VERDEN/CELLE. Wechselhaftes Wetter und sinkende Temperaturen: Pünktlich zum Septemberanfang schickt der Herbst derzeit in weiten Teilen Niedersachsens seine feuchten Vorboten aus. Der Witterungswechsel wird von Landwirten, Hobbygärtnern, Förstern und Wasserwirtschaftlern heiß ersehnt. Denn die Böden sind derzeit so trocken wie selten zuvor. Trotz des Wetterumschwungs ist und bleibt Wasser in Bächen und Flüssen deshalb ein kostbares Gut.

Mit dem Übergang zum Herbst übernehmen gegenwärtig vermehrt atlantische Tiefausläufer die Regie. Genau auf diese Änderung der Wetterlage hoffen all diejenigen, die vom Wetter besonders abhängig sind, so Ulrich Neubauer vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) in Verden. „Während bis 25 Zentimeter unter der Erdoberfläche im Boden teilweise noch Feuchtigkeitsreserven durch lokale Niederschlagsereignisse vorhanden sind, herrscht in größeren Tiefen bis 1,80 Meter derzeit extreme Trockenheit vor, sagt der Experte.

Schuld seien die fehlenden Niederschläge und die ausgebliebene Wiederauffüllung der Grundwasserreserven aus 2018: So wies bereits die Bilanz aus dem Vorjahr ein Niederschlagsdefizit von 250 Millimeter auf. Zwischen Januar und Ende August 2019 wurde das Gesamtdefizit dann laut NLWKN noch einmal um rund 100 Millimeter vergrößert. „Bei einer durchschnittlichen jährlichen Regenmenge von rund 730 Millimeter sind das schon erhebliche Fehlmengen, die zusammen fast in Höhe eines halben Jahresniederschlages liegen“, erklärt Ulrich Neubauer. Besonders dann, wenn Regen dringend benötigt wurde, wie im Juli und August 2019, fielen zuletzt nur knapp 50 Prozent der sonst üblichen Mengen.

Rekordniedrigwasserstände an den Gewässern
Die Folgen sind nicht nur in der Vegetation und in der Landwirtschaft deutlich spürbar. Sie führen auch zu einer angespannten Situation in den Fließgewässern und beim Grundwasser. „An den knapp 30 gewässerkundlichen Pegelmessstellen im Gebiet der Betriebsstelle Verden liegen aktuell Wasserstände vor, wie sie teils seit 40 Jahren nicht mehr gemessen wurden“, so der NLWKN-Experte. Neue Niedrigstabflusswerte seit Beginn der Aufzeichnungen in den 1960er-Jahren unterstreichen, dass es sich bei dieser Trockenphase um eine außergewöhnliche Situation handelt.
Entsprechend fallen die aktuellen Pegelstände in der Region aus: Im Vergleich zu 2018 liegen die Wasserstände der großen Gewässer wie Aller und Leine bereits einige Zentimeter unter den letztjährigen Tiefstwerten. Und auch an den größeren Nebengewässern wie Wümme, Böhme, Örtze und Lachte wirkt sich der fehlende Niederschlag nachteilig für die Wasserführung aus. „Seit April befinden sich die Wasserstände insgesamt im permanenten Abwärtstrend“, zieht Neubauer Bilanz.

Die Folge: Kleinere Gewässer und Gräben waren Ende August nur noch Rinnsale oder komplett trockengefallen, da aus dem Grundwasser einfach nicht mehr genügend Nachschub erfolgte. „Dieses wirkt normalerweise wie ein großer Speicher unter der Erde, der die Gewässer auch in Trockenzeiten mit ausreichend Wasser versorgt“, heißt es beim NLWKN. Wird er nicht oder nur noch unzureichend gefüllt, gibt er aufgrund fallender Wasserstände auch weniger ins Gewässer ab. Reißt der Kontakt zum Gewässer ganz ab, kann dieses sogar vollständig trockenfallen.

Verbesserung der Lage kaum in Sicht
Um in den verbleibenden vier Monaten die Jahresbilanz noch auszugleichen und gar über den Jahresschnitt anzuheben, bedarf es in nächster Zeit sehr hoher Niederschlagsmengen. Der Ausblick in die erste Septemberhälfte verheiße aber keine hinreichende Entspannung, erklärt Ulrich Neubauer: „Die Temperaturen pendeln sich zwar auf das jahreszeitlich typische Niveau ein. Auch Hitzeperioden sind nicht mehr zu befürchten. Flächendeckende ergiebige Regenereignisse werden aber bis auf Weiteres nicht erwartet“, so der NLWKN-Experte. Diese würden jedoch dringend gebraucht, um eine nachhaltige Veränderung herbeizuführen und die Gewässer wieder auf „Normalstand“ zu bringen.

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