Entrée zur Altstadt in neuem Glanz – Arno-Schmidt-Platz offiziell eingeweiht

Gesellschaft Von Anke Schlicht | am Di., 09.06.2020 - 15:44

ALTSTADT. „Die meisten Menschen wissen gar nicht mehr, was hier einmal war“, sagt Harald Jahnke. Er ist zur offiziellen Übergabe des Arno-Schmidt-Platzes an die Öffentlichkeit durch den Oberbürgermeister, Dr. Jörg Nigge, und den Stadtbaurat, Ulrich Kinder, am Dienstagmittag gekommen. Jahnke erinnert sich an die Gebäude, die früher an dem Ort standen, den Kinder als einen der historischen Altstadteingänge bezeichnet. Es waren wertvolle Häuser, denn sie stammten vom Architekten Otto Haesler. Vor Jahrzehnten riss man sie ab. Wer sich informieren und die Wissenslücke, die Harald Jahnke beklagt, schließen möchte, erhält Gelegenheit dazu. Die Enthüllung von vier harmonisch eingebetteten Informationsstelen bildet den Höhepunkt der Einweihung. Vor einem Jahr hat die Neugestaltung begonnen, während der Bauarbeiten deuteten sich Konturen an. Und doch war die Eröffnung eine Überraschung. „So viel wurde gar nicht verändert“, sagt Gudrun Jahnke, aber dennoch präsentiert sich der Platz mit neuem Antlitz. Sie verwendet in ihrem Lob über die Neugestaltung den Ausdruck „zeitgemäß“ und erinnert daran, dass das Projekt auf einen Antrag der SPD aus dem Jahr 2015 zurückgeht. Der Oberbürgermeister greift den Hinweis unmittelbar auf für seine kurze Ansprache und sagt: „Wir müssen überparteilich arbeiten“ und fügt hinzu: „Wir wollen die Stadt schöner machen“, auch der Brandplatz sei in Planung.

Einen Schritt ist die Verwaltung diesem Ziel näher gekommen, indem sie den Arealen vor der Stadtbibliothek und dem Französischen Garten ein neues Design gegeben hat: Verschiedene Ebenen verleihen einen besonderen Charakter, die Sitzblöcke, die die große Platane umrahmen, laden zum Verweilen ein, praktisch sind die neuen Fahrradständer direkt vor der Bibliothek, eine Akkustation steht einige Meter weiter. Wer sich dorthin begibt, die wenigen Schritte geht in Richtung Parkhaus und Café Müller, sollte nicht zu schnell sein, denn einen besonders schönen Blick gilt es, hier einzufangen. Sattes Grün bildet den Hintergrund für ein Highlight in spektakulärem Rot: „Das ist ein Original von Otto Haesler“, erläutert Stadtbaurat Kinder das den Stadtgraben sichernde Geländer. Es wurde originalgetreu saniert und erweitert. Eine weitere Farbe wird ins Spiel kommen, denn zu hundert Prozent sind die Arbeiten doch noch nicht abgeschlossen: Der Stadtgraben, der unter dem Tor zur City hindurchfließt, wird in Form von blauer Pflasterung optisch auf die steinerne Ebene ausstrahlen.

„Bewegung und Aufenthalt – beides zeichnet diesen Platz gleichermaßen aus“, merkt der Stadtbaurat in seiner Eröffnungsrede an vor dem Hintergrund des verkehrsreichen Kurvenbereichs Südwall sowie die Zuwegung zum Französischen Garten. „Zebrastreifen im Kurvenbereich sind immer schwierig“, sagt er, zeitgemäßer sei es, eine verkehrsberuhigte Zone einzurichten. Fußgänger dürfen die Straße in ganzer Breite nutzen, die Fahrzeuge müssen die Schrittgeschwindigkeit einhalten. Selten lässt sich etwas Gesagtes unmittelbar demonstrieren, bei dieser Eröffnung ist es so: „Hier sehen wir, wie Fußgänger und Autofahrer sich einigen“, sagt Kinder und zeigt auf den von Menschen, Fahrradfahrern und Autos belebten Bereich zwischen Café Müller und Parkhaus. An dieser Ecke der Celler Altstadt ist immer etwas los. Auch aus diesem Grund, aber in erster Linie, weil der Arno-Schmidt-Platz zum Verweilen einlädt, dauert es eine Weile, bis die kleine Gruppe von Einweihungs-Gästen und Zuschauern sich auflöst. Harald Jahnke sagt beim Verlassen des Platzes, den er seit Jahrzehnten kennt und der nun ein neues Gesicht bekommen hat: „Ich finde es sehr schön!“