CELLE. „Die neusten Vorwürfe gegen die deutsche Automobilindustrie zeigen, dass der Dieselabgasskandal eine weitaus größere Dimension angenommen haben könnte, als bisher vermutet wurde. Es geht jetzt nicht mehr nur darum, dass die Hersteller die gesetzlichen Richtlinien zu den Schadstoffgrenzwerten gedehnt haben – es geht um gezielte Absprachen, eine optimale Abgasreinigung zu umgehen“, so die SPD-Bundestagsabgeordnete Kirsten Lühmann.

Da größere Tanks für das Gemisch AdBlue, das umweltschädliche Stickoxide in Wasser und Stickstoff aufspaltet, teurer sind, sollen sich die Unternehmen Volkswagen, Audi, Porsche, Daimler und BMW gemeinsam auf den Einbau von kleineren Tanks geeinigt haben. Und damit der Kundschaft das häufige und komplizierte nachfüllen erspart bleibt, wurde die Abgasreinigung oft so reduziert, dass eine AdBlue Füllung bis zur nächsten Inspektion reicht. Das wirft nun die Frage auf, ob die Unternehmen gegen das Kartellverbot verstoßen haben.

Nach Lühmanns Meinung ist es jetzt besonders wichtig zu klären, wie eine Umrüstung von Dieselfahrzeugen hin zu einer optimalen Abgasreinigung und die entsprechende Finanzierung aussehen werden. „Wer bezahlt für die Umrüstung betroffener Pkws? Wo ist der Platz für größere Tanks oder müssen nur die Intervalle für das Nachfüllen des Gemischs verkürzt werden? Bleibt es bei der umständlichen Nachfüllkanisterlösung oder gibt es – wie bei den LKW – spezielle Zapfsäulen an den Tankstellen?“ fragt Lühmann und stellt fest: „Nachdem die Absprache unter den Herstellern der deutschen Automobilindustrie bekannt geworden ist, muss klar sein, dass diese auch bei der Finanzierung der Umstellung beteiligt werden. Es darf nicht sein, dass die Kosten allein den PKW-Haltenden aufgebürdet werden.“

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