HANNOVER. Niedersachsen stärkt seinen Ruf als Bienenland: Die Förderung für die Imkerei ist 2016 im Vergleich zum Vorjahr noch einmal erhöht worden. Und es blüht dank der Landwirte eine Rekordfläche von Blühstreifen im ganzen Land. „Wir brauchen mehr solcher bienenfreundlichen Lebensräume“, sagte heute Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) während einer Pressekonferenz im Ministeriumsgarten. Zudem müssten sich Bienengifte wie die Stoffgruppe der Neonikotionoide „vom Acker machen“. Zugleich präsentierte der Minister auch den neuen Honig der drei Bienenvölker des Ministeriums.

Er sei „hocherfreut“, dass 2016 die über Agrarumweltmaßnahmen geförderte Blühstreifenfläche von Landwirten in Niedersachsen erneut gewachsen sei – auf jetzt rund 15.000 Hektar. Das Land förderte die ein- oder mehrjährigen Blühstreifen im vergangenen Jahr mit insgesamt 10,4 Millionen Euro. Minister Meyer: „Für 2017 haben wir sogar Anträge im Umfang von fast 16.000 Hektar. Im Vergleich zu 2011 hat sich die Zahl der Betriebe mit Blühstreifen sogar verdoppelt. Das ist ein Riesenerfolg. Zwei Drittel der Landwirte mit geförderten Blühstreifen bekommen dabei den Imkerbonus, den gibt es nur in Niedersachsen.“ Mit dem Imkerbonus von 100 Euro pro Hektar wird die Kooperation von Landwirten bei der Anlage von Blühstreifen mit örtlichen Imkern honoriert. „Unsere Imkerinnen und Imker wissen am besten wie wir wichtige Lebensräume für Bienen, Hummeln und andere Bestäuber schaffen“, so Meyer. Für die unterschiedlichen Blühstreifen können inklusive der Zuschläge bis zu 975 Euro pro Hektar gezahlt werden.

„Sehr erfreulich ist auch der anhaltende Mitgliederboom bei den Imkerinnen und Imkern in Niedersachsen“, so Meyer. Mittlerweile gibt es seit 2011 rund 2.750 Neu-Imker, die Fördermittel des Landes erhalten haben. Laut aktuell vorliegenden Zahlen ist die Zahl der Imkerinnen und Imker auf etwa 11.100 im Jahr 2016 gestiegen. „Dieses Geld ist zugleich Anerkennung für das tolle Engagement der Neuimker. Ihr Einsatz trägt zur Pflanzenvielfalt und zum Bienenschutz bei“, sagte Meyer. Hinzu kommt: Während 2015 in Niedersachsen noch etwa 73.000 Bienenvölker gezählt wurden, waren es im vergangenen Jahr schon rund 80.500 Völker. Insgesamt hat sich die Förderung der Imkerei in 2016 nochmals auf jetzt etwa 390.000 Euro erhöht. Dazu gehören Imkerschulungen und die Unterstützung der Neu-Imker ebenso wie etwa Krankheitsbekämpfung und Züchtungsmaßnahmen.

„Das alles ist kein Selbstzweck“, betonte Meyer. „Die Biene ist eines der wichtigsten Nutztiere des Menschen. Ohne Bienen keine Bestäubung, ohne Bestäubung kaum Nutz- und Wildpflanzen. Vier Fünftel der Kulturpflanzen brauchen eine Bestäubung durch Insekten.“ Der Rückgang von Insekten in der Agrarlandschaft mache ihm große Sorgen. Es seien gravierende Einbußen für die Landwirtschaft zu befürchten, „wenn eines Tages Honig- und Wildbienen fehlen“, sagte der Minister. Sein Appell: „Wir müssen alles dafür tun, um Blütenvielfalt zu erhalten.“ Dazu gehöre auch, Umwelt- und Pflanzengifte erheblich zu reduzieren und eine Agrarlandschaft zu schaffen, „die nicht von blütenarmen Monokulturen geprägt ist“. In diesem Zusammenhang kritisierte Meyer das Festhalten von Bundesagrarminister Schmidt an der von der EU als bienengefährdend eingeschätzten Stoffgruppe der Neonikotinoide. „Diese Bienengifte haben auf unserem Acker nichts verloren und müssen vom Markt genommen werden“, sagte Meyer.

Das Agrarministerium in Hannover geht mit gutem Beispiel voran: Drei Bienenvölker mit insgesamt rund 150.000 Bienen tummeln sich jetzt im Ministeriumsgarten. Betreut werden sie von Imkerin Tina Heinz vom Verein „Hannover summt!“, die dort dieses Jahr bereits 60 Kilogramm Frühjahrshonig geerntet hat. „Fruchtig, blumig“, sei der Geschmack, so Imkerin Heinz, „mit einem Hauch von Linde.“ Das Futterangebot für die Bienen sei in den Städten mittlerweile deutlich größer als in den Agrarlandschaften. Jeder einzelne könne einen Beitrag leisten, auch auf dem heimischen Balkon. Beliebt bei den Bienen: Küchenkräuter wie Salbei, Lavendel und Majoran oder Thymian und Zitronenmelisse. Und im Garten werden Pflanzen wie Sonnenblumen, Herbstastern und Phacelia besonders gerne von den kleinen Bestäubern angeflogen.

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