Tag der Bundeswehr in Faßberg: Spektakuläre Flugschauen und umfangreiche Ausstellung locken über 60.000 Besucher an

Gesellschaft Von Redaktion | am So., 16.06.2019 - 11:25

FASSBERG. Eine A400M von innen sehen, im Cockpit eines Tornado Platz nehmen oder das koordinierte Zusammenwirken verschiedener Hubschraubertypen bei einem fiktiven UNO-Einsatz am Himmel und auf dem Boden aus nächster Nähe beobachten. Diese und zahlreiche weitere Attraktionen lockten gestern 60.800 Menschen auf den Faßberger Fliegerhorst. Auch wenn der geplante Höhepunkt der Veranstaltung, der Abflug von bis zu 30 „Rosinenbombern“ zur Erinnerung an die Berliner Luftbrücke vor 70 Jahren, sich am Ende auf eine DC 3 beschränkte, dürfte das die Begeisterung der meisten Besucher kaum mehr getrübt haben.
Jan Fischer ist mit seiner Frau und den Söhnen im Grundschulalter aus Hamburg angereist. „Ich finde es gut, dass die Bundeswehr ihre Türen öffnet“, sagt er. Besonders die Flugschauen seien etwas Besonderes. „Sowas bekommt man sonst nicht zu sehen“, findet der Familienvater, der selbst im Katastrohpenschutz Dienst geleistet hat. Auf den Spuren der Vergangenheit bewegen sich Gisela und Werner Braun aus Bückeburg. Der gelernte Fluggerätmechaniker hat 1958 einen Lehrgang in Faßberg besucht und will sehen, was sich verändert hat auf dem Fliegerhorst. „Man kommt ja sonst nicht mehr rein“, stellt er fest.

Mal zu schauen, wie es hinter der sonst geschlossenen Schranke am Ende der großen Horststraße weitergeht, ist auch für etliche einheimische Besucher der Grund ihres Besuches. Dazu kommt das Bewusstsein, dass hier ein nicht alltägliches Ereignis unmittelbar vor der Haustür stattfindet. Andere sind gezielt auf der Suche nach einem Job oder Ausbildungsplatz und informieren sich darüber bei der Bundeswehr oder auch der Rheinmetall AG. Kinder und Jugendliche stehen im Rahmen der Nachwuchswerbung für die Bundeswehr im Fokus. „Wir haben tolle Gespräche geführt und es gab kindgerechte Erklärungen“, lobt Steffen Döring, der mit seinem achtjährigen Sohn, kleiner Tochter und Frau aus Hannover angereist ist.

Die allgemeine Begeisterung teilen nur wenige nicht. Am Eingangstor versammelten sich einige Aktivisten des Bündnisses „Rheinmetall entwaffnen“, um - wie das Bündnis in einer Pressemitteilung erklärt - dem „gesellschaftlichen Enthusiasmus für Krieg und Kriegsmaterial etwas entgegen zu stellen. Zig tausende Menschen kamen, um die Bundeswehr und ihre Ausrüstungsgegenstände zu bestaunen, ohne dabei an die grausamen Folgen von Krieg und Militarisierung zu denken. So überwog die Faszination für die technischen Möglichkeiten, die von Grund auf dafür geschaffen worden sind, Menschen zu töten“, kritisieren die Aktivisten.

Technik spielt in der Tat eine wichtige Rolle. Alle Flugvorführungen werden moderiert und die Besucher dabei auch über technische Details informiert, aber auch darüber, in welchen Auslandseinsätzen der jeweilige Hubschrauber schon genutzt wurde. Die Bundeswehr rückt zudem ihre Einsätze im Rahmen der humanitären Hilfeleistung in den Fokus. So bildet am Vormittag die Sicherung eines Deiches das Thema eines Schaubildes in der Luft und am Boden.

Neben dem geplanten Abflug der „Rosinenbomber“, der gecancelt werden musste weil die historischen Flugzeuge keine Überfluggenehmigung und auch keine Genehmigung für eine Umrndung Berlins bekamen, ist natürlich der Besuch von Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen ein Highligth für Veranstalter und Besucher. „Sie alle sind eingeladen, sich selbst ein Bild von der Bundeswehr zu machen“, sagt die Ministerin kurz nach 13 Uhr auf der Hauptbühne. Sie sieht den Tag der Bundeswehr auch als „Stadt- bzw. Gemeindefest“, nicht nur in Faßberg, sondern an allen anderen Standorten, in die ihre Rede übertragen wird – jedenfalls bis zu dem Zeitpunkt, an dem ein Stromausfall das Mikrofon lahm legt. Das neu eingeführte Veteranenabzeichen kann sie aber auch ohne akustische Verstärkung überreichen, so dass zumindst auf der Bühne bis zum Ende ihres Auftritts strahlende Gesichter zu sehen sind. Anschließend begibt sich die Ministerin, begleitet von Politikern und Presse auf einen Rundgang zu ausgewählten Stationen auf dem Gelände.

Von Seiten der Bundeswehr zieht man am Abend ein positives Fazit. „Wir sind super zufrieden. Es war ein toller, erfolgreicher Tag“, sagt Oberstabsfeldwebel Paul Hicks. Und zumindest die Bewohner der Gemeinde Faßberg können heute gegen 14 Uhr voraussichtlich bei einem Blick an den Himmel doch noch die Rosinenbomber fliegen sehen. Dann starten diese den Rückflug in ihre „Heimatländer“.