Trends bei Krankschreibungen - IKK classic stellt Analyse vor

Wirtschaft Von Extern | am Di., 19.05.2020 - 14:49

CELLE. Mehr Handwerkerinnen und Handwerker in Niedersachsen sind 2019 ohne gelben Schein ausgekommen. 44,4 Prozent der bei der IKK classic versicherten Beschäftigten in niedersächsischen Handwerksbetrieben fehlte im vergangenen Jahr an keinem einzigen Tag wegen Krankheit bei der Arbeit. 2018 waren es nur 41,8 Prozent. "Das ist eine gute Nachricht", bilanziert die Krankenversicherung.

Sie hat die Gesundheitssituation der pflichtversicherten Arbeitnehmer analysiert und dafür die Daten aller Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen des vergangenen Jahres ausgewertet. Die Bilanz für das Handwerk in Niedersachsen zeige dabei zwei Trends, die sich auf dem ersten Blick zu widersprechen scheinen. „Zum einen steigt die so genannte Gesundheitsquote, die den Anteil der Arbeitnehmer ohne Krankschreibungen anzeigt, kontinuierlich an“, berichtet Landesgeschäftsführer Andreas Schönhalz. „Zum anderen nimmt aber auch der Krankenstand weiterhin zu – und dieser statistische Wert macht deutlich, wie viel Arbeitszeit in dem untersuchten Zeitraum wegen Krankschreibungen rechnerisch nicht zur Verfügung stand.“

Mehr Langzeiterkrankungen wegen demografischem Wandel

Den Grund für den vermeintlichen Widerspruch kann der Landesgeschäftsführer der IKK classic aber erklären: „Der Anteil von Langzeiterkrankungen mit einer Dauer von mehr als sechs Wochen hat sich im vergangenen Jahr erneut vergrößert.“ 2019 betrug dieser 55,9 Prozent, 2018 nur 51,8 Prozent. Das führte in der Summe dazu, dass sich die durchschnittliche Falldauer einer Krankschreibung im niedersächsischen Handwerk um über einen Tag verlängerte (2019: 16,6 Tage, 2018: 15,3 Tage) und damit wuchs auch der Krankenstand von 5,8 Prozent (2018) auf 6,0 Prozent (2019).

Der Anstieg von Langzeiterkrankungen zeigt laut IKK classic, dass der demografische Wandel auch im Handwerk angekommen ist. „Bei älteren Menschen dauert der Heilungsprozess länger, zudem können chronische Leiden zu Komplikationen führen“, erklärt Andreas Schönhalz. „Unsere Auswertungen zeigen branchenunabhängig, dass Arbeitsunfähigkeiten wegen Langzeiterkrankungen in der zweiten Lebenshälfte zunehmen.“

Häufiger Rückenleiden, seltener Atemwegserkrankungen

Am häufigsten fielen 2019 laut der IKK classic-Statistik Handwerker in Niedersachsen wegen Krankheiten des Muskel- und Skelettsystems aus, 35,4 Prozent aller Arbeitsunfähigkeiten gingen auf eine entsprechende Diagnose zurück (2018: 34,9 Prozent). Auf Platz zwei folgten Verletzungen und Vergiftungen, die 17,1 Prozent der krankheitsbedingten Fehlzeiten zur Folge hatten (2018: 16,7 Prozent). Ebenso angestiegen sind psychische Erkrankungen (z.B. Depressionen, Angststörungen, Burnout), die mit 13,7 Prozent Platz drei im Ranking belegten (2018: 12,8 Prozent). Deutlich gesunken sind dagegen Arbeitsunfähigkeiten wegen Krankheiten des Atmungssystems: 2018 waren die mit 13,7 Prozent noch die dritthäufigste Ursache, 2019 machten sie nur noch 11,4 Prozent aus. Krankheiten des Kreislaufsystems verursachten im vergangenen Jahr zwischen Harz und Nordsee 8,6 Prozent der Krankschreibungen im Handwerk (2018: 7,3 Prozent) und die des Verdauungssystems 5,6 Prozent (2018: 5,6 Prozent).

Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz

"Schon heute verliert Deutschlands Wirtschaft durch krankheitsbedingte Mitarbeiterausfälle jährlich mehrere Milliarden Euro. Hinzu kommen Arbeitnehmer, die deutlich vor Erreichen des Rentenalters aus gesundheitlichen Gründen aus dem Berufsleben ausscheiden – gerade kleinere Unternehmen verlieren so wichtige Kompetenzträger. Arbeitgeber können aber gezielt vorsorgen, damit ihr Betrieb wettbewerbsfähig bleibt", so die IKK classic. Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz könne dabei viel bewirken. „Die IKK classic bietet praxisnahe Unterstützung und unterstreicht ihr Engagement durch einen Bonus für Betriebe wie für Beschäftigte“, verspricht Schönhalz. „Mit unseren Experten und Angeboten zur betrieblichen Gesundheitsförderung helfen wir, Unternehmen zukunftssicher zu machen.“ Gerade Handwerksbetriebe haben gute Voraussetzungen, Arbeit gesundheitsgerecht zu organisieren: Sie sind flexibel, traditionell familiennah und der persönliche Kontakt mit der Belegschaft gehört zum Alltag.