BERGEN. Besorgt haben sich gestern Tagesmütter in der Sitzung des Ausschusses für städtische Kitas über ihre berufliche Zukunft geäußert. Sie sehen ihre Tätigkeit in Gefahr, wenn in Bergen eine weitere Kindertagesstätte mit Krippe gebaut wird. Sowohl Politik als auch Verwaltung zeigten sich überrascht: Dass fast zwei Dutzend Plätze im Betreuungsbereich der Tagesmütter frei sind, scheint offenbar niemand gewusst zu haben.

„Neubau einer Kindertagesstätte in der Stadt Bergen – Beschluss über Ausprägung und Standort des Gebäudes“ lautete der zentrale Tagesordnungspunkt der Sitzung, zu der etliche Zuhörer, vorwiegend aus dem Bereich der Kinderbetreuung, den Weg ins „Standesamt“ gefunden hatten. Karen Schledermann, Leiterin des Hauptamtes der Stadt Bergen, skizzierte den Bedarf. Nach den vom Landkreis im Rahmen der Kita-Bedarfsplanung erhobenen Zahlen, gibt es in Bergen derzeit ein Angebot, das 34,9 Prozent der Berechtigten einen Betreuungsplatz bietet. Mit erfasst sind hier auch die Angebote der Tagesmütter. Da man auch bei der Stadt Bergen mit steigender Nachfrage rechnet – derzeit wird davon ausgegangen, dass ca. 43 Prozent der Eltern mit Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz, diesen in Anspruch nehmen wollen, stünde der Bau einer neuen Kita an.
Erste Entwürfe gibt es bereits. Ein Bau für zwei Kindergarten- (je 25 Kinder) und zwei Krippengruppen (je 15 Kinder) sowie Bewegungsraum würde nach ersten Schätzungen ca. 2,15 Millionen Euro kosten.

Die Vertreter aller Fraktionen zeigten sich einig darüber, dass in dieser Größe gebaut werden solle und auch über den Standort erster Wahl herrschte Einigkeit: Das Grundstück Mozartstraße 29 bis 34 – derzeit im Besitz der SEB (Stadtentwicklung Bergen GmbH) – läge im Sanierungsgebiet und ein Bau könnte hier mit bis zu 90 Prozent bezuschusst werden. Alle alternativen Vorschläge (darunter das Gelände des Sportparks, Danziger Straße oder Berliner Straße) sollen erst dann näher geprüft werden, wenn in der Mozartstraße wider Erwarten doch weniger Zuschüsse fließen sollten.

Der Überraschungsmoment kam dann mit der Zuhörerfragestunde. Tagesmutter Nicole Eggers meldete sich und brachte ihre Sorge darüber zum Ausdruck, dass „Kitas und Krippen voll gemacht werden und wir unsere Sozialabgaben nicht bezahlen können“. Sie befürchtet, dass Eltern gezielt Krippen und Kitas empfohlen würden, Tagespflege hingegen nicht. Auch dass angesichts 22 überschüssiger Plätze ab Oktober in der Tagespflege noch für die Ausbildung geworben werde, könne sie nicht verstehen, so Eggers. Ähnlich äußerten sich zwei ihrer Kolleginnen.

Edith Kappelmann, Leiterin der städtischen Kita Neuer Weg, bestätigte, dass viele Eltern sich „bewusst für die Kita“ entschieden. Dass Müttern und Vätern aber von einer Betreuung bei Tagesmüttern abgeraten werde, wiesen sowohl sie als auch Karen Schledermann als Vertreterin der Stadt zurück. Nun wollen sich Politik und Verwaltung nochmal kundig machen, wie die Bedarfsrechnung zustande gekommen ist und welche Zahlen ihr zugrunde liegen. Eine Vermutung auf den ersten Blick ergab gestern Abend: Eingerechnet in die Bedarfsplanung wurden möglicherweise nur die belegten Plätze bei den Tagesmüttern, nicht aber die freien.

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