„Na klar: bei Faßberg denke ich immer an die TSLw 3. Dort habe ich meine Ausbildung durchlaufen, viele Wochen und Monate verbracht“, so der einhellige Tenor, wenn aktive oder ehemalige Soldaten der Luftwaffe oder des Heeres nach dem kleinen Ort in der Heide gefragt werden.

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Mit der langjährigen Geschichte der Technischen Schule der Luftwaffe 3 (TSLw 3) ist es jetzt vorbei. Fast auf den Tag genau vor 57 Jahren wurde die TSLw 3 auf dem Fliegerhorst Faßberg aufgestellt und hat seitdem den Standort und die Gemeinde maßgeblich mit geprägt. Sie wurde nun mitsamt der Schwesterschule TSLw 1 in Kaufbeuren aufgelöst. Gemeinsam werden die beiden ehemaligen Schulen nun das Technische Ausbildungszentrum der Luftwaffe (TAusbZLw) bilden. In einem feierlichen Appell wurde das neue Ausbildungszentrum der Luftwaffe aufgestellt und ist damit die größte Schule der Bundeswehr. Der Fliegerhorst Faßberg war und ist Synonym für eine lange und traditionsreiche Geschichte von technischer-logistischer Ausbildung im Hubschrauberbereich. Daneben hatte es an der TSLw 3 immer wieder Ausbildungszweige gegeben, die nichts mit der Drehflüglertechnik zu tun hatten.

So war über lange Zeit unter anderem die Ausbildung an der Fliegerfaust Stinger ein fester Bestandteil der TSLw 3 wie auch die Fahrschul- und Kraftfahrzeugmeisterausbildung, die Feuerwehrschule, das Transport- und Luftwaffenpionierwesen, die Materialbewirtschaftung und als eines der innovativsten Projekte, der Aufbau der Feldlagerausbildung. Insbesondere mit der Feldlagerausbildung hat die TSLw 3 nachhaltige Akzente zum dauerhaften Betrieb eines Feldlagers im Auslandseinsatz gesetzt. Im Beisein des Bürgermeisters der Gemeinde Faßberg, Frank Bröhl, des Kommandeurs Unterstützungsverbände der Luftwaffe, Generalmajor Dr. Ansgar Rieks, sowie der ehemaligen Kommandeure der TSLw 3, Oberst a.D. (außer Dienst) Dieter Müller-Gerhardtz, Oberst a.D. Erwin Lentz und Oberst a.D. Ulrich Stamm sowie vieler weiterer Gäste löste der Kommandeur Logistikverbände der Luftwaffe, Brigadegeneral Rudolf Maus, die TSLw 1 und TSLw 3 in einem feierlichen Appell auf und stellte zeitgleich das Technische Ausbildungszentrum der Luftwaffe (TAusbZLw) in Dienst.

„Es ist ein ganz besonderer Appell und weit mehr als eine traditionelle Kommandoübergabe. Mit dem heutigen Indienststellungsappell wird in der Neuausrichtung der Luftwaffe ein weiterer Meilenstein erreicht. Wir legen damit – symbolisch gesehen – den organisatorischen Grundstein für die Zukunft einer sich verändernden technischen Ausbildung in der Luftwaffe“, so General Maus, der im Verlauf seiner Ansprache auf die Historie beider Schulen einging und betonte, dass mit der Außerdienststellung der Schulen in Kaufbeuren und Faßberg auch die Ära der Technischen Schule der Luftwaffe formal zu Ende geht. General Maus dankte allen ehemaligen und aktiven Soldaten und Zivilbeschäftigten beider Einrichtungen für einen über viele Jahrzehnte kontinuierlich hohen Standard in der technischen Ausbildung. So gelte es auf dieser Basis nun, den Blick nach vorne zu richten und die Herausforderungen der Zukunft zu meistern. „Ausbildung ist und bleibt eine Investition in die Zukunft! Was nützt uns das beste Luftfahrzeug oder Gerät, wenn wir nicht in der Lage sind, es zu betreiben, zu warten und instand zu setzen – und zwar am Heimatort ebenso wie im Einsatzgebiet“, unterstrich der Brigadegeneral.

Im neuen TAusbZLw wird das Führungselement und die Ausbildungsabteilung Nord in Faßberg aufgestellt. Der Kommandeur des neuen Zentrums ist Oberst Peter Kraus, der Kommandeur der Abteilung Nord Oberstleutnant Michael Grintz. Auch die Fachschule der Luftwaffe und die Deutsch-Französische Ausbildungseinrichtung TIGER werden weiterhin am Standort Faßberg verbleiben. Die Ausbildungsabteilung Süd wird zunächst in Kaufbeuren aufgestellt und voraussichtlich im Jahr 2017 an den Standort Untermeitingen / Lechfeld verlegen. Der Kommandeur der Abteilung Süd ist Oberst Harald Burghardt. „Ein bewährter Oldtimer wird in den Ruhestand geschickt. Ich bin mit der TSLw 3 aufgewachsen. Sie hat das Leben meines Vaters, eines Offiziers des militärfachlichen Dienstes an der Schule, das meiner Familie, und so natürlich auch mein Leben mit beeinflusst“, betonte Bürgermeister Frank Bröhl in seinem Grußwort und führte aus, dass die große Reform der Bundeswehr diese Veränderung erforderlich macht.

„Ja, Wehmut – aber eben nur ein Hauch von Wehmut, denn Dinge verändern sich“. So habe gerade die Standortgemeinde Faßberg die Umstrukturierungen und Reformen der Bundeswehr in den zurückliegenden Jahren immer mit gespannter Nervosität verfolgt. Bröhl brachte seine Hoffnung zum Ausdruck, dass die vertrauensvolle Zusammenarbeit auch mit dem neuen Technischen Ausbildungszentrum so offen wie bisher wird und sich nahtlos an das bisherige Miteinander anschließt. Er stellte auch die vielen gemeinsamen Projekte heraus, die ein eindrucksvoller Beweis für eine funktionierende Symbiose sind. „Sehr geehrte Angehörige des Technischen Ausbildungszentrums der Luftwaffe: Wir sind für Sie Da! Wir fühlen uns in hohem Maße dafür verantwortlich, dass Sie sich mit ihren Familien hier wohl fühlen“, rief der Bürgermeister den Soldaten und Zivilbeschäftigten abschließend zu. Umrahmt wurde der Appell durch das Luftwaffenmusikkorps 3 aus Münster unter der Leitung von Major Timor Oliver Chadik, das mit der Nationalhymne den feierlichen Akt beendete.

Text: Paul Hicks
Foto: Carsten König

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