Theateraktien sollen Schlosstheater und Abos sichern

Theater Von Extern | am So., 17.05.2020 - 18:40

CELLE. „Wie können wir Gemeinschaft unter Corona-Bedingungen im Theater erlebbar machen, ohne ständig an Pandemie zu denken?“ fragt Intendant Andreas Döring. „Wie können Schauspieler*innen all die menschlichen Bewegungen und Nahaufnahmen verkörpern, ohne dabei immer nur die Abstandsregeln zu thematisieren? Wie führen wir überhaupt das Schlosstheater mit seinen Abonnenten durch diese Phase? Wie sichern wir angesichts der Sitzplatz-Einbußen den finanziellen Erhalt?“ Nun hat das Schlosstheater entschieden, zuerst Lösungen für die Zuschauerräume und das Abo-System zu entwickeln, und erst dann einen neuen Spielplan zu veröffentlichen.

Über allem stehe natürlich der gesundheitliche Schutz. Entsprechend muss die Theaterleitung die neue Spielzeit 2020/21 mit einem viel geringeren Platzangebot planen. „Deshalb brauchen wir neben einem kreativen Sparzwang vor allem eine Lösung für das Schlosstheater Abo, weil wir ja mit den Sitzreihen auch Stamm-Plätze rausnehmen müssen“, so Döring. „Für die Planung zielen unsere Überlegungen vor allem auf den Erhalt des Schlosstheaters Celle in dieser für das Theater und für seine Stammkunden schwierigen Situation.“

Das Schlosstheater Celle gestaltet - vorbehaltlich der Genehmigung durch den Gesundheitsschutz - den Zuschauerbereich für ca. 96 Plätze neu und richtet Schutz-Logen (für Paar-, Familien- und Einzelplätze) und Doppelsitze mit Strandkorbcharakter ein. Der Schlossinnenhof erhält einen neuen Zuschauerraum mit überdachten Kabinen in zwei Reihen. Diese zweistöckigen Kabinen-Tribünen ziehen anschließend in die Hall 19 auf dem Gelände der CD-Kaserne.

Gleichzeitig ist das Schlosstheater bestrebt, aus der gesundheitlich gebotene Vorsorge eine neue und andere Theaterattraktivität zu entwickeln. „Wir wollen uns als Theater anbieten, das auf den Bühnen aufregend sicher und im Zuschauerraum angenehm sicher ist“, so Döring. Um in dieser schwierigen Situation den Erhalt des Schlosstheaters und die Ansprüche der Stammkunden des Abonnements sichern zu können,soll es als Übergangslösung in der Spielzeit 2020/21 als flexibles Abo-Modell die „Theateraktie“ für diese Phase geben.

Der solidarische Wert der Theateraktie soll den Erhalt des Schlosstheaters sichern und Abonnenten den angestammten Sitz-Platz für die Zeit nach der Pandemie garantieren. Abonnenten erhalten damit für die Spielzeit 2020/21 statt eines Abonnements ein Theateraktienpaket mit neun (bzw. fünf) Theateraktien und mit einer Stammaktie, die den angestammten Sitzplatz garantiert, sobald die Normalisierung den Rückbau des Schlosstheaters auf das alte Abo-System wieder ermöglicht. Also gründen Schlosstheater und Abonnenten quasi eine Theateraktien-Gemeinschaft, die mit Beendigung der Pandemie ihren Zweck erfüllt hat.

"Die Theateraktien sind nicht produktions-, termin- oder sitzplatzgebunden. Sie sind auf andere Personen übertragbar. Die Theateraktien ermöglichen es Abonnenten, in dieser unsicheren Zeit auch selbst zu bestimmen, wann sie in der Spielzeit 2020/2021 wieder ins Theater gehen wollen", heißt es aus dem Schlosstheater.

Deshalb können Stammaktionäre ihre Theateraktien auf zwei Wegen nutzen:

Der traditionelle Weg: Zu Spielzeitbeginn können Abonnenten ihre Theateraktien für alle neun Neuproduktionen im Schlosstheater einsetzen und hierfür einen festen (neuer Saalplan!) Sitzplatz und Wochentag vereinbaren, mit exklusivem Vorbuchungsrecht.

Der flexible Wege: Abonnenten können ihre Theateraktien auch flexibel während der Spielzeit 2020/2021 sowohl für die Produktionen im Schlosstheater (inkl. Schlossinnenhof), als auch für die Halle 19 bei freier Platzwahl einsetzen.

Zudem können Stammaktionäre mit ihrem Stimmrecht darüber entscheiden, mit welchem Theaterstück im Schlosstheater die Spielzeit 2021/22 eröffnet werden soll.

Ein Theater brauche auch Neu-Abonnenten. "Deshalb hoffen wir, dass wir auch Neu-Theateraktionäre gewinnen, die dann später, wenn alles wieder normalisiert ist, als Neuabonnenten bleiben“, sagt Döring. Allerdings müssen Neu-Aktionäre mit der Platzbuchung warten, bis die Stammaktionäre sich für ihren Weg und die Plätze entschieden haben. Durch die reduzierte Platzzahl könne es vorkommen, dass öfter Vorstellungen ausverkauft sein werden. Wer also gern ins Theater geht, tut gut daran, für die Spielzeit 2020/21 Theateraktien zu erwerben. Denn auch Neu-Aktionäre hätten gegenüber dem freien Verkauf bei den Buchungen Vorrang. Informationen über den neuen Spielplan sowie die Preisgestaltung und die Umwandlung von Gutscheinen für ausgefallene Vorstellungen soll es zum 15. Juni geben.