CELLE. „Wir waren eine harmonische Familie bis 1933“, spricht eine Stimme aus dem Hintergrund. Auf der Kinoleinwand sind aktuelle Bilder Breslaus zu erkennen, darunter auch eine Gruppe Jugendlicher, die die Stadt erkundet. Was im ersten Moment Verwirrung stiftet, ergänzt sich im nächsten zu der Erkenntnis – es handelt sich um die historischen Überreste des Dritten Reichs, darunter liegen die Spuren der zahlreich vertriebenen Juden. Gestern Abend fand die Premiere des Dokumentarfilms in den Celler Kammer Lichtspielen statt, welche in Kooperation mit der Gedenkstätte Bergen-Belsen und der Stiftung niedersächsischer Gedenkstätten präsentiert wurde.

Etwas, was objektiv wohl kaum erzählt werden könnte, übernehmen die überlebenden Zeitzeugen selbst. Durch die bewegenden Biografien der Protagonisten brannte sich der Film „Wir sind Juden aus Breslau – Überlebende Jugendliche und ihre Schicksale nach 1933“ in das Gedächtnis der Zuschauer.

Die Dokumentation ist eine mögliche Antwort auf das Rätsel – wie stellt man etwas dar, was heute nicht mehr sichtbar ist? Darin riskieren die Regisseure Karin Kaper und Dirk Szuszies, das Unvorstellbare zu vergegenwärtigen und das Undarstellbare letztlich doch darzustellen.

Insgesamt offenbaren 14 Zeitzeugen ihre ganz persönlichen Geschichten, die geprägt sind von Verfolgung, Flucht und dem Kampf ums nackte Überleben. Was alle vereint, ist die gemeinsame Erinnerung an den Holocaust, der ganze Familien ihrer Heimat und ihrer Leben beraubte. Die Zeugenaussagen der Opfer wurden ohne jegliche Ausschmückung in Szene gesetzt. „Wir waren Objekte der Zerstörung und Demütigung jeder Art“, fasst eine der Protagonisten zusammen.

Mit Bildern aus dem damaligen und heutigen Deutschland sowie von Polen, Isreal oder den USA, werden die Stationen der Überlebenden rekonstruiert. Nur durch Glück und Zufall gelang es diesen Menschen, sich allen Umständen zum Trotz eine gesicherte Existenz aufzubauen. Dennoch sind sie sich in einem Punkt einig -„Es gibt keine ‚Wiedergutmachung‘“, wie es eine Zeitzeugin formuliert. Umso dringlicher entstand daher das Bedürfnis, das Erlebte an die heutige Generation weiterzutragen.

Der Dokumentarfilm soll laut Kaper auch als Warnung vor wieder wach werdenden nationalistischen Bewegungen dienen. Der Film skizziert die dramatischen Folgen einer katastrophalen Abschottungspolitik gegenüber Flüchtlingen und setzt somit auch ein Zeichen gegen aktuelle Fremdenfeindlichkeit.

Der Film hat besonders eines ins Bewusstsein der Zuschauer gerufen -nämlich, dass Menschen unter gewissen Umständen zu den grausamsten Verbrechen fähig sind und es gilt, diese Umstände rechtzeitig zu erkennen und zu verhindern.

Text: Elena Janke

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