HANNOVER. Mit Unverständnis und Empörung hat der Philologenverband Niedersachsen auf Presseberichte und ihm zugegangene Informationen reagiert, dass an Grundschulen vielfach die von den Gymnasien abgeordneten Gymnasiallehrkräfte unterrichtlich gar nicht eingesetzt würden, um, wie behauptet, akute Mängel der Unterrichtsversorgung zu beheben und den Unterricht zu erteilen, wie er nach rechtlichen Vorgaben erteilt werden müsse. Vielmehr müssten abgeordnete Lehrkräfte nicht selten nachrangige Aufgaben des sog. „Zusatzbedarfs“ erfüllen, die nicht zwingend erforderlich seien. So habe z. B. ein Gymnasium an eine Grundschule vier Lehrkräfte abordnen müssen, die dort gar nicht benötigt würden und die jetzt insgesamt als Zweitlehrkraft oder fachfremd „beschäftigt“ würden; an anderen Grundschulen würden Gymnasiallehrer statt im Unterricht für Aufsichten eingesetzt.

Das sei, so der Vorsitzende des Philologenverbandes, Horst Audritz, eine unerträgliche Verschwendung von wertvollen Unterrichtsstunden, die den Gymnasien fehlten: „Während an den Gymnasien der Fachunterricht in oft nicht unbeträchtlichem Umfang ausfallen muss bzw. Unterrichtskürzungen vorgenommen werden müssen, werden an den Grundschulen in der Realität nicht vorhandene Lücken gefüllt und „Orchideenveranstaltungen“ auf Kosten der Schülerinnen und Schüler der Gymnasien angeboten. Das ist schlicht unerträglich und absurd“.

Unerträglich sei auch, dass den Schulen auf Weisung des Kultusministeriums offensichtlich untersagt worden sei, sich zu den zu Recht umstrittenen Abordnungen öffentlich zu äußern. Umso mehr müsse man Respekt vor den Schulleitungen und Lehrern haben, die sich keinen „Maulkorb“ umhängen ließen, sondern sich kritisch zu dem „ministeriellen Unsinn“ zu Wort meldeten.

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