Der Gutachter Klaus Koch vom Umweltnetzwerk Hamburg wies in seinem ausführlichen Vortrag vor ca. 50 Zuhörern auf schwerwiegende Mängel beim Betrieb der Munitionsentsorgungsanlage in Winsen-Schmalhorn hin. Nach seiner Ansicht ist auch das Verhalten der staatlichen Gewerbeaufsicht in diesem Zusammenhang zu kritisieren. In einer Presseerklärung von UWG Winsen (Aller) und Bürgerinitiative Walle heißt es, ungekürzt und unkommentiert:

„Ganz eindeutig untermauern die Ausführungen von Herrn Koch Befürchtungen, dass von der Anlage Gesundheits- und Umweltgefährdungen ausgegangen sind und in Zukunft ausgehen können.
Die Palette der Schadstoffe umfasst u.a. Quecksilber, Stickoxide, und zumindest zeitweilig sehr wahrscheinlich auch Dioxine und Furane. All diese Stoffe schädigen den menschlichen Stoffwechsel in vielerlei Hinsicht und können Krebserkrankungen auslösen.

Dass es auch anders geht, zeigt das Beispiel des Sprengofens der GEKA Munster, einer Einrichtung der Bundeswehr, die einem vergleichbaren Zweck, der gefahrlosen Vernichtung von Kampfmitteln und Rüstungshinterlassenschaften dient. Diese verfügt über eine aufwendige, mehrstufige und bessere Rauchgasreinigungsanlage in der Dioxine und Furane sowie Schwermetalle erfasst und aufgezeichnet werden.

Diese Emissionsdaten werden von dort kontinuierlich online an die Überwachungsbehörde übermittelt.
Nicht so jedoch in der Munitionsentsorgungsanlage MEA-2 in Winsen (Aller). Hier werden die Daten für eine Emissionskontrolle nur alle 3 Jahre im Auftrage des Betreibers erhoben und an die Überwachungsbehörde weitergegeben. Dioxine und Furane sowie andere Schwermetalle außer Quecksilber werden weder erfasst noch gemessen.
Wir leben im Zeitalter der schnelle, digitalen Datenübermittlung, in der es längst möglich ist, alle Daten halbstündlich online an die Aufsichtsbehörde zu übersenden. Programme hierfür sind vorhanden und werden bereits international genutzt. So könnten die jetzigen Kontroll- und Überwachungsfehler der Munitionsentsorgungsanlage vermieden werden. Die zuständige Behörde könnte bei Grenzwertüberschreitungen schneller reagieren. Auch die Aufsummierung der emittierten Gesamtfrachten einzelner Schadstoffe wäre auf diese Weise möglich. Die derzeitige Praxis der gesetzlichen Überwachung gehört jedoch leider ins emissionstechnische Steinzeitalter.

Die genehmigte Anlage genießt grundsätzlich Bestandsschutz. Verbesserungen sind somit nur über eine verstärkte Aufsicht der zuständigen staatlichen Gewerbeaufsicht sowie durch freiwillige Zugeständnisse des Betreibers möglich.
Wer mit gefährlichen und hochexplosiven Stoffen hantiert, sollte wissen, das mehrjährige Grenzwertüberschreitungen von u.a. Quecksilber und Stickoxiden, wie sie in Winsen vorgekommen sind, nicht toleriert werden können. Die unzureichende Erfassung von Messdaten aus der Anlage und ihre unzureichende Kontrolle durch die verantwortlichen Stellen werden von der betroffenen Bevölkerung mit großer Besorgnis betrachtet und nicht mehr einfach hingenommen.
Gefordert ist jetzt nicht nur eine umfassende Überprüfung durch die Aufsichtsbehörden. Kommunalpolitiker aus der Gemeinde Winsen (Aller), aber auch im Kreistag des Landkreises Celle sollten das Ihre zum Schutz der Bevölkerung beitragen und den Betreiber zum eiligen Handeln bewegen.

Ein Vertreter der Betreiberfirma DYNASAFE Sales & Operations GmbH erklärte sich nach kontroverser Diskussion auf der Veranstaltung auch bereit, an einer gemeinsamen Lösung mit Hilfe eines „Runden Tisches“ aller Beteiligter mitzuwirken.
Das verlorene Vertrauen ist nur mit durchgreifenden Verbesserungen bei der Technik der Munitionsentsorgungsanlage und einer kontinuierlichen Kontrolle durch die staatliche Gewerbeaufsicht wiederzugewinnen.
Angesichts der Tatsache, dass jahrelang giftige Schadstoffe aus der Anlage in die Umgebung gelangt sind, hält Gutachter Klaus Koch die analytische Untersuchung der Schutzgüter Boden und Wasser in der Umgebung der Anlage für eindeutig erforderlich.

Wir fordern die zuständigen Behörden des Landkreises Celle unmissverständlich auf, Ihren diesbezüglichen Pflichten endlich nachzukommen.“

 

Kommentare sind geschlossen.