Typisierungsaktion für Milea: „Hoffen, dass etwas Gutes dabei rauskommt“

Wissenschaft Von Redaktion | am So., 25.08.2019 - 17:46

CELLE. Auf den ersten Blick sieht die Veranstaltung in der Grundschule Bruchhagen nach einem netten, geselligen Beisammensein aus. Vor der Schule stehen Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Westercelle mit einem Getränkestand, daneben gibt es Kuchen. Auf dem Spielplatz ist die fast zweijährige Milea eifrig dabei, ihrem gleichaltrigen Drillingsbruder in der Nestschaukel Anschwung zu geben.
Auch in der Sporthalle herrscht gut gelaunte Geschäftigkeit. An rund einem Dutzend Tischen sitzen Helfer und Helferinnen in weißen T-Shirts, vor sich Berge mit Infomaterial und Formularen, zudem Wattestäbchen und Umschläge, die man für die Aufbewahrung eines Wangenabstrichs braucht. Denn deswegen sind sie alle hier: Weil Milea an Leukämie erkrankt ist, möchte ihre Familie mit Unterstützung des Deutschen Knochenmarkstammzellregisters (DKMS) und zahlreicher ehrenamtlicher Helfer möglichst vielen Menschen die Möglichkeit geben, sich in das Register aufnehmen zu lassen und damit im Falle einer Übereinstimmung der entsprechenden genetischen Merkmale zum Knochenmark- bzw. Stammzellspender zu werden. Bis zum Abend haben sich hier 610 Personen in das Register aufnehmen lassen.

Es sei auch eine Erleichterung gewesen, nach eineinhalb Jahren Ungewissheit und vielen Arzt-besuchen, jetzt eine Diagnose zu haben, sagt Deborah Kreimer, die Mutter von Milea. Derzeit geht es ihrer Tochter gut, sie bekommt alle vier Wochen eine Infusion und wird ab September, zusammen mit ihren Brüdern eine Krippe besuchen. Mit Hilfe ihrer großen Verwandtschaft und Freunden managt die Familie die schwierige Situation scheinbar problemlos. „Man funktioniert einfach“, sagt Deborah Kreimer. Dennoch sind sie und ihr Mann Tim gerührt von der großen Hilfsbereitschaft, die ihnen entgegen gebracht wird. „Wir haben geheult, als wir gesehen haben, mit wievielen Personen allein die Feuerwehr da ist“, erzählt sie.

Als gegen Mittag die Mannschaft des TuS Celle FC in die Turnhalle „einmarschiert“, ist wieder so ein Moment des gerührten Staunens, wieviele Menschen man zu einer „guten Tat“ mobilisieren kann, wenn man einen großen Familien- und Freundeskreis hat, der weitere Kontakte knüpft. Aber nicht alle sind hier, weil sie persönlich eingeladen wurden. „Ich habe eine Gelegenheit gesucht, mich typisieren zu lassen“, berichtet Sabine Müller. Ihr Mann, der sie begleitet, ist selbst an Leukämie erkrankt. Zwar weiß die Cellerin derzeit nicht, ob ihr Mann eines Tages eine Stammzellspende brauchen wird, aber sie weiß: „Wenn alle sich typisieren lassen, steigt die Chance, dass jeder, der einen Stammzellspender braucht, auch einen findet.“ Derzeit findet jeder Zehnte Erkrankte laut DKMS keinen Spender.

Auch Inis Burian, die als Helferin am Ausgang sitzt und die Formalitäten managt, ist in der eigenen Familie schon mit dem Thema Stammzellspende in Berührung gekommen. Ihre Tochter hat im vergangenen Jahr für eine an Leukämie erkrankte junge Frau in Großbritannien Stammzellen gespendet. „Ich möchte Leuten die Angst nehmen“, sagt Inis Burian und zeigt ein Foto ihrer Tochter während der Spende auf ihrem Handy: Einen dreiviertel Tag habe sie in der Charité in Berlin verbracht, wobei ihr Blut aus der einen Armvene entnommen wurde, während es über den anderen Arm wieder zurück in den Körper gepumpt wurde. Auch wenn die Empfängerin trotz der Spende nicht überlebt hat, will Inis Burian sich weiter dafür einsetzen, dass Menschen mit einer Stammzellspende geholfen werden kann. So hat sie auch Plakate und Flyer für die heutige Aktion verteilt. „Nur schade, dass sie von einigen Geschäften nicht aufgehängt wurden“, findet sie.

Jana Weyer ist 21 Jahre alt und hat vor 14 Jahren selbst eine Stammzellspende bekommen. Heute ist sie mit ihrer Mutter hier um Familie Kreimer, zu deren Verwandtschaft sie gehört, zu unterstützen. Im Gegensatz zu ihrer Tochter, erinnert sich Christiane Weyer noch genau daran, wie das war damals: „Anfangs ging‘s ihr sehr schlecht“. Nach zehn Wochen durfte ihrer Tochter das Krankenhaus verlassen. Eingeschult worden sei sie mit Mundschutz und ohne Haare. „Aber irgendwann ging‘s dann aufwärts“. Und auch für den heutigen Tag hoffe sie, „dass etwas Gutes dabei raus kommt.“