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Friedenspolitische Initiativen demonstrieren vor Rheinmetall-Haupttor

Unterlüß im Zeichen der „Entrüstung“

14.05.2017 - 17:15 Uhr     zaulick    1

UNTERLÜSS. Im Zeichen von „Entrüstung“ standen heute eine Kundgebung und ein Gottesdienst in Unterlüß. Das Hamburger Bündnis gegen Rüstungsexporte hatte zu einem „Spaziergang“ zum Rheinmetall-Gelände eingeladen, um dort gegen Rüstungsexporte zu demonstrieren. Daran beteiligten sich auch Vertreter der Jugendorganisation Junepa (Jugennetzwerk für politische Aktionen), die derzeit auf dem Dorfplatz campieren sowie DIE LINKE aus dem Landkreis Celle.

Vor dem Hintergrund der kürzlich bekannt gewordenen Pläne von Rheinmetall, im Rahmen eines Joint Ventures mit einem Unternehmen in der Türkei zu kooperieren, war das Medieninteresse verhältnismäßig groß. Ein ARD-Team begleitete den Gottesdienst mit Pastor Lutz Krügener, Friedensbeauftragter der ev. Landeskirche Hannover, in der ev. luth. Friedenskirche am Vormittag; zudem war ein Team des Bayerischen Rundfunks vor Ort und befragte im Zuge der Recherchen für eine Dokumentation über Rüstungsexporte Demonstranten und Einheimische, die den Demonstrationszug beobachteten.

Rund 70 Teilnehmer wanderten, ausgerüstet mit Transparenten vom Camp in Richtung Rheinmetall-Werk. „Ich mache mir Sorgen, wenn hier Waffen hergestellt werden und bin der Meinung, ein reiches Land wie Deutschland sollte zeigen, dass Konflikte ohne Waffen ausgetragen werden können“, erklärte Antje Gatzke, warum sie aus Schleswig-Holstein zu der Kundgebung angereist ist.

Anita Vervuert vom Hamburger Bündnis gegen Rüstungsexporte ist ebenfalls überzeugt, dass Rüstung generell nicht damit begründet werden sollte, Arbeitsplätze zu schaffen. „Menschen, die so was entwickeln, können auch zivile Produkte herstellen“, meint die Hamburgerin. Geradezu als zynisch empfinde sie es, auf der Homepage von Rheinmetall über die Artenvielfalt und Naturschönheiten des Schießplatzes informiert zu werden.

Carsten Rusitschka von „Die Linke“ nannte während des „Spaziergangs“ einige Zahlen, die Rheinmetall mit Unterlüß verbinden: Rund 400 Unterlüßer seien in dem Unternehmen beschäftigt, bei insgesamt über 1600 Mitarbeitern am Standort.

Arvid Jasper von Junepa kritisierte die „enge Verbandelung“ von Rheinmetall mit der Politik. Aktuellstes Beispiel sei der Posten des ehemaligen Verteidigungsministers Franz-Josef Jung im Aufsichtsrat des Konzerns. „Wir wollen den Profitinteressen der Rüstungslobby eine friedenspolitische Lobby entgegen setzen“, so Jasper. Dazu gehe man noch einen Schritt weiter. Morgen will Junepa die Zufahrt zum Haupteingang des Rheinmetall-Werk blockieren. Diese Ankündigung stieß bei den Demonstrierenden auf hörbare Zustimmung.

Laut einer Anwohnerin haben sich etliche „Rheinmetaller“ für den morgigen Tag frei genommen, weil eine Ankündigung der Blockade bereits in der Presse und im Netz veröffentlicht worden war. Sie sei froh, dass friedlich demonstriert werde und habe mit deutlich mehr Teilnehmern gerechnet, so die Unterlüßerin.

Vor dem Haupteingang von Rheinmetall griff auch die Celler Stadtrats- und Kreistagsabgeordnete von „Die Linke“, Behiye Uca, zum Megaphon. Sie gab in eigenen Worten wieder, was der Rheinmetall-Vorstandsvorsitzende Armin Papperger kürzlich öffentlich erläutert habe: Wenn Rheinmetall Produkte oder Technologie exportiere, müsse der deutsche Staat zustimmen. Wenn das Unternehmen mit Partnern – laut Uca ein malaysisches und ein türkisches Unternehmen. – zusammenarbeite, nicht. „Dieser Strategie müssen wir einen Strich durch die Rechnung machen“, forderte Uca.

Am Vormittag hatte Lutz Krügener, Friedensbeauftragter der ev. Landeskirche Hannover, in seiner Predigt (Predigt – Unterlüß – Entrüstet euch 14.5. 2017l) unter anderem einen Blick auf den Stellenwert von Rüstung im Vergleich zu anderen Ausgaben geworfen: „Die Militärausgaben betragen weltweit 1,6 Billionen Dollar. Auf dieser Welt leben immer noch ca.800 Millionen Hungernde. Jeder könnte 2000 Dollar pro Jahr bekommen wenn die Prioritäten anders gesetzt würden“, so Krügener.

Eine Antwort zu “Unterlüß im Zeichen der „Entrüstung“”

  1. Günther Krach sagt:

    Was kam zuerst das Huhn oder das Ei? Bzw was kam zuerst, das Rüstungsunternehmen oder der Krieg?
    Mord und Totschlag begleiten den Menschen schon durch alle seine Entwicklungsstadien. Zuletzt mit Drohnen und Lasern, davor mit Panzern und Raketen, davor mit Maschinengewehren und Gas, davor mit Musketen und Kanonen, davor mit Lanzen und Säbeln […] davor mit Stöckern und Steinen und wohl zuerst mit den bloßen Händen. Doch Krieg ist vermutlich noch Millionen von Jahren älter. Es ist faszinierend, dass der Mensch große Ähnlichkeit mit Ameisen in diesen Belangen aufzeigt.

    Aber hat sich der Mensch nicht weiterentwickelt?
    Sollte er nicht in der Lage sein friedlich im Einklang miteinander zu leben? Möglich ja, doch sehr unwarscheinlich. Wer ein Geschichtsbuch aufschlägt, sollte schnell herausfinden können, dass nach dem Krieg = vor dem Krieg.

    Wobei nicht gesagt sein soll, dass ein Einsatz für den Frieden Zeitverschwendung sein muss, doch sollte er gezielt dort stattfinden, wo Kriege ausgelöst werden. Und auch wenn das von vielen Verschwörungstheoretikern anders dargestellt wird, so ist doch der Einfluss der Rüstungsindustrie auf die Entscheidung einen Krieg vom Zaun zu brechen doch eher gering.
    Es braucht selbst heutzutage noch keine Waffen für Krieg. Ruanda 94 wurde größtenteils mit Werkzeugen geführt und bei bis zu 1 Millionen Toten in nur knapp 100 Tagen möchte wohl niemand behaupten, dass es an Effizienz gemangelt hat.

    Ist der Amerikaner im Irak, Afghanistan, Vietnam, Korea einmaschiert weil die Waffendepots überquollen?
    Ist der Russe in der Ukraine, Georgien, Tschetschenien, Afghanistan einmaschiert weil er zu viele Waffen hatte?
    Zündet der Deutsche regelmäßig Europa an weil das MHD seiner Granaten abläuft?

    Nicht? Warum muss man dann seine zweitklassige Demo in Unterlüß abhalten und nicht in Berlin, Washington und Moskau usw?

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