuden des rund 250 Jahre alten Gebäudes, das er mit seiner Frau Marita bewohnt, wurde er fündig, aber auch im benachbarten Second-Hand-Laden „Neufundland“  und beim Schrotthändler. Nicht nur Holz und Metall bemalt der Ruheständler, sondern auch Glas – mit Vorliebe alte Sprossenfenster. Dass er keine Kunsthochschule besucht hat, stört dabei weder ihn selbst, noch die Besucher, die gern mal eine Runde durch den Garten drehen. „Den Leuten gefällt, dass ich aus Mist was mache“, erklärt der Hobbygestalter schmunzelnd und deutet auf eines der bemalten Sprossenfenster: „Die Ziegen da, das sollten eigentlich Kühe werden..“ Und abschließend zum Thema Malkunst: „Am besten kann ich Schiffe“.

Marita Hemme freut sich über das neue Betätigungsfeld ihres Mannes und besichtigt ab und zu die Ergebnisse seiner Arbeit. „Das ist doch alles nachhaltig“, lobt sie. Immerhin würde das Meiste sonst wohl auf dem Müll landen, was hier noch einen Ehrenplatz findet: Alte landwirtschaftliche „Gebrauchsgegenstände“ wie Sämollen, aus denen früher das Saatgut auf dem Acker verteilt wurde, werden ebenso zu Deko-Objekten wie ein Holzwagen, Möbel, Vasen, Laternen oder Geschirr. Jüngst hat jemand einen Webstuhl vorbei gebracht. Auch ein Spinnrad wartet noch auf Verschönerung. Mittendrin: ein Weihnachtsmarktstand, den Wilhelm Hemme schon vor etlichen Jahren mal der Stadt Celle abgekauft hat, inklusive lebensgroßer Weihnachtsmannfigur. Kleiner Wermutstropfen: Mit dem Glühweinausschank darin wird es wohl zumindest in diesem Winter nichts mehr werden.