CELLE: „Wir hatten Hoffnung auf eine Einigung. Leider mussten wir heute erkennen, dass man uns nur hingehalten hat.“ Rüdiger Korte, der Vorsitzende der Interessengemeinschaft Celler Wochenmärkte, zieht ein ernüchterndes Fazit nach dem heutigen Gespräch mit CTM-Geschäftsführer Klaus Lohmann. Vollendete Tatsachen statt Mitsprache, so könne man mit den Wochenmarktbeschickern nicht umgehen. Aus Lohmanns Sicht seien die Marktbeschicker rechtzeitig, das heißt am 1.8., über die neue Regelung informiert worden.

Anlass des Streites ist die Neuaufstellung des Weihnachtsmarktes, der aus Celle eine „leuchtende Weihnachtsstadt“ machen möchte – dazu müssten Teile des Wochenmarktes verlegt werden. Dagegen protestiert die Interessengemeinschaft und bietet gleichzeitig die Mitwirkung in einer Arbeitsgruppe an. In einem Schreiben an Klaus Lohmann, den Aufsichtsrat der CTM sowie den Oberbürgermeister der Stadt, Dr. Jörg Nigge, heißt es – ungekürzt und unkommentiert:

„Sehr geehrte Damen und Herren,

heute hat im Alten Rathaus eine Informationsveranstaltung der zuständigen Fachverwaltung unter der Leitung von Herrn Frick zum Aufbau des Wochenmarktes, während der Zeit des Weihnachtsmarktes 2018, stattgefunden. Da wir im Vorfeld gern Informationen gehabt hätten, haben wir sowohl mit dem Geschäftsführer der CTM, seinen Mitarbeitern der Veranstaltungsabteilung sowie Herrn Frick Kontakt aufgenommen. Alle haben sich mit Informationen bedeckt gehalten und so haben wir im Vorfeld der heutigen Veranstaltung mit dem Schlimmsten gerechnet.

So war es dann leider auch. Statt einer Vorstellung Ihrer Vorstellungen, einer Aussprache und der Chance, unsererseits Ideen einbringen zu können, waren wir lediglich gut genug, eine ‚Urteilsverkündung‘ von Herrn Frick entgegenzunehmen. Für uns Marktbeschicker und alle, die am Kompromiss 2013 mitgearbeitet haben, ist dies ein Schlag ins Gesicht.

Wenn es denn so ist, dass der Weihnachtsmarkt bestimmte Flächen unbedingt benötigt um eine Anbindung an den neuen Standort Schlossvorplatz, zur Poststraße und Großen Plan zu gewährleisten, dann sollte doch bitte, eine für alle tragbare Lösung gefunden werden.
Der Wochenmarkt soll in der Weihnachtszeit auf Teile der Straße Markt, der Schuhstraße und des Brandplatzes ausweichen. Das ist aus folgenden Gründen sehr problematisch:

Wegen der Brandschutzvorschriften müssen die Abstände der Marktstände zu den Häusern größer sein als früher, als der Markt noch generell in der Schuhstraße stattfand, ein ansprechender und kundenorientierter Marktaufbau so nicht mehr möglich. Übrigens auch die Befürworter der Verlegung 2013 mussten das erkennen. Der innere Ring muss für die Marktverlegung geschlossen werden. Das bedeutet zuletzt:

Fahrradfahrer fühlten sich daran nicht gebunden und fuhren Slalom. Der Nordwall war verstopft, es wurden mehr Sicherheitskräfte und Ordner benötigt und die Demontage von Schildern und Straßenausstattung sowie Abschleppvorgänge waren aufwendig. Es wurden u.E. Steuergelder verschwendet.

70 % Umsatzeinbußen befürchtet

Durch die Verlegung in diesem Bereich hat der Großteil (rund neun von zehn) der Betreiber, Umsatzverluste von bis zu 70 %.
Als weiteres Problem erwies sich insbesondere für Menschen mit Handicap die wesentlich größere Entfernung zu den Bushaltestellen.
Auch der Wegfall weiterer Parkplätze nicht nur für Marktkunden war die Folge. Auch Geschäftsinhaber der Schuhstraße und des Brandplatzes beklagten Umsatzeinbußen. Übrigens erfreute die Kompromissvariante der letzten Jahre auch die Weihnachtsmarktstände wegen der zum Wochenmarkt und das belebte Geschäft in der Mittagszeit. Probleme miteinander gab es kaum.

Nun erwarten die Verantwortlichen offensichtlich mehr Qualität für den Weihnachtsmarkt durch erhebliche Flächenausweiterung vor dem Schloss. Auch einige Innenhöfe in der der Innenstadt sollen laut Zeitungsberichten bespielt werden. Das hört sich erst einmal gut an und ist vielleicht auch gut für Celle. Wir sind nicht gegen den Weihnachtsmarkt, wir stehen für ein respektvolles Miteinander.
Deshalb fragen wir uns, warum wir weichen müssen. Uns wurde nicht glaubhaft vermittelt, warum so viele Stände zwecks Anbindung auf der Stechbahn benötigt werden, dass für uns kein Platz mehr ist? Wir befürchten, dass die geplante Qualitätssteigerung letztlich durch Masse statt Klasse wieder verwässert wird, dass wir quasi für ‚Füllstoff und Monotonie‘ weichen müssen. Celle braucht keine massive Ausweitung von Kirmes- und Schützenfestbuden hinter Tannengirlanden. Möchten Sie wirklich eine Umverteilung, die ein paar Weihnachtsmarktbuden für einen Monat gewisse Umsätze beschert und den Wochenmarkt sowie etliche Innenstadtakteure schwächt. Sollten Sie den Eindruck haben, Marktbeschicker und Händler jammern sowieso immer, dann schauen sie sich mit offenen Augen Leerstände in der Stadt und leere Plätze auf dem Wochenmarkt an. Die Kunden können einen Euro auch in der Weihnachtszeit nur einmal ausgeben.

Wird neben der Anbindung auch das Wäldchen weiter benötigt? Wir meinen NEIN! Geht eine Anbindung auch ohne komplette Aussperrung des Wochenmarktes? U.E. JA!

„Hören Sie auf, hinter unserem Rücken zu planen“

Unsere Wünsche: Hören Sie auf, hinter unserem Rücken zu planen und mit Geheimniskrämerei für Spekulationen bei uns Marktbeschickern zu sorgen. Nehmen Sie uns als Betroffene wahr, die konstruktiv mitwirken wollen. Wir sind mit Ausnahme weniger Urlaubstage 52 Wochen im Jahr an jeweils zwei Tagen für die Celler Bevölkerung und die Touristen der Stadt da. Der Wochenmarkt ist Teil der Vermarktung der CTM. Der Celler Wochenmarkt ist einer der attraktivsten Niedersachsens. Qualität und Angebot stimmen. Wir sind ein Teil der Nachhaltigkeit Celles, weil wir überwiegend lokale und regionale Produkte anbieten. Wir beschäftigen auch viele Celler, die uns an den Ständen unterstützen. Die Kaufkraft bleibt in Celle und der Region. Und dieses, unser Engagement wollen Sie mit Füßen treten?

Suchen Sie sich endlich den überfälligen Dialog auf Augenhöhe mit uns. Das hat 2013 vorbildlich geklappt, als die damalige Geschäftsführerin Frau Krohn uns komplett verdrängen wollte und gemeinsam mit dem damaligen Stadtmarketing, Teilen der CTM, der Kirche, der Marktverwaltung und tatsächlich mit uns ein für alle Seiten akzeptabler Kompromiss gefunden wurde. Damals gab es sogar in 2014 eine Abfrage, um ggf. Verbesserungen umzusetzen. Wir waren Beteiligte und nicht Befehlsempfänger.

Beachten Sie bitte, dass es jetzt schon schwierig ist, passende Marktbeschicker, zum Füllen von Lücken, zu finden. Die Beispiele Uelzen und Wolfsburg zeigen deutlich wie schnell ein Marktgefüge zerstört werden kann. Nehmen Sie unsere Bedürfnisse ernst. Wenn wir zum 2. August keinen Terminvorschlag für ein zeitnahes Gespräch erhalten, dann sehen wir uns leider gezwungen, für Samstag den 04.04.2018 ein Pressegespräch einzuladen, der Celler Öffentlichkeit unsere Gesprächsbereitschaft darzulegen und unsere Sicht der Dinge bezüglich der offensichtlich maßlosen Ausweitung des Weihnachtsmarktes vorzustellen.

WIR KÖNNEN NICHT GLAUBEN, DASS SIE 12 MONATE NACHVERSORGUNG GEGEN EINEN MONAT ÜBERMÄSSIG MEHR WEIHNACHTSMARKT GEFÄHRDEN WOLLEN.
Die Landwirtschaft und damit auch die Direktvermarkter haben derzeit genug Probleme. Allein Ihr Vorhaben entlarvt Ihre Aussagen, dass Ihnen der Markt wichtig sei, als pures Lippenbekenntnis. Nach dem Herr Lohmann sich am 02.08. gemeldet und zu einem Gespräch heute am 08.08. eingeladen hat, waren wir erfreut und es keimte ein Hoffnungsfunke für eine Einigung auf.

Leider mussten wir heute erkennen, dass man uns nur hingehalten hat. Wir befürchten, dass in der Zwischenzeit, durch die Versendung der Verträge mit den Weihnachtsmarktbetreibern, nun endgültig vollendeten Tatsachen geschaffen wurden. Das ganze Vorgehen finden wir verwerflich und bitten um Ihre Unterstützung.“

CTM-Geschäftsführer Klaus Lohmann gegenüber CELLEHEUTE, ungekürzt und unkommentiert:

„Ebenso wie der Celler Wochenmarkt ist der Celler Weihnachtsmarkt eine beliebte Institution für Bürger und Besucher. Da „Stillstand RückschEitt ist!“ und vor dem Hintergrund eines immer anspruchsvolleren Publikums soll dieses Jahr mit der Integration des ikonischen Celler Schlosses der Weihnachtsmarkt inhaltlich und geographisch ausgebaut werden.

Zusätzlich und unter dem Motto ‚Weihnachtsstadt‘ werden viele weitere Aktionen, wie z.B. der „Lebendige Adventskalender“ der Initiative Celle unter einem Hut und federführend von der CTM vermarktet. Ziel ist, Celle noch beliebter und über die Stadtgrenzen hinaus bekannter zu machen, um mehr zahlungskräftige Besucher zu generieren. Dafür sind umfangreiche Marketingaktionen geplant.

„Lückenloses Weihnachtsmarkterlebnis der besonderen Art“

Vor diesem Hintergrund werden wir auch die (ganze) Stechbahn als einen Teil des Weihnachtsmarktes nutzen, um eine homogene und weihnachtlich anmutende Einheit vom Großen Plan, über die Poststraße, die Stechbahn bis zum Schloss (und umgekehrt) zu bieten. Die Idee ist eine intuitive Besucherführung und ein lückenloses Weihnachtsmarkterlebnis der besonderen Art.

Die Marktbeschicker wurden rechtzeitig, das heißt am 1. August, über die neue Regelung informiert. In der Wochenmarktsatzung ist zudem festgelegt, dass dieser einmal jährlich wegen des Weihnachtsmarktes und ein zweites Mal im Jahr für ein großes, überragend bedeutendes Event für Celle mit Ausstrahlung über die Landkreisgrenzen hinaus umziehen müsste. Von der Flächenwidmung und der Infrastruktur kommen dafür nur die Schuhstraße und der Brandplatz in Frage.

Wir betrachten den Wochenmarkt und den Weihnachtsmarkt als – für mittwochs und samstags – ’siamesische‘ und faktisch bzw. geographisch zusammenhängende Märkte, da ja weiterhin der Wochenmarkt wie gewohnt auch in der Straße Markt stattfinden wird. Um die neuen Standorte Schuhstraße und Brandplatz auch darzustellen, werden wir dieses überall mitkommunizieren, wo sinnvoll. Geplant sind verschiedene Maßnahmen wie u.a. Programmhefte, Flyer, Karten, innerstädtische Beschilderung und aktive Pressearbeit, damit die Kunden weiterhin ihre liebgewonnenen Marktbeschicker finden.

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