„Unser Bergen e.V." präsentiert Ausstellung mit Lebensbildern

Gesellschaft Von Redaktion | am Do., 01.03.2018 - 12:30

BERGEN. Menschen aus über 50 verschiedenen Nationen leben in Bergen zusammen. Einen kleinen Einblick in deren Herkunft, die Erinnerungen und das Ankommen in Bergen und wie es ist,
in der kleinen Stadt im Nordkreis als „Zugewanderter“ zu leben, gibt die Ausstellung „Bergener und ihre Wurzeln“, die gestern im ev. Gemeindehaus eröffnet wurde.

Neun Lebensbilder von Bergenern, die aus Griechenland, Großbritannien, Frankreich, Syrien, Ghana, den Niederlanden, Indien, der ehemaligen DDR und nicht zuletzt den ehemals deutschen Gebieten im heutigen Polen stammen, werden dort auf „Roll Ups“ präsentiert. Bürgermeister Rainer Prokop dankte in seinem Grußwort vor allem den Portraitierten, die den Mut aufgebracht haben, sich interviewen zu lassen und ihre persönlichen Geschichten und Gedanken preiszugeben. „So könnten auch andere, neu Zugezogene sehen: Ich bin nicht allein. Es gibt viele, die auch mal neu waren in Bergen“, sagte Prokop, der in diesem Zusammenhang auch das Stadtleitbild ins Gespräch brachte. „Es gilt, aufzuzeigen, wo wir herkommen und wo wir hinwollen.“

Wolfgang Hertwig, erster Vorsitzender des Vereins „Unser Bergen“, der die Ausstellung realisiert hat, skizzierte die Zuwanderung nach Bergen, von den 30iger Jahren des 20. Jahrhunderts bis heute: „Mit dem Beginn des Truppenübungsplatzbaues begann eine Zuwanderung, die für ein ländliches und doch eher kleines Gebilde wie Bergen und die darum liegenden Dörfer eine echte Herausforderung war. Die alt eingesessenen „Berger“ erwarteten, dass die Neuen sich anpassen, aber so einfach war und ist das nicht.“ Unterschiedliche Kulturen, Religionen, Lebensgewohnheiten und Sprachen prallten aufeinander und tun es bis heute. Lange habe es gedauert, bis die Bergener verstanden hätten, dass viele der „Türken“, die in die Stadt gekommen waren, ezidische Kurden waren und sind, die in ihrer Heimat unterdrückt wurden und werden.“Es gab also viel zu lernen und zwar nicht nur durch die Zuwanderer von den Bergenern sondern auch durch die Bergener von den Zuwanderern“, so Wolfgang Hertwig.

Diesen Lernprozess haben Wolfgang Hertwig und Marlene Habermann vom Verein „Unser Bergen“ zunächst mit dem „Runden Tisch Bergen 2000“, an dem Vertretern verschiedener Nationalitäten, Kirchen, Polizei und anderer Institutionen zu regelmäßigen Treffen zusammenkamen, begleitet. Aus dem „Runden Tisch“ heraus wurde der Verein „Unser Bergen“ gegründet, der seine Aufgabe darin sieht, die Bildungsarbeit und Kommunikation zwischen den Kulturen fortzusetzen. „Mit dem Projekt 'Bergener und ihre Wurzeln' haben wir als Verein Unser Bergen e.V. das Ziel, die Lebensgeschichten und die familiären, kulturellen, politischen und religiösen Hintergründe zugewanderter Menschen hier in Bergen einerseits zu bewahren, aber auch zugänglich zu machen. Zugewanderte Menschen tragen Erinnerungen und Überlieferungen mit sich, die unsere Stadt und ihre Bevölkerung bereichern – wenn sie denn lebendig bleiben“, heißt es im Erläuterungstext zur Ausstellung.

2015 entstand in Zusammenarbeit mit dem Bergener Stadt- und Örtze Anzeiger eine Serie von Portraits, die die Grundlage bildeten für die jetzt mit Geldern aus dem Bundesprogramm „Demokratie leben“ entstandenen Roll Ups. Die Journalistin Susanne Zaulick hatte damals die Geschichten der zugewanderten Bergener aufgeschrieben, die Interviews hat sie gemeinsam mit dem Studienrat und Archivar Andreas Weber geführt. Geplant ist, das Projekt „Bergener und ihre Wurzeln“ fortzusetzen, auch in Kooperation mit Schulen.

Die Lebensbilder sind bis zum 29. März im ev. Gemeindehaus, Am Friedensplatz 1, dienstags, donnerstags und freitags von 9 bis 12 Uhr, sowie donnerstags von 14 bis 17 Uhr zu lesen und zu betrachten, danach sollen sie auf „Wanderschaft“ gehen in die Geschäfte der Stadt. Gastgeber Axel Stahlmann, Pastor der St. Lamberti-Gemeinde, hatte zu Beginn die Besucher begrüßt und daran erinnert, dass manchmal schon ein „kleiner Migrationshintergrund“, ausreiche, um sich fremd zu fühlen. Als seine Familie 1988 von Winsen nach Bleckmar gezogen sei, habe es fünf Jahre gedauert, bis sie das erste Mal zu einem Geburtstag eingeladen worden seien. Doch mittlerweile fühle er sich als Berger. „Und ich weiß, dass man sich immer wieder neu verwurzeln kann“, so Stahlmann.

Rede von Wolfgang Hertwig zur Ausstellungseröffnung Bergener und ihre Wurzeln