Rotbrauner Jäger im Rüttelflug: Turmfalken-Nistkasten selber bauen

Umwelt Von Extern | am Di., 05.10.2021 - 16:00

HANNOVER. Gut 35 Zentimeter wird er groß, und wenn er seine Flügel ganz ausbreitet, kommt er auf eine Spannweite von fast 75 Zentimetern: der Turmfalke. Kaum ein Greifvogel ist dem Menschen in unserer verstädterten Landschaft so nah und hat sich uns aufgrund des durch den Städtebau geschaffenen Brutplatzangebots angeschlossen. Aber: „Der Turmfalke, der für seinen charakteristischen Rüttelflug bekannt ist, in dem er wie ein Hubschrauber in der Luft zu stehen scheint, ist in weiten Teilen Europas seit gut 30 Jahren im Sinkflug“, betont Rüdiger Wohlers vom NABU Niedersachsen, der zugleich dazu aufruft, für den Turmfalken aktiv zu werden.

„Turmfalken sind in unseren Städten und Dörfern Nutznießer des Menschen, was seine Brutplätze betrifft: Als Vogel, der ursprünglich in Felsnischen brütete, folgte er den Menschen, die begannen, höhere Gebäude zu errichten. Ihr Name ist sozusagen Programm“ schmunzelt der Naturschützer. „Sie lieben es luftig! Turmfalkenbruten finden sich an Kirchtürmen, auf hohen Masten, an Silos, selbst, wenn diese fast hundert Meter hoch sind, an Brückenpfeilern und vielen anderen Stellen. Dort erblicken die jungen Turmfalken das Licht der Welt und werden von ihren Eltern vor allem mit der Hauptnahrung aufgezogen – Mäusen. Feldmäuse und Wühlmäuse stehen auf dem Speiseplan des Turmfalken, der 2007 ‚Vogel des Jahres‘ war, ganz oben“, berichtet Wohlers. „Wenn es jedoch ein schlechtes Mäusejahr ist, verlagert sich zwangsweise der Appetit in Richtung kleiner Vögel. Auch Insekten, insbesondere größere wie Heuschrecken und Käfer, werden nicht verschmäht; selbst auf Regenwürmer wird ab und an zurückgegriffen.“ Turmfalken sind allerdings nicht nur in den Nischen der Städte, Dörfer und an Agrargebäuden und Hallen zu finden, sondern nutzen auch alte Nester von Elstern und Krähen, insbesondere an Waldrändern. Dort haben sie gute Möglichkeiten, über freien Feldern auf Nahrungs-Rüttelflug zu gehen.

In der Regel bleiben die mitteleuropäischen Turmfalken als sogenannte Standvögel ganzjährig in ihren angestammten Bereichen. Einige ziehen jedoch im Frühherbst nach Süden, mitunter sogar bis nach Nordafrika. In strengen Wintern wiederum fliegen immer wieder nord- und osteuropäische Turmfalken bei uns ein, weil die Wetterverhältnisse und damit das Nahrungsangebot in unseren Breiten dann für sie günstiger sind als in ihren Heimatregionen.

Probleme bereiten dem wendigen Flieger, dessen „kikikikiki“-Rufe wohl jeder bereits gehört hat, viele Faktoren. „Dazu zählt an erster Stelle die Ausräumung der Agrarlandschaft, aber auch veränderte Baumaterialien, die ihn keine Nischen mehr finden lassen. Außerdem macht ihm die gezielte ‚Aussperrung‘ zu schaffen, die sich zum Beispiel durch gespannte Netze in der Regel gegen Tauben richtet, aber auch ihm die ‚Tür zuschlägt‘,“ berichtet Rüdiger Wohlers von den Erfahrungen, die ihm viele NABU-Aktive immer wieder berichten.

„Für den Turmfalken kann man aber auch selbst aktiv werden“, zeigt der Naturschützer auf, was konkret getan werden kann: „Es kann ein spezieller Turmfalkenkasten aus Holz gebaut werden – was angesichts der Konzeption des Kastens recht leicht ist. Aber: Der Kasten ist groß und sperrig, denn Turmfalken brauchen Platz, auch und gerade die Jungfalken, die darin ihre Schwingen vor dem Ausfliegen erproben müssen“, fügt er an. „Turmfalkenkästen können an Kirchtürmen und allen anderen hohen Gebäuden angebracht werden. Am besten ist es jedoch, sich zunächst bei der örtlichen NABU-Gruppe zu erkunden, ob von dort bereits ein Turmfalkenprojekt durchgeführt wird und sich dort einzubringen“, rät Wohlers. „Dort werden stets helfende Hände gebraucht, denn die Kästen müssen überwacht, gereinigt und gegebenenfalls auch mal repariert werden. Aber die Bruterfolge sind grandios. Mit vielen Kirchengemeinden besteht deshalb eine enge Zusammenarbeit – so manche Webcam sendet während der Brutzeit ‚live‘ und hat ihren festen Zuschauerstamm“, sagt der NABU-Mitarbeiter.

Für alle, die sich über den Turmfalken und andere heimische Greifvögel informieren möchten, hält der NABU Niedersachsen ein kleines Info-Paket bereit, das aus der farbigen Broschüre „Greifvögel“ des bayerischen NABU-Partners Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV) und der umfangreichen Bauplansammlung für Nisthilfen aller Art besteht. Es kann angefordert werden gegen Einsendung eines 5-Euro-Scheins beim NABU Niedersachsen, Stichwort Turmfalke, Alleestr. 36, 30167 Hannover.