„Top-Adresse für Kunst von Schülern“ – Kultur Trif(f)t inside – outside - online

Kultur + Gesellschaft Von Anke Schlicht | am Mo., 28.06.2021 - 10:59

CELLE. „Keimfrei“ - Arbeiten aus dem Lockdown – so nüchtern kündigt die „Kultur Trif(f)t“ ihr neues Projekt, das ab dem 3. Juli der Öffentlichkeit präsentiert wird, an. Dabei handelt es sich sowohl von der Idee als auch von der Art der Umsetzung her um etwas sehr Originelles, in dieser Form noch nie Dagewesenes.

Wie setzen Schüler den Lockdown künstlerisch um? Mit dieser Fragestellung wandte sich das Kultur-Trif(f)t-Team vor einigen Monaten an Kunstlehrer in Celler Schulen. Diese nahmen den Gedanken dankbar auf, bildeten ein per Zoom konferierendes Netzwerk, traten in Kontakt mit ihren zum Homeschooling verdammten Schülern und forderten sie auf, kreativ zu werden. Erlaubt war jede Form von bildender Kunst. Acht Lehreinrichtungen (Paul-Klee-Schule, Oberschule Westercelle, Oberschule Lachendorf, Private Kunst-Schule Fitkulovart, Gymnasium Hankensbüttel, Gymnasium Ernestinum, Hermann-Billung-Gymnasium, Immanuel-Kant-Gymnasium) aus Stadt und Landkreis beteiligten sich. „Das war ein Miteinander auf anderer Ebene – ohne jeden Zwang“, bewertet die Lehrerin Sandra Gutzeit als Sprecherin des Pädagogen-Netzwerkes die Entstehungsphase der Aktion.

Nun liegen die Ergebnisse vor, 170 an der Zahl, 30 Arbeiten durfte jede Schule maximal einreichen. „Unser Konzept war es, die Werke online zu präsentieren“, erläutert Zandra Gröschner vom Kultur-Trif(f)t-Team. Doch die sinkenden Inzidenzwerte machten einen Strich durch die Rechnung, denn sie ermöglichen analoge Ausstellungsformate – ganz wie zu Vor-Corona-Zeiten. In die Freude über diese Entwicklung mischte sich für die Veranstalter ein wenig Trübnis. „Wir waren überfordert, wie sollen wir 170 Exponate in unseren Räumen unterbringen?“, blickt Zandra Gröschner zurück und liefert die Lösung des Problems gleich im Anschluss: „Ein zweiter Ausstellungsbereich und eine Jury, die die Arbeiten in Gruppen unterteilt, mussten her“, erklärt Gröschner das Verfahren.

Man disponierte um und nahm eine Dreiteilung vor: inside – outside – online. Die Direktorenvilla an der Magnusstraße konnte als Outdoor-Galerie gewonnen werden. Der Fotograf Roman Thomas, die Kunsthistorikerin und Leiterin der Eberhard-Schlotter-Stiftung Dietrun Otten sowie der Bildhauer und Vorsitzende des Bundes Bildender Künstler Celle Norbert Diemert bildeten das Berater-Trio, das jeder und jede für sich und unabhängig von schulischer Zugehörigkeit, Alter und Namen der Nachwuchskünstler die Exponate einer Bewertung unterzog. „Die Einsendungen zeigten eine unglaubliche Vielfalt sowohl vom Motiv her als auch von der Wahl der Mittel, der Technik und natürlich auch von der Qualität her“, berichtet Dietrun Otten. „Ein unglaubliches Spektrum von Malerei über Collage bis zu Fotografie“, bestätigt Roman Thomas Ottens Eindruck und fügt hinzu: „Bei einigen Wenigen ist wirkliches künstlerische Potential zu erkennen.“ 60 Werke haben sie herausgehoben aus dem Gesamtpool, 30 werden in den Räumen der Kultur Trif(f)t zu sehen sein (inside), weitere 30 können, abfotografiert und auf Bannern abgebildet, von jedem Kunstinteressierten, aber auch jedem Spaziergänger und Passanten im Garten der Direktorenvilla, installiert an einem Gerüst, bewundert werden (outside). Alle übrigen Arbeiten werden online gezeigt.

Die Unterteilung der Ergebnisse der kreativen Auseinandersetzung mit dem Lockdown soll jedoch sowohl nach dem Wunsch der Veranstalter als auch nach Ansicht der Jury den Ursprungsgedanken der Aktion nicht überlagern, den Dietrun Otten formuliert: „Die Möglichkeit, sich auszudrücken, war wichtig.“ Laut Roman Thomas wurde eine Plattform geschaffen, um Kunst von Schülern zu präsentieren. „Und für dieses Thema ist das hier eine Top-Adresse“, bilanziert Dietrun Otten abschließend.

„Keimfrei“ – Arbeiten aus dem Lockdown vom 3. Juli bis zum 15. August 2021, Vernissage am 3. Juli um 16 Uhr an der Direktorenvilla, Magnusstraße 5, eingeladen sind alle, die neugierig auf die Ausstellung sind. Bis 19 Uhr sind am Eröffnungstag die Werke in den Räumen der Kultur Trif(f)t, Trift 32, zu sehen.