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Wirtschaft

Ungeahnte Talente zum Vorschein gebracht: Jobcenter bot Flüchtlingen Einblick in Gastronomie

14.12.2018 - 12:30 Uhr     Externer Autor    0
Fotos: Inga Haarstrick

CELLE. Auf eigenen Beinen stehen und eine Perspektive haben – das ist der Traum vieler geflüchteter Menschen in Deutschland. „Trotz abgeschlossener Ausbildung im Herkunftsland oder guter Deutschkenntnisse ist der Weg in den Job nicht einfach. Der Grund: Oft scheitert es an kulturellen Unterschieden, besonders gilt das für die Gastronomie“, weiß Sylke Schwanhold, Geschäftsführerin des Jobcenters im Landkreis Celle.

Diese Erfahrung hat auch Aroud Amjad gemacht. Der 31-Jährige ist gelernter Koch und hat in Syrien bereits in diversen Hotels gearbeitet. Doch das hilft ihm kaum, denn in Deutschland läuft in der Küche vieles anders. Um Menschen wie Amjad einen Einblick in die deutsche „Gastro-Kultur“ zu zeigen, hat sich das Jobcenter etwas Besonderes überlegt: ein Schnupperkurs zum Mitmachen. In den Räumlichkeiten von Harald Hasse, Geschäftsführer des Hotel- und Restaurantbetriebes Wildland, sollten sie einen Einblick bekommen, wie es geht: vom Herrichten eines Hotelzimmers, über das Eindecken eines Tisches, der Terminierung an der Hotelrezeption bis hin zum Kochen unter strengen Hygienevorschriften. Hier können sich die Flüchtlinge unter professioneller Anleitung in verschiedenen Bereichen ausprobieren. Auch Arbeitgeber aus der Region waren eingeladen, gemeinsam mit den Flüchtlingen dann auch die zubereiteten Speisen zu kosten und sich kennenzulernen.

„Das ist eine große Chance für die Kundinnen und Kunden des Jobcenters. Sie können sich bei der Arbeit ausprobieren und gleichzeitig in lockerer Atmosphäre Kontakte zu potenziellen Arbeitgebern knüpfen“, erklärt Sylke Schwanhold. Das Konzept sei einmalig – üblicherweise fänden Infoveranstaltungen dieser Art in Tagungsräumen statt.

„Nicht reden, sondern was tun“, ist das Motto von Gastronom Harald Hasse. Und er macht es vor: Seit zwei Jahren bildet er Kaosar Hassain aus Bangladesch aus. Dabei ist die Verständigung das kleinste Problem: „Pünktlichkeit und Ordnung hat Kaosar nie gelernt. Bisher hatte er aber auch mit anderen Problemen zu kämpfen – zum Beispiel überleben“, sagt Hasse. Der Hotelier geht mit gutem Beispiel voran und hatte für diesen Tag ein Ziel: Er möchte beiden Seiten Mut machen – den Arbeitgebern und auch den geflüchteten Menschen. Für Hasse ist jetzt schon klar: Mindestens zwei der Teilnehmer möchte er kennenlernen. Auch sie bekommen die Chance auf eine Ausbildung in seinem Betrieb.

Sylke Schwanhold, Geschäftsführerin des Jobcenters im Landkreis Celle, zieht eine positive Bilanz: „Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren alle sehr offen und voller Tatendrang. Diese Veranstaltung brachte sowohl in der Küche als auch im Service ungeahnte Talente zum Vorschein. Das beeindruckte sicher auch den einen oder anderen Arbeitgeber.“



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