HANNOVER. Der Verband Niedersächsischer Lehrkräfte – VNL/VDR empfindet das Schönreden des Stundenbedarfs der einzelnen Schulformen mit Blick auf die Unterrichtsversorgung im neuen Schuljahr als dreist. Nach Aussagen der Kultusministerin auf der heutigen Pressekonferenz sei der Pflichtunterricht auch bei einer Versorgung von unter 100 Prozent gesichert. Der Anteil des Pflichtunterrichts an der Unterrichtsversorgung liege je nach Schulform zwischen 70 bis gut 88 Prozent.

„Wer da behauptet, dass zum Beispiel eine Oberschule bereits mit einer Versorgung von 70,9 Prozent laufen könne, zeigt, dass er bzw. sie keine Ahnung von einer gut funktionierenden Schule hat. Fördermaßnahmen, die ihren Namen auch verdienen, als auch ein gut aufgestellter Ganztag, der nicht nur Aufbewahrungsort ist, wie auch eine erfolgreiche Umsetzung der Inklusion sind mit den als ausreichend propagierten 70,9 Prozent Pflichtunterricht nicht möglich. Gute schulische Qualität muss dabei unweigerlich auf der Strecke bleiben“, so Manfred Busch, VNL/VDR-Landesvorsitzender, in einer ersten Stellungnahme zu den heutigen Verlautbarungen der Kultusministerin Frauke Heiligenstadt.

Der VNL/VDR bezweifelt zudem Heiligenstadts Ankündigung, dass die Unterrichtsversorgung im neuen Schuljahr bei 98 Prozent liegen werde. Zumindest im Bereich der Ober-, Real- und Hauptschulen muss diese Zahl stark angezweifelt werden. Von den dort ausgeschriebenen Stellen konnten etwa 25 Prozent, also ein Viertel (!), nicht besetzt werden. 20 Prozent der Neueinstellungen sind zudem Quereinsteiger, die einer intensiven pädagogischen Unterstützung bedürfen und daher noch nicht voll eingesetzt werden können. Außerdem müssen diese Schulformen noch Lehrkräfte an die Grundschule abordnen.

Der VNL/VDR fordert angesichts der anhaltenden Probleme bei der Besetzung ausgeschriebener Lehrerstellen erneut, den Lehrerberuf in Niedersachen endlich attraktiver zu machen. „Die Bewerberinnen und Bewerber können gerade im Grundschul- und Sekundarbereich I in anderen Bundesländern vielfach mit einer höheren Besoldung und einer niedrigeren Stundenverpflichtung rechnen. Bisher haben alle Maßnahmen in Niedersachsen nicht dafür sorgen können, die prekäre Unterrichtsversorgung wirklich in den Griff zu bekommen. Wie die Landesregierung das für die Zukunft meistern will, steht in den Sternen, von unserer Kultusminsterin kam heute nichts Erleuchtendes“, so Busch abschließend.

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